FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Jordanien 2016

FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Jordanien 2016

13 November - 1 Dezember

FIFA U-17 Frauen-Weltmeisterschaft 2016

Ovalle: "Anfangs hatte ich gar kein Interesse am Fussball"

Jacqueline Ovalle, Mexico player
© Others

Die folgende Geschichte beginnt mit einer herausfordernden Bemerkung. Schauplatz des Geschehens ist die mexikanische Stadt Aguascalientes. Es ist ein ganz normaler Nachmittag, als Jacqueline Ovalle wie üblich von der Schule nach Hause kommt und sich von ihrem jüngeren Bruder folgende Worte anhören muss:

"Du wirst doch nicht etwa Fussball spielen gehen. *Das kannst du doch gar nicht."*

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Tatsächlich war es so, dass die kleine Jacqueline Ovalle nicht das geringste Interesse am Fussball hatte, so sehr sich ihr Vater auch bemühte, sie für diese Sportart zu begeistern, indem er sie wiederholt zum Fussballspielen animierte. Doch dann musste sich auch noch ihr jüngerer Bruder einmischen… "Es war eher eine Trotzreaktion. Ich wollte einfach nur beweisen, dass ich sehr wohl Fussball spielen kann", so die junge Mexikanerin lächelnd im Gespräch mit FIFA.com. Denn obgleich sich inzwischen einiges geändert hat, sagt Jacqueline auch heute noch ohne Umschweife jedem, der es hören will, dass sie "am Anfang gar kein Interesse am Fussball hatte."

Erst nach und nach änderte sie ihre Meinung. Zunächst wollte sie sich gegenüber ihrem Bruder beweisen. Später, im Alter von acht Jahren, spielte sie mit gleichaltrigen Mädchen in einer Mannschaft. Und als 13-Jährige gehörte sie bereits zur Mädchenauswahl des Bundesstaates Aguascalientes. "Es hat mir Spaß gemacht. Wir sind in mehrere Bundesstaaten gereist, um dort an Wettbewerben teilzunehmen."

Als Jacqueline dann 2014 im Fernsehen die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft in Costa Rica verfolgte, wurde ihr definitiv klar, dass ihre sportliche Zukunft im Fussball liegt. "Ich habe mich mit meinen Mitspielerinnen aus dem Auswahlteam getroffen, um gemeinsam die WM-Spiele in Costa Rica anzuschauen. Dabei hat mich vor allem Belén Cruz, eine mexikanische Nationalspielerin, die genau wie ich im linken Mittelfeld agiert, inspiriert. Ich sagte mir, dass ich einmal so spielen will wie sie und auch einmal bei so einem Turnier dabei sein möchte."

Dann erhielt Jacqueline eine Einladung zum Probetraining der mexikanischen U-17-Frauenauswahl. Daraufhin entschloss sie sich, ihr Glück zu versuchen. "Wir waren fünf Freundinnen. Einer der Väter hat uns hingefahren. Insgesamt waren rund 500 Mädchen zum Probetraining da. "Nach mehreren Tests blieben nur noch zwei übrig. Eine davon war Jacqueline. Seither hat sie keine Berufung für das Nationalteam mehr verpasst, einschließlich der Nominierung für die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Jordanien 2016, die am 30. September beginnt. "Was mein Bruder dazu sagt? Der hat sich bei mir entschuldigt. Und er motiviert mich zusätzlich." Dabei lacht sie erneut.

Seit sie in der Nationalmannschaft spielt – Jacqueline stieß als eine der Letzten zum Team - ist der Linksfuß nicht nur zur Stammspielerin avanciert. Dank ihrer permanenten Sturmläufe, ihrer Hereingaben vom linken Flügel und ihrer enormen Schusskraft, die Trainer Christopher Cuéllar schon wiederholt zum Schwärmen brachte, gehört sie mittlerweile auch zu den gefährlichsten Offensivspielerinnen der Mini-Tri. Davon zeugt ihr Treffer zum 1:0-Sieg über Jamaika, mit dem sie Mexiko ins Halbfinale der WM-Qualifikation schoss, ebenso wie ihr Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich im Finale gegen die USA [Anm. d. Red.: Am Ende unterlagen die Mexikanerinnen mit 1:2].

Jetzt hofft Jacqueline darauf, dass sie es in Jordanien noch besser machen kann. Dies umso mehr, da sich ihre Mannschaft für den bislang vierten WM-Auftritt Mexikos in dieser Altersklasse ein ehrgeiziges Ziel gesteckt hat: "Wir wollen hier das Halbfinale erreichen und danach, so Gott will, auch das Finale."

Zum Auftakt trifft die Mini-Tri auf Neuseeland. Die junge Mexikanerin erklärt, dass sie den Anpfiff dieser Partie kaum noch erwarten kann. "Den ganzen Tag über gehen mir schon alle möglichen Varianten darüber durch den Kopf, wie ich wohl spielen werde, welche Pässe ich spiele, wie ich mich an den Gegnerinnen vorbeischlängeln und wie ich Tore schießen kann." So etwas kostet Nerven. "Ich neige dazu, mir eine Menge Stress zu machen. Daran habe ich aber schon gearbeitet. Ich versuche, mich beim Training zu entspannen und ab und zu mal durchzuatmen, um die bevorstehenden Spiele etwas ruhiger angehen zu können."

Ab kommen Freitag werden in Aguascalientes alle den Auftritt ihrer Landsfrau verfolgen. Schließlich ist sie die Einzige aus dem gleichnamigen Bundesstaat, die es in die mexikanische U-17-Frauen-Nationalmannschaft geschafft hat. Ihre Mitschüler am Gymnasium, an dem Jacqueline derzeit die Vorbereitungsklasse zur Hochschulreife absolviert, ihre Freunde und ihre Eltern, sie alle werden sich die Auftaktpartie gegen die Kiwis nicht entgehen lassen. Natürlich auch nicht ihr Bruder, der indirekt "schuld" daran ist, dass das einst kleine Mädchen, das damals überhaupt kein Interesse am Fussball hatte, sich der Herausforderung gestellt hat.

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