Gemischte Gefühle bei den "Matildas"
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Nach der 1:3-Niederlage gegen Schweden fahren die Australierinnen mit dem Gefühl nach Hause, dass mehr drin gewesen wäre. Schließlich waren sie mit ehrgeizigen Zielen zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™ gereist. Obwohl man nicht zu den großen Favoriten auf den Turniersieg gehörte, wollten Trainerstab und Spielerinnen den Titel holen. Dieser Traum endete in Augsburg mit der Viertelfinalniederlage gegen die Skandinavierinnen.

"Wir sind sicherlich stolz auf unsere Leistungen und das, was wir erreicht haben", erklärte Spielführerin Melissa Barbieri gegenüber FIFA.com. "Aber andererseits sind wir auch sehr enttäuscht, und das zeigt, wie wir uns einschätzen. Für das Team war es eigentlich nicht genug, das Viertelfinale zu erreichen."

"Wir hatten uns wirklich vorgenommen, ins Halbfinale zu kommen - und dann ins Endspiel. Wir sind überzeugt davon, dass wir diesem Turnier noch unseren Stempel hätten aufdrücken können."

"Ein einfacher dummer Fehler"
Am Ende waren unnötige Fehler für die Niederlage der Australierinnen verantwortlich. Dies gilt vor allem für Kim Carrolls leichtsinnigen Rückpass, der es Schwedens Angreiferin Lotta Schelin ermöglichte, den entscheidenden Treffer zu erzielen, und wohl der Tiefpunkt der enttäuschenden Defensivleistung war. Coach Tom Sermanni folgt Barbieris Ausführungen, verweist aber auch darauf, dass derartige Fehler ausgemerzt werden müssen, wenn Australien weiter Fortschritte machen und seine Ziele erreichen will.

"Ich glaube, dass ich und die Spielerinnen sehr enttäuscht darüber waren, wie wir die entscheidenden Tore kassiert haben", erklärt er. "Das, was heute passiert ist, hat nichts mit Erfahrung zu tun. Unsere Spielerinnen haben internationale Erfahrung, haben schon unter schwierigen äußeren Umständen und auch unter viel Druck gespielt. Das war eigentlich nie ein Problem."

"Es lief also alles ganz gut, aber was den Unterschied heute ausgemacht hat, war ein einfacher, dummer Fehler. Ein strukturelles Problem kann man auf dem Trainingsplatz angehen und beheben, aber wenn Spielerinnen ganz simple Fehler begehen, was soll man da tun?"

Optimistisch für die Zukunft
Dennoch gibt es genügend Anlass zu Optimismus für diese junge australische Mannschaft. Immerhin hat man zum zweiten Mal in Folge das Viertelfinale einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ erreicht. In einer schwierigen Gruppe D lieferte Sermannis Mannschaft Brasilien einen starken Kampf und unterlag nur knapp mit 0:1, bevor man Äquatorial-Guinea und schließlich in der für das Erreichen der K.o.-Runde entscheidenden Partie Norwegen schlug.

Die Matildas werden nun zunächst ihr Augenmerk auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London richten. Langfristig möchte man im Hinblick auf die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015 in Kanada auf den Erfahrungen dieser WM aufbauen.

Torhüterin Barbieri merkt noch an: "Wir möchten als Team zusammenbleiben. Zu Hause haben wir einen großen Kader und ich hoffe, dass wir es zu den Olympischen Spielen schaffen und weiterhin Erfolg haben. Wir möchten Erfahrungen sammeln und uns als Mannschaft weiterentwickeln. Wir sind noch lange nicht am Ende, es gibt noch so viel, was wir als Team erreichen können."

Im September werden die Australierinnen versuchen, die Qualifikation für London 2012 unter Dach und Fach zu bringen. Dabei spielen sie gegen fünf andere Mannschaften aus Asien um zwei Tickets für Olympia. Eine Teilnahme dort wäre eine wichtige Erfahrung für junge Stars wie die Angreiferin Kyah Simon, die gegen Norwegen einen wichtigen Doppelpack erzielte, oder für Abwehrspielerin Ellyse Perry, die im Spiel gegen die Schwedinnen ein herrliches Tor schoss.

Positive Entwicklung
Für Sermanni zählen die Fortschritte seiner jungen Spielerinnen zu den persönlichen Höhepunkten des Turniers. "Für mich war es ein besonderer Höhepunkt zu sehen, wie Spielerinnen wie Caitlin Foord sich entwickelt haben, wie Kyah Simon zwei Tore erzielte und wie einige andere sich im Laufe des Turniers immer mehr gesteigert haben."

Barbieri lobt auch den unermüdlichen Kampfgeist ihrer Mannschaft. Sermanni sieht das ähnlich. "Eigentlich möchte ich nichts Bestimmtes herausheben, aber wenn, dann war es die tolle Aufholjagd gegen Norwegen", fügt der 57-Jährige hinzu.

"Wenn wir uns die anderen Begegnungen ansehen, dann hat mit Ausnahme Englands gegen Neuseeland kein Team ein Spiel nach Rückstand innerhalb von 90 Minuten noch drehen können. Das ist also schon etwas Besonderes. Es zeigt, dass diese Mannschaft nicht nur leistungsstark ist, sondern auch Charakter, Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen besitzt."

Diese Eigenschaften könnten den Australierinnen auch 2015 in Kanada sehr nützlich sein, ebenso wie vier Jahre mehr an Erfahrung, so dass sie beim nächsten Mal durchaus zu den Favoritinnen zählen könnten.

Barbieris Worte zum Abschied sind unmissverständlich: "Wir werden darauf achten, jede Minute des Spiels präsent zu sein und jede Minute zu nutzen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Falls man uns schlagen möchte, muss man uns über die gesamte Spielzeit hinweg besiegen."