Ein unvergessener Auftritt für Stoney
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Großbritanniens Spielführerin Casey Stoney bezeichnete den 1:0-Sieg über Brasilien als "einen der stolzesten Momente meines Lebens." Die 30-jährige Abwehrspielerin hatte die Mannschaft zum ersten Frauen-Länderspiel im Wembley-Stadion als Spielführerin auf den Platz geführt - vor der Rekordkulisse von 70.584 Zuschauern.

Die in Essex geborene Spielerin hat einen weiten Weg hinter sich. Bei der UEFA EURO 2005 noch ohne Einsatz für England, ist sie heute Spielführerin des Gastgeberlandes bei einem Olympischen Fussballturnier. Im Gespräch mit FIFA.com nach dem Spiel zeigte sie sich entsprechend begeistert.

"Ich bekomme das Grinsen gar nicht mehr aus meinem Gesicht", gestand sie. "Ich muss sagen, es war einer der stolzesten Augenblicke in meinem Leben. Ich blicke zurück auf 2005, als ich zwar im Kader war, aber ohne Einsatz geblieben bin. Und heute führe ich unsere Mannschaft bei den Olympischen Spielen im eigenen Land vor 70.000 Zuschauern auf den Platz. Die Fans waren heute einmalig. Ich glaube, sie haben uns zum Sieg getrieben.

Es hat wohl keine von uns mit einem solchen Erlebnis gerechnet: 70.000 bei einem Frauen-Länderspiel, die die ganze Zeit hinter uns gestanden haben. Ich glaube, so etwas werde ich mein ganzes Leben lang nicht nochmal erleben. Keine von uns wird das wohl, aber um so mehr genießen wir den heutigen Abend."

"Ich glaube nicht, dass sich Brasilien über den Ausgang des Spiels beschweren kann. Sie haben eine großartige Mannschaft, aber wir haben nur eine Handvoll Chancen zugelassen und selbst die größeren gehabt. Wir haben schnell und zielstrebig angegriffen und den Sieg meiner Meinung nach deshalb verdient."

Dabei hätte es wohl jeder verstanden, wenn die Britinnen auf einer der weltgrößten Fussballbühnen Lampenfieber gehabt hätten, doch vom Anpfiff an war zu spüren, dass sich die Mannschaft im "Tempel" Wembley pudelwohl fühlte. Dafür war laut Stoney Trainerin Hope Powell verantwortlich, die den Druck von der Mannschaft nahm.

"Sie hat gesagt: 'Ihr seid doch schon durch. Diese 70.000 da draußen sind euretwegen hier. Sie sind hier, um euch bei eurer Lieblingsbeschäftigung zuzusehen.' Also haben wir uns gedacht: 'Okay. Unser Spiel, unser Stadion. Unser Abend. Gehen wir raus und spielen.' Einen besseren Start hätte es natürlich nicht geben können."

Als nächstes wartet am Freitag Kanada im City of Coventry-Stadion auf Großbritannien. Die Website der Olympischen Spiele von London 2012 wurde bereits mit Ticketanfragen geflutet, denn auch im nächsten Spiel wollen die Briten ihre Mannschaft wieder live unterstützen. Stoney jedenfalls will den Schwung ins Viertelfinale mitnehmen - mindestens.

"Ab jetzt zählen nur noch Siege", weiß sie. "Ab morgen müssen wir uns wieder voll konzentrieren. Wir haben am Freitag ein wichtiges Spiel gegen Kanada, und was nützt es, Gruppenerster zu werden, wenn man anschließend seine Leistung nicht bringt? Wir haben großartige Spielerinnen in unserem Kader, mit denen wir hoffentlich weiterhin die Fans und die Nation hinter uns sammeln können."