Smith: "Wir fürchten uns vor keiner Mannschaft"
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Großbritanniens Star-Stürmerin Kelly Smith warnt ihre Mannschaftskameradinnen nach dem1:0-Sieg gegen Brasilien und Platz eins in Gruppe E des Olympischen Fussballturniers der Frauen 2012 vor Nachlässigkeit im anstehenden Viertelfinalduell mit Kanada.

Ein britisches Sprichwort lautet: "After the Lord Mayor's show comes the dust-cart." Das bedeutet nichts anderes, als dass auf eine herausragende Leistung oft eine schlechte folgt. Die britischen Spielerinnen und die Weltrekordkulisse im Wembleystadion feierten den Sieg gegen Brasilien euphorisch. Smith hingegen ist bestrebt, vor dem Viertelfinale am Freitag bloß nicht abzuheben.

"Es ist ja bekannt, wie grausam K.o.-Spiele sein können", warnt Smith bei FIFA.com. "Klar, wir haben unsere bisherigen drei Spiele gewonnen. Das ist großartig, aber es zählt immer nur das nächste Spiel. Wir müssen am Freitag die gleiche Leistung bringen wie gegen Brasilien, sonst sind wir nämlich draußen und alles war für die Katz.

Nach dem Schlusspfiff haben wir in der Kabine zuerst getanzt und gesungen, aber dann ging es gleich ab ins Entmüdungsbecken, denn wir wissen, dass wir ein ganz schweres Spiel vor uns haben. Wir betreiben gerade Regeneration - und, um ganz ehrlich zu sein: Viel zu feiern gab es ja nicht, da wir ohnehin schon für das Viertelfinale qualifiziert waren."

Zwar gehörte die 33-jährige Smith zu der Mannschaft, die Japan in der Gruppenphase der FIFA Frauen-WM 2011 mit 2:0 besiegen konnte, aber dennoch ist sie froh, den Weltmeisterinnen in der Runde der letzten Acht aus dem Weg gegangen zu sein. Zugleich warnt sie jedoch vor Kanadas gefährlicher Offensive.

"Wir haben uns eigentlich keine Gedanken darum gemacht, wer der nächste Gegner sein würde", sagt Smith. "Wir haben einen so ausgeglichen guten Kader, dass wir uns vor keiner Mannschaft fürchten. Aber angesichts der Spielweise der Japanerinnen und der Erfahrung, die sie durch den Gewinn der letzten WM gemacht haben, sind wir in gewisser Weise schon froh, nicht auf sie zu treffen. Aber auch Kanada ist gut in Form, insbesondere die Stürmerinnen.

Ich bewundere beispielsweise Christine Sinclair sehr. Allein ihre Torbilanz spricht ja Bände. Ich habe in der WPS in den USA oft gegen sie gespielt und weiß, was sie drauf hat. Aber wir haben in den letzten Jahren mehrmals gegen Kanada gespielt und wissen entsprechend, was auf uns zukommt. Hoffentlich erwischen wir wieder so eine Tag und so ein Heimpublikum wie gegen Brasilien und kommen ins Halbfinale."

Die einzige Enttäuschung für Smith im Wembleystadion war ihr verschossener Elfmeter im zweiten Durchgang. Doch das ist abgehakt. Jetzt zählt nur der nächste Schritt Richtung möglicher Olympia-Medaille. "Ich war schon sauer auf mich, dass ich den Elfmeter nicht rein gemacht habe, aber zum Glück hat es ja letztlich keine Rolle gespielt - wir sind Gruppenerster geworden", so Smith. "Ich weiß, dass ich weiterhin Bälle aufgelegt bekomme, und irgendwann mache ich dann auch wieder mein Tor - vielleicht schon gegen Kanada!"