FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Aserbaidschan 2012

FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Aserbaidschan 2012

22 September - 13 Oktober

FIFA U-17 Frauen-Weltmeisterschaft 2012

Rottenberg: "Ich lege Wert auf Mentalität, Technik und Athletik"

Zweimalige Weltmeisterin, dreimalige Europameisterin, Welttorhüterin des Jahres 2003, Rekordtorhüterin der deutschen Nationalmannschaft. Dies ist nur ein Auszug aus der beeindruckenden Vita von Silke Rottenberg. 126 Länderspiele hat die heute 40-Jährige im Dress der deutschen A-Frauen-Nationalmannschaft absolviert, bevor sie im Dezember 2008 ihre aktive Karriere beendete. Heute gibt sie ihr Wissen an die nächste Generation von Torhüterinnen weiter.

Im exklusiven Interview mitFIFA.com sprach die DFB-Torwart-Trainerin über ihren Fokus bei der Ausbildung junger Torhüterinnen und veränderte Trainingsmethoden.

Im bisherigen Turnierverlauf konnte man Unterschiede in den Leistungen der Torhüterinnen feststellen. Was glauben Sie, woran das liegt?
Das liegt an der Entwicklung des Frauenfussballs in den jeweiligen Ländern. Gambia hatte sich beispielsweise zum ersten Mal für eine WM qualifiziert. Dort sind die Entwicklungsmöglichkeiten, gerade was die Torwartposition oder das individuelle und spezifische Training angeht, sicher noch nicht so ausgereift wie in anderen Ländern. In Deutschland oder Japan hingegen ist der Unterschied zwischen einer gut ausgebildeten Torhüterin und einer, die vielleicht gerade erst mit dem Torwartspiel anfängt, spürbar, weil die individuelle Betreuung stark fortgeschritten ist.

Was ist Ihnen bei der Ausbildung junger Torhüterinnen besonders wichtig? Worauf legen Sie den Fokus?
Besonders wichtig ist, dass man Talente frühzeitig findet und bereits mit zwölf oder dreizehn Jahren mit der torwartspezifischen Ausbildung anfängt. Eine moderne Torhüterin muss in den Grundtechniken gut ausgebildet sein, sprunggewaltig und hellwach. Sie darf keine Angst vor dem Ball haben. Sie sollte aktiv am Spielgeschehen teilnehmen und nicht erst darauf warten, bis der Ball zu ihr kommt. Sie muss der Mannschaft schon allein durch ihre Ausstrahlung Sicherheit geben. Ich lege in meinem Torwarttraining sehr viel Wert auf Mentalität, Technik und Athletik.

Worin unterscheidet sich das Training für Junior-Torhüterinnen und den Torfrauen der A-Nationalmannschaft?
Nadine Angerer ist zum Beispiel eine sehr erfahrene Torhüterin. Bei ihr braucht man nicht mehr an den Grundtechniken zu feilen. Da geht es in erster Linie darum, fit zu bleiben und ein gutes Gefühl zu haben. Für eine junge Torhüterin sind die Grundtechniken entscheidend. Dazu gehört unter anderem die Torwartgrundstellung: Wie stehe ich? Wie verhalte ich mich vor der Linie? Wie falle ich? Wie fange ich den Ball? Wie verhalte ich mich bei einer Flanke auf den kurzen oder langen Pfosten? Diese individuellen Dinge sind von großer Bedeutung.

Sie waren, bevor sie den Weg ins Tor fanden, Feldspielerin. Ist es von Vorteil für eine Torhüterin, wenn sie vorher Feldspielerin war?
Ich denke schon, dass es in der heutigen Zeit von Vorteil ist, wenn man als Torhüterin auch im Feld spielen kann. Zum einen findet das Torwartspiel im modernen Fussball auch außerhalb des Strafraumes statt. Daher ist Beidfüssigkeit von großem Vorteil, um immer in der Lage zu sein, den Ball an- und mitzunehmen, zu verteilen oder einen Angriff einzuleiten. Zum anderen ist es wichtig, selbst eine gute Fussballerin zu sein, um Situationen vorauszuahnen. Es geht nicht nur darum, den Ball einfach irgendwohin zu klopfen. Darin unterscheidet sich eine Top-Torhüterin von einer guten Torhüterin.

