FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Aserbaidschan 2012

FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Aserbaidschan 2012

2 November - 21 November

FIFA U-17 Frauen-Weltmeisterschaft 2012

Deutsche "Entwicklungshelfer" in Aserbaidschan

Azerbaijan's German head coach Berti Vogts
© AFP

Dmitri Nazarov steht für gewöhnlich nicht gerade im Rampenlicht. Denn zum einen kommt der Angreifer aus Aserbaidschan, zum anderen verdient er sein Geld als Profi beim deutschen Drittligisten Preußen Münster. Derzeit taucht sein Name jedoch häufig in der aserbaidschanischen Sportberichterstattung auf. Aus gutem Grund, denn Nazarov wurde gerade erst von Berti Vogts, Aserbaidschans deutschem Nationaltrainer, für das nächste Spiel der Europa-Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ am 16. Oktober gegen Russland nominiert.

In gewisser Weise symbolisiert diese Berufung auch die engen Verbindungen, die zurzeit zwischen dem Fussball in Aserbaidschan und Deutschland bestehen. Ein konkreter Beleg dafür sind die fünf aserbaidschanischen Auswahlspielerinnen Suheyla Iltar, Melis Sarialtin, Leila Solmaz, Sabrina Ronaghi und Hulya Cin, die alle bei deutschen Klubs unter Vertrag stehen und bei der laufenden FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2012 die Farben ihres Landes vertreten haben. Und dann wären da noch die Berufungen von Berti Vogts und Sissy Raith als Trainer der aserbaidschanischen A-Nationalmannschaft beziehungsweise der Juniorinnen-Nationalmannschaften.

Doch die beiden sind nicht die einzigen Deutschen, die in Aserbaidschan als Auswahltrainer arbeiten. Während die U-20-Junioren von Bernhard Lippert, früher Assistenztrainer bei Eintracht Frankfurt, betreut werden, trainiert Nicolai Adam die männlichen Nationalmannschaften der Altersklassen U-15 und U-16. "Es gibt eine umfassende Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Fussball-Bund (DFB) und dem aserbaidschanischen Fussballverband (AFFA). Aus diesem Grund sind vier Deutsche in Aserbaidschan als Auswahltrainer tätig", erläutert Sissy Raith."Die Qualität der deutschen Trainer ist in der ganzen Welt anerkannt und gefragt", fügt sie lachend hinzu.

Beide Verbänder arbeiten eng zusammen
"Im März 2008 wurde vom aserbaidschanischen Fussballverband (AFFA) und vom DFB eine Absichtserklärung unterzeichnet, die unter anderem den Einsatz deutscher Trainer vor Ort beinhaltet. Vor allem bei der Entwicklung des Schiedsrichterwesens, in der Nachwuchsausbildung und bei der Entwicklung des Frauenfussballs arbeiten unsere beiden Verbände eng zusammen", so AFFA-Generalsekretär Elkhan Mammadov.

"Seither hat sich einiges verändert. Die meisten unserer Auswahltrainer haben bereits an speziellen Lehrgängen teilgenommen und in deren Folge die UEFA-Lizenz erworben. Das Niveau der Schiedsrichterleistungen ist gestiegen. Dank Silvia Raith konnten wir den Frauenfussball in unserem Land 'einführen' und die ersten Mannschaften auf die Beine stellen. Heute sind wir sehr stolz darauf, dass es bei uns inzwischen zwei Ligen in den weiblichen Altersklassen U-15 und U-17 gibt, in denen jeweils 16 Mannschaften um den Meistertitel spielen!" Demnach hat die Zusammenarbeit in diesen Bereichen bereits die ersten Früchte getragen.

