Lloyd: "Wir wollen Revanche"
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Bei den bisherigen fünf Auflagen des Olympischen Fussballturniers der Frauen stand die Auswahl der USA fünf Mal im Finale und hat lediglich das Endspiel im Jahr 2000 gegen Norwegen verloren. "Das ist beeindruckend, oder?" Die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis beantwortet Mittelfeldspielerin Carli Lloyd im Exklusiv-Interview mit FIFA.com folgendermaßen: "Wir kämpfen bis zum Schluss und geben uns nie geschlagen. Wir ändern unsere Einstellung nicht und finden immer einen Ausweg – komme was da wolle."

Mit dieser Einstellung gelang den U.S.-Girls auch der Einzug ins Finale der Auflage von 2012 in London. In einem spektakulären Halbfinale bezwang das Team Kanada knapp mit 4:3, den Siegtreffer erzielte Alex Morgan in der letzten Minute der Verlängerung. "Wir sind in das Spiel gegen Kanada gegangen, als wäre es ein Finale. Wenn man sich die Statistik anschaut, sieht man, dass sie seit 2001 nicht mehr gegen uns gewonnen haben, aber das Spiel fand heute statt, und Kanada hat unglaublich gekämpft. Ich glaube, das war eine große Lektion für alle. Man darf keinen Gegner auf die leichte Schulter nehmen", erklärt die 30-Jährige, die zu den Stützpfeilern des amerikanischen Teams zählt – vor allem wegen ihres Weitblicks bei der Ballverteilung im Mittelfeld und ihrer Schussstärke aus der zweiten Reihe. Angesichts dieser Eigenschaften ist es nicht überraschend, dass der Spanier Xavi ihr großes Vorbild ist.

Obwohl die U.S.-Amerikanerinnen gegen die Kanadierinnen immer wieder in Rückstand gerieten, gaben sie nicht auf. Und ihre Geduld wurde schließlich belohnt. "Wir hatten in der ersten Partie auch schon 0:2 gegen Frankreich zurückgelegen. Das war für uns keine neue Situation. Wir wussten, dass die Tore irgendwann fallen würden. Wir haben Chancen herausgespielt und an uns geglaubt. Es schien zuerst, als bräuchten wir ein einziges Tor, um wieder ins Spiel zu kommen, und am Ende mussten wir vier Tore machen. Sieben Tore in einem Spiel! Einfach irre!", so Lloyd weiter. "Am Ende waren wir wirklich kaputt und haben Abby [Wambach] mit Bällen in den Strafraum gesucht. Aber dann hat Alex es gemacht! Das war vielleicht nicht der schönste Kopfball aller Zeiten, aber sie hat die Torhüterin überwunden, und es war einfach fantastisch. Es war eine große Erleichterung, nicht ins Elfmeterschießen gehen zu müssen", meint sie.

Gelingt die Revanche?
Die Auswahl der USA richtet sich in diesen Tagen in London ein, und die Spielerinnen freuen sich darüber, Olympia hautnah erleben zu können. "Die Spiele beginnen für uns praktisch noch einmal von Neuem, weil wir endlich die Olympische Atmosphäre von London aufsaugen können. Wir werden das Ganze sehr genießen", so Lloyd.

Am Donnerstag wird sich das Wembley-Stadion zur Neuauflage des Finales der letzten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ im Gala-Gewand präsentieren. Damals mussten sich die Schützlinge von Pia Sundhage in einem dramatischen Elfmeterschießen geschlagen geben, bei dem Lloyd einen Strafstoß verschoss. "Wir suchen die Revanche. Dieses Mal werden wir nicht ohne Goldmedaille nach Hause fahren", erklärt sie selbstbewusst gegenüber FIFA.com.

Seit jenem Tag in Frankfurt sind die beiden Teams noch drei Mal aufeinandergetroffen. Die Amerikanerinnen unterlagen im März beim Algarve Cup (0:1), erreichten im April in Sendai ein Remis (1:1) und konnten im Juni im schwedischen Halmstadt einen Sieg verbuchen (4:1). "Wir haben uns schon angeschaut, wie sie hier spielen. Ich denke, wir müssen uns darauf konzentrieren, unser eigenes Spiel durchzubringen, und sie mächtig unter Druck setzen. Es wird nicht leicht werden, aber das ist unsere große Chance, Revanche zu nehmen", so Lloyd.

Vor vier Jahren hat die Spielerin in Peking bereits eine Goldmedaille geholt und bei diesem Erfolg eine wichtige Rolle gespielt. Sie erzielte in der Verlängerung des Finales gegen Brasilien das alles entscheidende 1:0. "Das war ein unglaubliches Erlebnis. Hoffentlich habe ich Gelegenheit, so etwas noch einmal zu erleben. Es ist egal, wie wir gewinnen und wer die Tore erzielt...es kommt nur darauf an, dass es uns gelingt. Aber natürlich bin ich bereit, so etwas noch einmal zu machen, falls es nötig sein sollte", erklärt sie mit einem Funkeln im Blick.