Auftaktniederlage für Titelverteidigerinnen
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Bereits zwei Tage vor der offiziellen Eröffnung der Olympischen Sommerspiele Peking 2008 begann die Vorrunde des Olympischen Fussballturniers der Frauen. Der erste Spieltag, der bei großer Hitze und extrem hoher Luftfeuchtigkeit über die Bühne ging, stand im Zeichen der Auftaktniederlage des amtierenden Olympiasiegers USA, der hart umkämpften Partie zwischen Deutschland und Brasilien und dem Jubel der einheimischen Fans über den Auftakterfolg ihrer Mannschaft über Schweden.

Das Topspiel
Wenn man gleich in der Anfangsphase die beiden schnellsten Tore in der Geschichte des Olympischen Fussballturniers der Frauen kassiert und dazu noch den Ausfall der torgefährlichsten Angreiferin verkraften muss, scheint eine Niederlage geradezu unabwendbar. Genau das passierte dem U.S.-Team heute in der Auftaktpartie gegen Norwegen. Es waren gerade mal vier Minuten gespielt, als die U.S.-Amerikanerinnen im Quinhuangdao Olympic Sports Center schon mit 0:2 hinten lagen. Und obgleich sie die größeren Spielanteile und mehr Ballbesitz hatten, fehlte ihnen die erforderliche Konzentration im Abschluss ebenso wie ihre beste Stürmerin Abby Wambach, die ihrem Team wegen einer Verletzung derzeit nicht zur Verfügung steht. Die Nordeuropäerinnen mit der routinierten Solveig Gulbrandsen als Spielführerin verstanden es nach dem furiosen Beginn geschickt, ihre Führung zu verteidigen und die Angriffsbemühungen der U.S.-Amerikanerinnen zu neutralisieren.

Die anderen Spiele
Die Neuauflage des Finales der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 zwischen Deutschland und Brasilien bot eine insgesamt interessante und von beiden Seiten intensiv geführte Partie, bei der die Brasilianerinnen zwar die besseren Torchancen hatten, sich am Ende jedoch mit einem torlosen Unentschieden begnügen mussten - zum Leidwesen von Ronaldinho und Co., die das Spiel im Stadion von Shengyan als fachkundige Beobachter verfolgten.

Die Nordkoreanerinnen, die zur gleichen Zeit mit 1:0 gegen Nigeria erfolgreich waren, sicherten sich die Tabellenführung in Gruppe F. Dass es beim knappen 1:0-Sieg blieb, war zum einen auf die mangelnde Chancenverwertung der Asiatinnen, zum anderen auf die herausragende Leistung von Precious Dede im Tor der Nigerianerinnen zurückzuführen.

In Tianjin übernahmen die gastgebenden Chinesinnen gegen Schweden von Beginn an die Initiative. Nachdem Pu Wei das einheimische Team in Führung geschossen hatte, brauchten die Schwedinnen, denen die äußeren Bedingungen offensichtlich die größeren Probleme bereiteten, eine halbe Stunde, um zu ihrem Rhythmus zu finden. In dieser Phase erzielte Lotta Schelin auch den zwischenzeitlichen Ausgleich für die Europäerinnen. Ein Gewaltschuss von Han Duan, der unhaltbar im schwedischen Tor landete, sicherte den Chinesinnen schließlich den ersten Sieg im ersten Gruppenspiel, der bei den 38.000 Zuschauern auf den Rängen einen Riesenjubel auslöste.

Dennoch führt nicht China VR, sondern Kanada die Tabelle in Gruppe E an. Die Kanadierinnen setzten sich in ihrem Auftaktspiel dank ihrer physischen Überlegenheit und ihrer größeren Erfahrung mit 2:1 gegen Argentinien durch, obwohl sich die Südamerikanerinnen gegenüber ihrem Auftritt beim WM-Turnier im vergangenen Jahr deutlich verbessert präsentierten. Während Candace Chapman und Kara Lang für die Nordamerikanerinnen trafen, erzielte Ludmila Manicler fünf Minuten vor Schluss den ersten Treffer einer argentinischen Frauen-Nationalmannschaft überhaupt bei einem Olympischen Fussballturnier.

Den Japanerinnen gelang gegen die wie entfesselt und beachtlich solide spielenden Neuseeländerinnen noch ein Remis, nachdem sie eine halbe Stunde vor dem Abpfiff der Partie noch mit 0:2 im Rückstand gelegen hatten. Die Asiatinnen, die faktisch nie aufsteckten, kamen in der Schlussphase noch zum Ausgleich und damit zu einem wertvollen Punktgewinn.

Spielerin im Fokus
Für Marta wurde die deutsche Torhüterin Nadine Angerer heute zum Albtraum. Vor allem der Weltklassetorhüterin, die bereits in der Finalbegegnung bei der WM 2007 einen Elfmeter der brasilianischen Topspielerin pariert hatte, war es zu verdanken, dass in der Auftaktpartie zwischen Deutschland und Brasilien keine Tore fielen. Die Frau im Tor der DFB-Elf, die bei der gesamten WM im Vorjahr ohne Gegentor geblieben war, setzte ihre Erfolgsserie auch heute fort und parierte mit ihren Glanzparaden gleich mehrere Torschüsse von Cristiane und Marta. Dabei stellte sie erneut ihre Reaktionsschnelligkeit und ihr überragendes Stellungsspiel unter Beweis. Wird sie ihr Gehäuse auch in Peking 2008 sauber halten können?

Statistik
2 - Nach so vielen Minuten nahm heute das Schicksal für die U.S.-Amerikanerinnen seinen Lauf. Nach nur 69 Sekunden erzielte die Norwegerin Leni Larsen Kaurin den bislang schnellsten Treffer in der Geschichte des Olympischen Fussballturniers der Frauen. Kurz danach erhöhte ihre Mitspielerin Melissa Wiik noch auf 2:0. Da waren gerade mal vier Minuten seit dem Anpfiff der Partie vergangen. Den bisherigen Rekord hielt die Deutsche Pia Wunderlich, die in Atlanta 1996 gegen Brasilien ebenfalls nach vier Minuten getroffen hatte.

Zitat
"Ich glaube, dass heute beide Mannschaften mit großem Selbstvertrauen ins Spiel gegangen sind. In den ersten fünf Minuten ging es hoch her, leider haben wir in dieser Phase bereits verloren. Die beiden schnellen Tore haben uns schwer zu schaffen gemacht. Diese Niederlage ist für uns eine Enttäuschung, doch wir werden weiter hart an uns arbeiten, um für die Partie gegen Japan gerüstet zu sein." Christie Rampone (Spielführerin, USA)

Alle Ergebnisse
Argentinien - Kanada 1:2
Deutschland - Brasilien 0:0
Japan - Neuseeland 2:2
China VR - Schweden 2:1
Korea DVR - Nigeria 1:0
Norwegen - USA 2:0