Japan und DVR Korea fahren nach London
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Japan und die DVR Korea setzten sich in einem hart umkämpften elftägigen Turnier durch und qualifizierten sich für das Olympische Fussballturnier der Frauen im kommenden Jahr in London. Nachdem die beiden Teams bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ in Deutschland völlig unterschiedlich abgeschnitten hatten, sicherten sie sich nun die ersten beiden Plätze beim asiatischen Qualifikationsturnier mit sechs Mannschaften, das am Sonntag zu Ende ging. Vor gerade einmal sechs Wochen feierten die Japanerinnen in einem goldenen Konfettiregen in Frankfurt den Gewinn des Weltmeistertitels. Seitdem werden die Spielerinnen als neue Nationalheldinnen verehrt und immer wieder vom Fussball abgelenkt. Trotzdem gelang es ihnen, sich wieder auf ihre Stärken zu konzentrieren.

Die Vorbereitung der DVR Korea für das Qualifikationsturnier in Jinan (China VR) verlief zwar unter ganz anderen Vorzeichen, erwies sich aber letztlich als ebenso erfolgreich. Bei der FIFA Frauen‑WM in Deutschland waren die Nordkoreanerinnen mit nur einem Punkt aus drei Spielen bereits nach der Gruppenphase ausgeschieden. Nach den großen Erfolgen der letzten zehn Jahre auf kontinentaler Ebene legte die DVR Korea nun jedoch abermals ihre berühmt-berüchtigte Kampfstärke an den Tag und qualifizierte sich als zweitplatziertes Team knapp vor Australien, der VR China, der Republik Korea und Thailand. Alle zehn Spiele des Turniers – abgesehen von jenen der abgeschlagenen Thailänderinnen – wurden nur mit einem Tor Unterschied gewonnen oder endeten unentschieden – ein weiterer Beweis für die Ausgeglichenheit der Elite des asiatischen Frauenfussballs.

Weltmeisterinnen bestätigen ihre Klasse
Trotz der Intensität dieses Turniers konnten die Japanerinnen ihre Klasse eindrucksvoll untermauern. Vier Siege und ein Unentschieden in fünf Spielen sprechen eine deutliche Sprache – der einzige Punktverlust resultierte aus dem Ausgleichstreffer der DVR Korea in der Nachspielzeit.

Japan trat mit fast allen Stars der Weltmeistermannschaft an, darunter auch Homare Sawa, Gewinnerin des Goldenen Balls von adidas in Deutschland. Anders als beim Torfestival in Deutschland gelangen den Japanerinnen dieses Mal allerdings nur acht Treffer in fünf Spielen. Die besten Torschützinnen mit jeweils zwei Treffern waren Abwehrspielerin Asuna Tanaka und Nahomi Kawasumi, die beim WM-Halbfinalsieg gegen Schweden zwei Mal getroffen hatte.

Die Entschlossenheit und die Konzentration der Japanerinnen wurden auch am letzten Spieltag deutlich, als sie sich trotz der bereits feststehenden Qualifikation mit einer engagierten Leistung knapp gegen die Gastgeberinnen durchsetzen konnten. "Wir haben den Druck verspürt, konnten uns jedoch dank unserer mannschaftlichen Geschlossenheit durchsetzen", sagte Mittelfeldspielerin Aya Miyama, die bei diesem Turnier ihr 100. Länderspiel bestritt. "Ich hoffe, dass wir uns noch weiterentwickeln werden, während jede von uns für ihre [Vereins]-Mannschaft spielt."

Der dreimalige Asien-Meister DVR Korea sicherte sich mit einem Zwei-Punkte-Vorsprung vor den drittplatzierten Australierinnen zum zweiten Mal in Folge die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Als wichtigstes Spiel erwies sich am Ende die erste Partie des Turniers, in der die Nordkoreanerinnen einen Sieg über den Asienmeister Australien feiern konnten. Der Siegtreffer durch Kim Su Gyong nach nur zehn Spielminuten gegen die Matildas sollte sich als entscheidend für den Ausgang des Turniers herausstellen.

Knappe Ergebnisse
Der Sieg der DVR Korea wurde den Australierinnen schließlich zum Verhängnis. Den Matildas bleibt somit bei Olympischen Spielen zum zweiten Mal in Folge nur die Zuschauerrolle – und bereits zum zweiten Mal musste man Nordkorea den Vortritt lassen. Die Niederlage gegen den Angstgegner sowie eine weitere 0:1-Pleite gegen Japan besiegelten das Ausscheiden, trotz der Siege gegen China und die Republik Korea. Die Australierinnen waren allerdings durch zahlreiche Verletzungen geschwächt. Im letzten Spiel fehlten unter anderem Catlin Foord, Kyah Simon und Sally Shipard, die bei der WM noch geglänzt hatten.

Die Chinesinnen wollten sich bei diesem Turnier für die verpasste Qualifikation für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 rehabilitieren und zeigen, dass dies nur ein einmaliger Ausrutscher war. Doch trotz eines respektablen Unentschiedens gegen die DVR Korea endete das Turnier für die Gastgeberinnen ein weiteres Mal mit einer Enttäuschung: Die Chinesinnen erzielten nur zwei Treffer – beide gegen Thailand beim einzigen Sieg in diesem Turnier.

Die junge Mannschaft der Republik Korea landete zwar nur auf dem vorletzten Platz, konnte jedoch ihre rasche Weiterentwicklung demonstrieren. Die Erfolge auf Nachwuchsebene der letzten Jahre beginnen sich nun auch auf die Leistungen der A‑Nationalmannschaft auszuwirken. Nach dem Gewinn der FIFA U‑17‑Frauen‑WM 2010 und dem Halbfinaleinzug bei der FIFA U‑20‑Frauen‑WM 2010 präsentierten sich die Südkoreanerinnen in Jinan äußerst selbstbewusst. Angeführt von der dynamischen Spielmacherin Ji So Yun, die sich bei der 1:2-Niederlage gegen Japan als Torschützin auszeichnen konnte, scheinen die Südkoreanerinnen durchaus in der Lage, sich in vier Jahren erstmals seit 2003 wieder für eine FIFA Frauen-Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

"Die Republik Korea war bei diesem Turnier vom Pech verfolgt", sagte der routinierte australische Trainer Tom Sermanni. "Sie haben in den vergangenen zehn Jahren zweifelsohne die größten Fortschritte aller Mannschaften der asiatischen Konföderation gemacht und hätten genauso gut jedes ihrer Spiele gewinnen können."