Denn obgleich die von Sissy Raith betreute U-17-Frauenauswahl bei der aktuellen FIFA WM im eigenen Land schon nach der Gruppenphase die Segel streichen musste, war in allen Gruppenspielen die große Begeisterung und der enorme Kampfgeist zu spüren. Dies zeigte sich vor allem in der letzten Partie gegen Kanada, einem der Schwergewichte im Frauenfussball, die Aserbaidschan nur knapp mit 0:1 verlor. "Natürlich haben wir nicht zwei Jahre lang gearbeitet, um dann mit drei Niederlagen nach der Vorrunde auszuscheiden. Also kann ich damit auch nicht zufrieden sein. Aber der Anfang ist gemacht. Jetzt gilt es, darauf aufzubauen und zielstrebig weiterzuarbeiten", so Raith.

Kurs auf die UEFA EURO 2016Ganz ähnlich stellt sich die Situation in Aserbaidschans A-Nationalteam dar. Nachdem man dort früher in erster Linie darauf bedacht war, möglichst nicht zu verlieren, will die Mannschaft von heute ihre Spiele auch gewinnen. Seit der Amtsübernahme von Berti Vogts als Nationaltrainer hat Aserbaidschan einige Achtungserfolge (zum Beispiel beim 1:0 über die Tschechische Republik im November 2009 und beim 1:0-Sieg gegen Albanien im November 2011) erzielen können. Vor allem aber hat die Mannschaft unter seiner Leitung an Beständigkeit und Solidität gewonnen. Nachdem ihr Start in die WM-Qualifikation für Brasilien 2014 nicht gerade vielversprechend (1:1 gegen Israel und 0:3 gegen Portugal) war, richtet der aserbaidschanische Verband seine Blicke bereits auf die Qualifikation für die UEFA EURO 2016.

"Dem Fussball gehört in Aserbaidschan die Zukunft. Seitens der Regierung und des Verbandes werden enorme finanzielle Mittel in diesen Sport investiert. Die Bedeutung des Fussballs nimmt hier mit jedem Tag zu. Aserbaidschan ist ein kleines Land, dessen Bewohner jedoch sehr offenherzig sind. Und ihr Herz schlägt immer mehr für den Fussball", so Berti Vogts im Gespräch mit FIFA.com. Bis vor wenigen Jahren waren im *Land des Feuers *noch Gewichtheben, Ringen und Schach die beliebtesten Sportarten. Inzwischen wurden sie laut amtlichen Statistiken vom Fussball verdrängt.

Und das macht sich auch bemerkbar. So heuern bei den aserbaidschanischen Spitzenklubs zunehmend ausländische Stars an, was sich wiederum positiv auf deren Spielniveau auswirkt. Der Engländer Tony Adams betreute zum Beispiel 18 Monate lang die Klubmannschaft von Gabala, wobei er bei seiner Ankunft den jamaikanischen Nationalspieler Deon Burton gleich mit im Gepäck hatte. Und der Belgier Emile M’Penza, der für die Roten *Teufel *57 Länderspiele bestritt, war in den letzten beiden Spielzeiten für den FK Neftchi Baku aktiv. Neftchi Baku ist dieses Jahr in der UEFA Europa League vertreten und damit der erste aserbaidschanische Klub, der die Gruppenphase eines europäischen Wettbewerbs erreicht. In den Augen von Vogts ist all das jedoch noch lange nicht ausreichend.

"Der AFFA macht zwar Fortschritte, doch die Klubs und ihre Trainer leisten ihrerseits noch nicht genug. Lediglich vier Tage in der Woche und in der Hoffnung zu trainieren, dass es schon irgendwie klappen wird, ist einfach zu wenig. Es muss mehr getan werden. Die Profiklubs müssen insgesamt mehr Zeit und mehr Geld investieren, und zwar nicht nur, um junge Spieler zu verpflichten, sondern auch in die Infrastruktur und in Ausbildungszentren… ", ist sich Vogts sicher, bevor er abschließend hinzufügt: "Auch wenn wir von ganz unten anfangen, haben wir dabei immer die Spitze im Visier."

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