FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Costa Rica 2014

13 November - 1 Dezember

FIFA U-17 Frauen-Weltmeisterschaft 2014

"Schulalltag" im DFB-Quartier

© Getty Images

Bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Costa Rica 2014 spielen insgesamt 336 Mädchen um den Titel. So gut wie alle von ihnen gehen noch zur Schule. Da das Turnier zu einer Zeit stattfindet, in der eigentlich Schulunterricht wäre, haben sich einige Teams besondere Maßnahmen einfallen lassen.

Im Gespräch mit FIFA.com berichtet Paraguays Trainer, dass die Spielerinnen auch in Costa Rica Schularbeiten machen und diese dann per Internet an die Schule senden müssen. Deutschland geht noch einen Schritt weiter und hat sogar zwei Lehrerinnen mit zur Weltmeisterschaft genommen.

Sarah Reinl und Sinja Melchinger studieren Lehramt und betreuen die deutschen Spielerinnen bei ihren Schularbeiten. Täglich – außer an Spieltagen – finden zirka 60-minütige Unterrichtseinheiten statt. Dabei bearbeiten die Schülerinnen den Stoff, der ihnen von den Lehren ihrer Schule mitgegeben wurde.

"Die Spielerinnen gehen vor dem Turnier, oder auch vor jedem Trainingslager, zu ihren Lehrern und bringen dann einen Bogen mit hierher, auf dem alles genau festgehalten ist, was während ihrer Abwesenheit bearbeitet werden soll. Danach richten wir uns dann," erläutert Reinl gegenüber FIFA.com. Die Schulstunden laufen ähnlich ab wie eine Hausaufgabenbetreuung. Die Spielerinnen bearbeiten ihre Aufgaben, die angehenden Lehrerinnen unterstützen sie dabei und gehen auf die individuellen Fragen ein.

"Es ist kein Unterricht im herkömmlichen Sinne. Die Spielerinnen kommen aus unterschiedlichen Bundesländern und auch Schularten, da wäre das gar nicht möglich" erklärt Melchinger diese Vorgehensweise. Behandelt werden alle Fächer und Themen, die die Mädchen auch in Deutschland bearbeiten würden. Die Reihenfolge der Lerninhalte können sie jedoch selbst wählen.

Neben den Schulstunden werden ebenfalls Klausuren vor Ort im Teamhotel geschrieben. Und das am besten zur gleichen Zeit wie die Schulkameradinnen in Deutschland. Dabei kommt es auf Vertrauen an. Vertrauen der Schule zu den Spielerinnen und den Lehrern des Deutschen Fussball Bundes (DFB), wie Melchinger sagt. "Mit der Zeitverschiebung hier ist es natürlich ein kleines Problem. Da liegt es an den Lehrern, ob sie es erlauben, dass die Prüfung hier geschrieben wird. Manche Lehrer stellen dann eine extra Aufgabe, andere vertrauen darauf, dass der Informationsaustausch mit den Mitschülern nicht zu groß ist und entsprechende Vorteile bringt."

Freier Kopf durch Schulstunden
Die deutsche Mannschaft tat sich bisher schwer im Turnierverlauf. Im ersten Spiel gegen Kanada erkämpfte sich das Team von Trainerin Anouschka Bernhard nach einem Zwei-Tore-Rückstand noch ein Unentschieden und gegen Ghana verloren sie trotz zahlreicher Chancen mit 0:1. Im letzten Gruppenspiel gegen Korea DVR muss nun ein Sieg her, um noch das Viertelfinale erreichen zu können – Voraussetzung dafür ist, dass Kanada gehen Gruppensieger Ghana nicht gewinnt.

Wer nun denkt, dass der Schulunterricht, zusätzlich zu dieser sportlichen Herausforderung, für die Spielerinnen störend sei, der liegt falsch. Die Mädchen schätzen es sehr, dass sie während der WM auch für die Schule arbeiten können, wie Mittelfeldspielerin Saskia Matheis im Gespräch mit FIFA.com bestätigt. "Es ist super, dass wir hier diese Möglichkeit bekommen. Es ist zwar schon anstrengend, aber sehr gut mit dem Fussball zu verbinden."

Hätte sie diese Möglichkeit nicht, müsste sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland, den ganzen verpassten Stoff und alle Klausuren innerhalb kürzester Zeit nachlernen beziehungsweise nachschreiben. Daher ist sie sehr froh darüber, dass die Zusammenarbeit zwischen Schule und dem DFB so gut klappt. "Mein Schulleiter unterstützt das komplett, solange die Noten stimmen. Auch die Lehrer haben keine Probleme damit. Das ist sehr gut."

Die Schülerinnen empfinden den Unterricht als gute Ablenkung. Er hilft ihnen auch, den Kopf frei zu bekommen. Sonst  würden sie vielleicht ständig darüber nachdenken, was sie nach ihrer Heimreise alles nacharbeiten müssten. Und wenn es nach Matheis geht, tauscht sie das Klassenzimmer im Teamhotel noch nicht nach dem Spiel gegen Korea DVR mit dem Klassenzimmer in ihrer Heimat ein. "Wir haben einen Plan und sehen dann, was passiert. Aber wir sind optimistisch!"

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