Morgan: "Ich könnte nicht glücklicher sein"
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Die U.S.-amerikanische Nationalstürmerin Alex Morgan traf sich im Vorfeld der Viertelfinalpartie gegen Neuseeland zu einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com. Die 23-Jährige hat sich als aufstrebender Star etabliert und fühlt sich offenbar an der Seite von Abby Wambach besonders wohl: Fünf der bisher acht Treffer des Titelverteidigers beim Olympischen Fussballturnier der Frauen 2012 gingen auf das Konto des Duos.

Alex, wie bewerten Sie die Leistung der USA in der eben zu Ende gegangenen ersten Runde?
Ich könnte nicht glücklicher über das sein, was wir bisher geschafft haben. Wir haben in jedem Spiel alle drei Punkte geholt und stehen an der Spitze der Gruppe. Wir haben gerade untereinander darüber gesprochen: Die USA haben noch nie bei einer WM oder bei Olympischen Spielen einen so guten Start hingelegt. Wir sind also sehr zufrieden mit unserer Bilanz und unsere Moral ist hoch.

Gibt es dennoch Dinge, die Sie im Spiel Ihrer Mannschaft gerne verbessern würden?
Bisher haben wir als Team sehr gut gespielt. Aber ich denke dennoch, dass wir uns in unserer Organisation und beim Umschalten in die Defensive verbessern können. Wir sind bei diesem Turnier bisher mit Sicherheit eines der formstärksten Mannschaften, doch angesichts der vielen Spiele und der Müdigkeit neigen wir dazu, in bestimmten Momenten in diesen Bereichen etwas nachlässig zu werden. Doch das sind nur noch Feinabstimmungen, und ich denke, dass uns das gewonnene Selbstbewusstsein in den kommenden Partien von Nutzen sein wird.

Sie haben bisher zwei Treffer erzielt. Wie denken Sie über Ihre persönliche Leistung?
Ich bin sehr zufrieden. Ich habe tatsächlich gute Statistiken, und mein Passspiel, wenn ich meine Partnerinnen finden muss, ist ziemlich gut. Ich kann bei meinen Schussversuchen noch präziser werden und öfter meine Chance suchen. Meine Mitspielerinnen bringen mich oft gut in Position, doch ich denke, dass meine Abschlüsse noch genauer werden müssen. Aber all das hängt oft auch von den Platzverhältnissen oder den Wetterbedingungen ab.

Bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland haben wir Sie als explosive Einwechselspielerin erlebt. Nun sind Sie eine feste Stammkraft. Wie erleben Sie selbst diese Statusänderung?
Es ist zweifellos eine vollkommen unterschiedliche Rolle. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die lieber im Hintergrund stehen, und ich will meiner Mannschaft so gut ich kann helfen. Deshalb bin ich über die Entwicklung in diesen letzten sechs Monaten zur Stammspielerin sehr erfreut. Heute fühle ich mich an der Seite von Abby Wambach in der Sturmspitze sehr wohl, und es hat sich erwiesen, dass wir uns sehr gut ergänzen und die Aktionen der jeweils anderen gut antizipieren.

War es schwierig, das Kapitel des verlorenen Finales in Deutschland gegen Japan abzuschließen, nachdem der Sieg schon in Sichtweite war?
Es war sehr wenig Zeit zwischen dieser Niederlage und dem Moment, an dem wir an die Zukunft und diese Olympischen Spiele denken mussten. Ich denke dennoch, dass es noch einige Monate im Hinterkopf jeder Spielerin herumgespukt hat. Doch als die Qualifikation für die Olympischen Spiele anfing, begann für uns etwas Neues und wir haben nicht mehr darüber gesprochen. Wir mussten uns komplett auf diesen Wettbewerb konzentrieren.

Sprechen wir über Neuseeland, Ihren nächsten Rivalen im kommenden Viertelfinale. Gegen diesen Gegner haben Sie übrigens in einem Testspiel im Februar zwei Tore erzielt. Was denken Sie über dieses Team?
Neuseeland ist zurzeit sehr stark in Form. Sie sind sehr gut organisiert, und ihre Spielerinnen ergänzen sich gut. Es passiert uns nicht häufig, doch letzten Februar lagen sie in Führung und ich erzielte meine zwei Tore erst ganz am Ende der Begegnung für einen denkbar knappen Sieg! Ich hoffe wirklich, dass wir dieses Mal auf etwas entspanntere Weise gewinnen können...

Falls Sie gewinnen: Gibt es Mannschaften, denen Sie in der Folge lieber aus dem Weg gehen würden?
Ich möchte nicht zu sehr daran denken, denn zunächst müssen wir uns auf dieses Viertelfinale konzentrieren und gegen Neuseeland gewinnen. Doch wir haben uns gerade die Partie zwischen Brasilien und Großbritannien angesehen, die vor 70.000 Zuschauern in Wembley stattfand. Die Britinnen sind bei diesem Turnier beeindruckend, sie sind selbstbewusst und haben ein ganzes Land hinter sich. Wenn alles gut geht und wir das Halbfinale erreichen, könnten wir auf sie treffen. Ich glaube, es würde eine großartige Partie geben, für sie genauso wie für uns.