FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Aserbaidschan 2012

FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Aserbaidschan 2012

2 November - 21 November

FIFA U-17 Frauen-Weltmeisterschaft 2012

Sagnol: "Stolz auf das, was sie erreicht haben"

Former Bayern defender Willy Sagnol
© AFP

Am Dienstag, 9. Oktober 2012, ging Frankreich im 8 km Stadium in Baku als erstes europäisches Team, das ins Finale einer FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft einzog, in die Geschichte ein. Es ist der Lohn für drei Wochen Wettbewerb, in deren Verlauf die Bleuettes nie nachgelassen haben. Die gleichzeitig talentierten und sympathischen Spielerinnen überzeugten zudem durch ihren hochklassigen, schnörkellosen und offensiven Fussball. Eine Spielweise, die insbesondere Willy Sagnol, den Manager der französischen Jugendauswahlen, begeisterte.

Der ehemalige französische Nationalspieler reiste nach Baku, um die Spielerinnen und den Trainerstab der U-17-Auswahl zu beglückwünschen, und erklärte sich zu einem Gespräch mit FIFA.com bereit.

Willy Sagnol, was ist der Grund Ihres Besuchs in Baku?Ich bin gekommen, um den Spielerinnen und dem Trainerstab der französischen Mannschaft zu sagen, wie stolz ich auf das bin, was sie in diesen drei Wochen gezeigt haben. Und zwar sowohl auf die Ergebnisse wie auch auf ihre Einstellung und das Bild, das sie abgegeben haben. Es herrscht ein sehr guter Zusammenhalt. Sie haben sehr gute Spiele gemacht. Man konnte sehen, dass es eine richtige Gruppe, eine richtige Mannschaft ist. Das vereinfacht die Entscheidungen, die man treffen kann, sei es bezüglich der Spielphilosophie allgemein oder der Zusammenstellung der Trainerstäbe. Ich bin begeistert.

Sind Sie selbst ein Liebhaber des Frauenfussballs?
Ich verfolge den Frauenfussball aufgrund meiner Funktion. In gewisser Hinsicht entdecke ich ihn gerade auch. Ich stelle fest, dass die Herangehensweise der Mädchen an den Fussball sich vollkommen von dem Ansatz unterscheidet, den die Jungs haben können. Bei den Mädchen ist es gesünder. Sie stellen sich weniger Fragen. Die französische U-17-Frauenauswahl ist dafür das beste Beispiel. Sie erleben eine Weltmeisterschaft und nehmen sich die Zeit, das, was sie gerade erleben, zu schätzen. Sie gehen mit großen Augen durch das Ereignis und nehmen alles auf. Doch sie vergessen nie, zu spielen, wenn sie auf dem Feld stehen. Sie verstehen es, diese Erfahrung in vollen Zügen zu genießen.

Wie denken Sie über den französischen Frauenfussball im Besonderen?Es ist ein Sport, der sich in Frankreich kontinuierlich weiterentwickelt. Es gibt ungefähr 60.000 gemeldete Spielerinnen, und wir erwarten, dass sich diese Zahl erhöhen wird. Die Strukturen sind vorhanden, sie befinden sich mitten in der Entwicklung. Es gibt unser Nachwuchszentrum, das sehr gut funktioniert. Es gehen enorm viele hochklassige Spielerinnen daraus hervor, wie diese, die an diesem Turnier teilnehmen. Da sich die A-Nationalmannschaft der Frauen im Aufwind befindet, hat dies einen Zugeffekt. Wenn in Frankreich die A-Nationalmannschaft der Frauen spielt, sitzen bis zu einer Million Zuschauer vor den TV-Geräten. Das ist etwas Neues, Frisches, und der Fussballsport profitiert in seiner Gesamtheit davon.

Sie selbst haben bereits an FIFA Weltmeisterschaften teilgenommen (FIFA U-20-Weltmeisterschaft Malaysia 1997 und FIFA Fussball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006) Was stellt dies für das Leben eines Spielers oder einer Spielerin dar?
Es gibt nichts Besseres als eine Weltmeisterschaft! Wir haben alle Erinnerungen an Weltmeisterschaften, die wir als Kinder im Fernsehen gesehen haben. Man träumt immer davon, dort zu den Akteuren zu gehören. Wenn man es schafft, an diesem Turnier teilzunehmen, wird in gewisser Hinsicht ein Traum wahr. Und dann ist da noch der Wettkampf-Aspekt. Denn wenn man einen Wettbewerb beginnt, dann nur, um zu gewinnen. Was die Französinnen betrifft, weiß ich nicht, ob sie zu Beginn des Wettbewerbs erwartet hatten, so weit zu kommen. Sie waren in einer schweren Gruppe. Doch sie sind sehr gut ins Turnier gestartet, haben gute Leistungen gezeigt und waren dabei sehr diszipliniert. Sie machen mit derselben Einstellung weiter, mit derselben Eigenständigkeit. Sie haben damit Erfolg – umso besser!

Haben Sie den Wettbewerb verfolgt?
Ich habe alle Spiele der französischen Mannschaft gesehen, aber auch andere, insbesondere die Begegnungen der Deutschen. Insgesamt finde ich, dass die Mannschaften sehr nah beieinander sind. Außer vielleicht zwei oder drei Teams, in deren Ländern der Frauenfussball noch zu neu ist, um bei einem solchen Wettbewerb etwas erwarten zu können. Ich stelle fest, dass die vier oder fünf größten Nationen auf diesem Niveau hier sehr ausgeglichen sind.

Es ist zu beobachten, dass viele Spieler, die in den Juniorenauswahlen sogar geglänzt haben, später im Profifussball den Durchbruch nicht schaffen. Welche Klippen muss man umschiffen?
Bei den Jungs besteht die Schwierigkeit gerade im Übergang zu den Profi-Mannschaften. Es ist eine große Umstellung. Sie sehen sich mit erfahrenen Spielern konfrontiert, die nicht mehr denselben Lebensstil führen, die ein Spieler mit 18 Jahren haben könnte. Bei den Mädchen – da der Frauenfussball es heute noch nicht erlaubt, aus seiner Leidenschaft seinen Beruf zu machen – muss man nebenbei eine berufliche Aktivität verfolgen. Es ist wichtig, einen doppelten Plan zu haben, ein sportliches und gleichzeitig berufliches Projekt. Und vor allem, sich als Frau zu entfalten!

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