Favoriten-Trio in China erneut nicht zu stoppen
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Für Deutschland, Brasilien und das U.S.-Team scheint das Reich der Mitte das perfekte Pflaster zu sein. Fast ein Jahr, nachdem dieses Trio in exakt jener Reihenfolge die Plätze eins bis drei bei der FIFA Frauen-WM China 2007 belegen konnte, zog es im Gleichschritt auch ins Halbfinale des Olympischen Fussballturniers der Frauen 2008 im gleichen Land ein. Mit Japan ist zudem ein vierter Kontinent in der Runde der letzten Vier vertreten, während es beim Gastgeber Tränen gab. Das Resultat eines spektakulären Viertelfinal-Tages: Die aktuelle FIFA Weltfussballerin darf sich abermals anschicken, die Champions zu ärgern.

Das Topspiel
Es dauerte doppelt so lange als erwartet, um einen Sieger im Nordamerika-Kracher zu ermitteln, am Ende hatten aber doch diejenigen Grund zur Freude, von denen man es allseits vermutet hatte. Die U.S.-Girls ließen sich selbst von Blitz und Donner und einer dadurch verursachten Spielunterbrechung von einer Stunde und 40 Minuten nicht irritieren, um den kanadischen Nachbar mit 2:1 nach Verlängerung nach Hause zu schicken. Die Schützin des Siegtreffers auf Seiten des Titelverteidigers, Natasha Kai, hatte das perfekte Geschenk für ein ganz besonderes Jubiläum einer ihrer Teamkolleginnen...

Die anderen Spiele
Immer wenn es zählte, behielten die deutschen Frauen gegen die Schwedinnen die Oberhand: Im EM-Finale 2001, im WM-Finale 2003 und im Spiel um Bronze bei den Olympischen Spielen 2004. Auch diesmal waren es Birgit Prinz und Co., die am Ende mit einem Lächeln im Gesicht das Feld verließen. 120 Minuten harter Kampf wurden in einem Spiel zweier Teams auf Augenhöhe geboten, doch die Treffer in der Verlängerung von Kerstin Garefrekes und Simone Laudehr lassen den Weltmeister weiter vom Gewinn des einzigen noch fehlenden Titels träumen: dem des Olympiasiegers.

Exakt 28.459 traurige Gesichter gab es im weiten Rund von Qinhuangdao, denn jeder einzelne von ihnen musste akzeptieren, dass ihr eigener Traum von der olympischen Goldmedaille im eigenen Land geplatzt ist. Das japanische Duo Aya Miyama und Homare Sawa kombinierte stattdessen einmal mehr derart traumhaft, dass bei emotionaler, aber nie böswilliger Derby-Stimmung das eigene Team im Fernost-Duell gegen China VR mit 2:0 die Oberhand behielt.

Wie aus einem Guss zelebrierten auch Superstar Marta und ihre brasilianischen Teamkolleginnen Fussball, um in einem mit Spannung erwarteten Vergleich mit den diszipliniert aufspielenden Norwegerinnen ein dickes Ausrufezeichen hinter ihre hohen Ambitionen zu setzen. Südamerikanische Technik setzte sich am Ende mit 2:1 gegen skandinavische Taktik durch. Der Vize-Weltmeister hat damit allen Grund, voller Selbstvertrauen in die Runde der letzten Vier zu gehen.

Spielerin im Fokus
Nadine Angerer (GER)
Gleich mehrere Schwedinnen waren sich sicher, das Rezept parat zu haben, um sie endlich zu bezwingen, schließlich würde man sie doch aus der heimischen Liga kennen. Doch die deutsche Torfrau, die für Djurgardens IF spielt, blieb auch im vierten Turnierspiel ohne Gegentor und stellte damit einen neuen olympischen Rekord auf. Wer sich nicht mehr erinnern sollte: Auch bei der FIFA Frauen-WM China 2007 musste die Weltmeister-Keeperin während der gesamten Veranstaltung nicht hinter sich greifen.

Die Statistik
100 - Nach exakt so vielen Spielminuten plus ein paar Sekunden der heutigen Viertelfinalpartie gegen Norwegen setzte U.S.-Star Shannon Boxx eine präzise Flanke auf die Stirn von Natasha Kai, die somit zum Siegtreffer einköpfen konnte. Was an dieser Ziffer sonst noch so bemerkenswert ist? Es war kein Geringeres als das 100. Länderspiel von Boxx. Sowas nennt man eine Glückszahl!

Das Zitat
Jorge Barcellos (Trainer, Brasilien)
"Wir hatten heute einige Probleme im Abschluss und hätten sicherlich mehr Tore erzielen können. Wir werden versuchen, dieses Problem vor dem Halbfinale im Training in den Griff zu bekommen."

Das Viertelfinale im Überblick
USA - Kanada 2:1 n.V.
Brasilien - Norwegen 2:1
Schweden - Deutschland 0:2 n.V.
China VR - Japan 0:2

Die Paarungen des Halbfinales
Japan - USA
Brasilien - Deutschland