Bronze und ein neuer Status
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"Ich erinnere mich nicht mehr genau an mein Tor. Alles, was ich weiß, ist, dass der Ball reingegangen ist, und danach war es vorbei", erzählte eine strahlende Diana Matheson im Exklusivinterview mit FIFA.com im Anschluss an den Sieg ihres Teams gegen Frankreich. Die kanadische Mittelfeldspielerin erzielte in der Nachspielzeit den einzigen Treffer der Partie und bescherte ihrem Land damit am Donnerstag, 9. August, in Coventry im "kleinen Finale" die Bronzemedaille.

Ihre Gedächtnislücke offenbart indes die intensiven Gefühle und die Ekstase darüber, ihrem Land den größten Titel seiner Geschichte beschert zu haben. Sie verrät auch viel von der Müdigkeit, die nach den pausenlosen, aber letztlich fruchtlosen Attacken der Bleues in der zweiten Halbzeitauf auf den Köpfen und Beinen der Kanadierinnen lasten muss. "Frankreich hatte enorm viele Möglichkeiten, und wir waren eindeutig unterlegen. Aber Erin hat ein fantastisches Spiel gemacht", so Matheson.

Bei einem solchen Spielverlauf ist es tatsächlich unmöglich, nur die Torschützin zu loben, ohne die gesamte Defensive zu erwähnen. Nicht zuletzt Torhüterin Erin McLeod, die in der zweiten Halbzeit den wütenden Angriffen der Französinnen standhielt. Auch sie strahlte über das gesamte Gesicht, als sie aus der Kabine kam, bevor es nach London zur Medaillenvergabe ging. "Zu Beginn des Turniers habe ich einige vermeidbare Gegentore kassiert", räumte die kanadische Torhüterin ein. "Deshalb bin ich umso stolzer auf das, was wir heute geschafft haben. Ich habe vor allem das Glück, eine so tolle Verteidigung vor mir zu haben. Die Mädchen haben sich in so manchen Schuss geworfen, bei dem ich geschlagen gewesen wäre."

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
"Man hätte uns nicht unbedingt auf diesem Niveau erwartet: den USA ebenbürtig zu sein und dann eines der besten Teams der Welt zu schlagen. Ich bin einfach nur stolz auf meine Mannschaft", freute sich McLeod. Frankreich galt nach dem 4:0-Sieg gegen Kanada bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™ im Vorfeld der Partie tatsächlich als Favorit. "Das war vor einem Jahr, und wir haben seitdem einen neuen Trainer", erklärte McLeod. "Er hat uns eine enorme Arbeit machen lassen. Gratulation für das, was er geschafft hat, er und sein Stab. Wenn man von Menschen betreut wird, die so viel geben, hat man Lust, es ihnen hundertfach zurückzuzahlen."

Und die Torhüterin fuhr fort mit ihrer Erklärung für den kometenhaften Aufstieg der jüngsten Zeit: "Wir haben Spielerinnen, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere stehen, und die Atmosphäre im Team hat bei diesem Turnier den Unterschied ausgemacht, denke ich." Nach so vielen Mühen und einem ebenso intensiven Turnier werden die Schützlinge von John Herdman den Moment mit Sicherheit genießen: "Es ist ein historischer Moment für Kanada. Natürlich wollen alle Gold, doch ich bin so stolz auf diese Medaille für unser Land."

Dieser Erfolg wird der Mannschaft vor allem aber auch im Hinblick auf ein Ereignis, das in drei Jahren stattfindet und in ihrem Kalender rot angestrichen ist, einen nützlichen Schub geben. "Die Dinge können nur besser werden für die nächste Weltmeisterschaft, die 2015 bei uns stattfindet. Die Resonanz im Land ist enorm, die Menschen haben unseren Weg verfolgt. Schon gegen die USA waren alle auf ihrem Posten. Wir haben das Interesse der Menschen für unseren Sport gesteigert, und vielleicht haben wir Aussicht auf die Gründung einer Liga", schloss Erin McLeod, bevor sie mit ihren Mitstreiterinnen nach London aufbrach, um die Bronzemedaille in Empfang zu nehmen.