Wie haben sich die Trainingmethoden seit Ihrer aktiven Zeit als Torhüterin verändert
Es wird wesentlich mehr Wert auf die Techniken gelegt. Ich hatte meine erste torwartspezifische Ausbildung erst mit dem 25. Lebensjahr. Alles andere habe ich mir im Grunde genommen selbst angeeignet. Mein Torwarttraining war unregelmäßig. Heute ist der Torwarttrainer fester Bestandteil des Trainerteams bei allen DFB-Nationalmannschaften.
* Deutschland bringt immer wieder sehr gute Torhüter hervor, sowohl bei den Frauen, als auch bei den Herren. Das Geheimnis des Erfolges?*
In Deutschland war und ist die Ausbildung sehr gut. Dafür schafft der DFB schon bei Junioren-Nationalmannschaften Bedingungen, die auch in den Top-Bundesligavereinen nicht anders sind. Unsere Torwarttrainer haben selbst im Tor gestanden, geben ihr Fachwissen und ihre Erfahrung an die nächste Generation weiter. Unser nächstes Ziel ist, dass Torhüterinnen bereits in der U-15 auch in ihren Vereinen regelmäßiges individuelles Training erhalten, um eine Breite an jungen talentierten Torhüterinnen zu schaffen. Denn nur mit einem außergewöhnlichen Torwart kann eine Mannschaft ein großes Turnier gewinnen.

Heutzutage werden junge Talente oft nach der Größe ausgewählt. Ist nur ein "großer" Torwart ein guter Torwart?
Das ist nicht meine Philosophie. Mir ist wichtig, dass meine Torhüterin weiß, warum sie die Handschuhe anhat. Wenn ich nur eine großgewachsene Torhüterin habe, dann reicht das vielleicht noch in der U-15. Aber das wird sich relativ schnell verflüchtigen. In späteren Jahrgängen sind neben einer körperlichen Robustheit vor allem Athletik, Beweglichkeit, Geschmeidigkeit und Schnelligkeit enorm wichtig.

*Wie hat sich das Torhüten im Frauenfussball in den letzten Jahren verändert? Schwedens Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl sagte in einem Interview mit FIFA.com, dass sie regelmäßig mit Männern trainiert, da das Spiel sehr viel schneller geworden ist. *Das befürworten wir beim DFB auch. Im Jugendbereich istes sinnvoll, so lange wie möglich mit den Jungs zu spielen, oder regelmäßig mit ihnen zu trainieren. Das Spiel der Jungs ist schneller, die Schüsse sind härter. Man muss viel schneller auf den Füßen sein, viel schneller denken. Das sind Elemente, die man sich im Mädchenfussball so nicht erarbeiten kann. Ich selber bin auch so groß geworden. Ich habe ab dem Jahr 2000 mit meinem damaligen Torwarttrainer Walter Pradt intensiv zusammengearbeitet und bei der Zweitliga-Mannschaft Waldhof Mannheim mittrainiert. Das hat mir sehr geholfen, mein offensives Torwartspiel zu entwickeln, mit dem ich 2003 Welttorhüterin wurde. Und auf dieses offensive Towartspiel - den Ballangriff - lege ich in der Ausbildung auch heute großen Wert.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

The Germany players celebrate with Ricarda Kiessling (3rdL)

FIFA U-17 Frauen-Weltmeisterschaft 2012

Gruppe D: Erfahrung setzt sich durch

02 Okt 2012

Aserbaidschan 2012: Korea DVR - Deutschland

FIFA U-17 Frauen-Weltmeisterschaft 2012

Aserbaidschan 2012: Korea DVR - Deutschland

09 Okt 2012