O'Reilly fiebert dem Derby entgegen
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Im Gegensatz zu anderen Sportlern, die an Olympischen Spielen teilnehmen, träumen die meisten Fussballer nicht davon, einen persönlichen Rekord zu brechen. Dennoch kann die U.S.-Amerikanerin Heather O'Reilly mit Fug und Recht behaupten, ihre Erwartungen sogar noch übertroffen zu haben, nachdem sie am vergangenen Dienstag im Spiel gegen Neuseeland bereits nach 42 Sekunden getroffen und somit das schnellste Tor in der Geschichte dieses Wettbewerbes erzielt hat.

"In Wahrheit messe ich diesem Rekord keine Bedeutung bei, auch wenn dieser eine kuriose und unterhaltsame Tatsache darstellt. Ich dachte niemals daran, mir ein solches Ziel zu stecken, doch solange meine Mannschaft gewinnt, freue ich mich natürlich darüber. Denn das ist das einzige, was zählt!", sagte sie mit einem Lächeln auf den Lippen im Gespräch mit FIFA.com.

Heather überstrahlt in Shanghai alles. Und nicht nur das: Mit gerade 23 Jahren nimmt sie bereits an ihren zweiten Olympischen Spielen teil und scheint auf gutem Wege zu einer zweiten Medaille. Nicht viele andere Sportler können eine derartige Bilanz vorweisen. "Obwohl ich schon das zweite Mal dabei bin, sind die Leidenschaft und die Begeisterung nach wie vor groß. Nichts lässt sich mit Olympischen Spielen vergleichen. Man sieht auch andere Sportarten und Athleten und verspürt einen besonderen Adrenalin-Kick. Es ist nicht schwierig, sich von der Begeisterung eines solchen Umfeldes mitreißen zu lassen", sagte die derzeitige Trägerin des Trikots mit der Rückennummer neun, das früher von der legendären Mia Hamm getragen wurde.

USA - Kanada: ein Klassiker
Um dem Traum von einem erneuten Medaillengewinn einen Schritt näher zu kommen, müssen die U.S.-Amerikanerinnen jedoch zunächst im Viertelfinale die Erzrivalinnen aus Kanada besiegen. "Zwischen uns gibt es eine besondere Rivalität, denn immerhin handelt es sich um ein Nachbarschaftsduell. Diese Derbys sind immer sehr intensiv und hart umkämpft. Die Kanadierinnen werden sicher hoch motiviert sein, aber wir ebenfalls", kündigte sie an, während im Hintergrund der Applaus bei der Ankunft der argentinischen Herren-Mannschaft im Hotel zu hören ist.

Doch die Stürmerin der Universität North Carolina lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen - auch nicht von der Anwesenheit Lionel Messis. Das Zusammenleben mit den nächsten Rivalinnen unter ein und demselben Dach beschreibt sie wie folgt: "Es ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn beim Mittagessen sehen wir uns. Manchmal kreuzen sich unsere Blicke, doch wir wissen alle nur zu gut, dass das wahre Duell erst auf dem Spielfeld beginnt. Sobald wir draußen sind, ist es nichts Besonderes mehr."

Für die USA ist ein Spiel gegen Kanada jedoch immer etwas Besonderes: In den bisherigen 43 Duellen blieben die U.S.-Amerikanerinnen 36 Mal siegreich und mussten nur vier Niederlagen einstecken; drei Spiele endeten unentschieden. Haben die USA Angst vor einer Revanche? "Die Kanadierinnen werden auf ihre starke Physis setzen, für die sie so bekannt sind, und alles versuchen, uns zu besiegen. Doch wir wissen, wie wir sie stoppen können", sagte Heather, die jedoch dem Vorrunden-Aus der Herren-Mannschaft nachtrauert: "Es wäre nett gewesen, mit ihnen hier zu wohnen, doch nun müssen sie uns von zu Hause aus zusehen."

Die junge amerikanische Rekordhalterin träumt nun bereits von ihrer zweiten Goldmedaille ihrer noch jungen, aber schon sehr erfolgreichen Karriere. "Unsere Spielergeneration kann nun unter Beweis stellen, dass wir die Nummer eins sind. Bei der Weltmeisterschaft wurden wir Dritte, was wir nicht erwartet hatten, doch nun haben wir die Möglichkeit, noch mehr zu erreichen. Hoffentlich können wir es schaffen".