FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Aserbaidschan 2012

FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Aserbaidschan 2012

22 September - 13 Oktober

FIFA U-17 Frauen-Weltmeisterschaft 2012

Frankreichs "Sauberfrau" Griedge

Griedge Mbock Bathy of France in action against Nigeria
© Getty Images

Glaubt man Torjägerin Pauline Cousin, dann ist Griedge MBock Bathy "die Abwehrspielerin, die Angreifer fürchten. Eine wie sie will jeder in seinen Reihen haben." Mannschaftskollegin Léa Declerq liefert die Begründung: "Sie ist groß und am Ball genau so stark wie auf der Tanzfläche!" Trainer Guy Ferrier lobt: "Fantastisches Mädchen, ganz ruhig und enorm reif für ihr Alter." Kurz: Alle lieben MBock Bathy.

Warum das so ist, wird nach wenigen Worten der französischen Innenverteidigerin im Interview klar. MBock Bathy sticht heraus: Ihre Stimme sanft, ihr Lachen offen, die Sätze bedacht. MBock Bathy hat Ausstrahlung. Auch ihre Spielweise überzeugt augenblicklich: Perfekte Antizipation, millimetergenaue Pässe, scharfe Zweikampfführung. So hält Griedge Mbock Bathy ihren Laden sauber.

Frankreichs Sauberfrau
Dabei hat Frankreichs Sauberfrau durchaus harte Zeiten hinter sich. Im Abstand weniger Wochen an beiden Knien verletzt, verpasste sie das Endspiel der Europameisterschaft gegen Deutschland am 29. Juni. Prompt verlor die französische U-17-Auswahl nach Monaten wieder einmal ein Spiel (1:1, 4:3 n.E.). Zusammenhänge weist die damals verhinderte Abwehrchefin jedoch weit von sich: "Nein! Mit meinem Fehlen hat das gar nichts zu tun. Das ist reiner Zufall!" Nach ihrer Verletzung setzte sich Griedge MBock Bathy die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2012 zum Ziel. Bis dahin wollte sie unbedingt wieder fit sein.

"Ich hatte Angst, dass ich es körperlich nicht schaffe. Ich bin ja erst im August wieder ins Training eingestiegen. Ich habe einen speziellen Trainingsplan bekommen, um schneller wieder an die Mannschaft herangeführt zu werden. Den habe ich ganz genau befolgt", erzählt die Spielerin am Mikrofon von FIFA.com. Sie wurde rechtzeitig wieder fit – so fit, dass sie von den vier Auftritten der* Bleuettes* in Aserbaidschan nicht eine Minute verpasste. "Als sie zurückgekommen ist, steckte sie noch im Formtief und viel Zeit war nicht mehr. Aber sie wurde mit jedem Spiel besser", bescheinigt Trainer Ferrier.

Gegen die offensivstarken Gegner DVR Korea (1:1) und USA (0:0) war Mbock Bathy schon fast wieder Chefin im Ring, gegen Gambia (10:2) dirigierte sie souverän eine Dreierabwehr. Aus dem Gewühl heraus schoss sie nach einer Ecke sogar ein Tor. "Okay, das war sicher nicht das schönste Tor meiner Karriere, aber wenigstens war es wichtig", erzählt MBock Bathy lachend.

In der Tat stieß ihr Treffer das Tor zum Viertelfinnale gegen Nigeria auf. Ein Spiel, in dem es erneut galt, starke Stürmerinnen an die Kette zu legen: Chinwendu Ihezu war mit sechs Toren beste Angreiferin der Gruppenphase und ihre kongeniale Sturmpartnerin Halimatu Ayinde (vier Tore) ebenso brandgefährlich. Nach der regulären Spielzeit stand es 0:0 und das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen. MBock Bathy übernahm auch hier selbstverständlich Verantwortung. "Im Spiel hatte ich mehrfach per Kopf vergeben, aber das habe ich einfach ausgeblendet. Ich habe mir einfach eine Ecke ausgesucht und mich konzentriert. Und dann habe ich ihn reingemacht." Als wenn es weiter nichts wäre.

Kopf und BeineNach dem Sieg bat M’Bock Bathy höchstselbst zum Tanz. Mannschaftskameradin Declerq billigt ihrer Abwehrchefin auch in diesem Punkt eine Führungsrolle zu: "Wenn es was zu feiern gibt, lassen wir uns immer spontan ein kleines Tänzchen einfallen. Und Griedge tanzt eben ihren 'Doogi'." Dabei handelt es sich um einen Modetanz aus den USA, wobei es MBock Bathy in diesem Fall ganz genau nimmt. "Das ist nicht der 'Doogi' aus den Achtzigern!", betont sie. Schließlich ist sie eine moderne junge Frau.

Eine, die Sport und Ausbildung scheinbar mühelos unter einen Hut bekommt. Denn die U-17-Nationalspielerin gehört nicht nur seit einem Jahr zur ersten Mannschaft von Guingamp, sie macht zugleich auch ihr Abitur. Ende des Jahres will sie den Schulabschluss in der Tasche haben. "Ich nutzte hier jede Gelegenheit, um zwischen den Trainingseinheiten zu lernen", betont die Bretonin mit kamerunischen Wurzeln. Das ist ihr auch außerhalb der Schule wichtig, auch wenn sie sagt: "Im Augenblick soll das Abenteuer mit der französischen U-17 weitergehen."

"All meine Spielerinnen sind charismatisch. Aber Griedge ist echt super. Auf dem Platz ist sie wegen ihrer Technik eine Führungspersönlichkeit, abseits wegen ihres Wesens. Sie hat eine große Zukunft vor sich", prophezeit Trainer Ferrier. "Wollen wir hoffen, dass der Trainer Recht hat", sagt die so Gelobte dazu nur bescheiden, fügt aber hinzu: "Widersprechen werde ich ihm nicht."

Griedge MBock Bathy ist die Sauberfrau in Frankreichs Hintermannschaft. Im Halbfinale der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft am Dienstag, 9. Oktober, gegen Ghana will sie wieder eine weiße Weste behalten.

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