Brasilien wie gelähmt
© Getty Images

Wenn der Ausgang einer Geschichte nicht nur unglücklich ist, sondern sich auch noch wiederholt, dann fällt es schwer, auf die positiven Seiten zu blicken. Weil Brasilien seinen guten Turnierauftritt nicht krönen konnte. Und weil sich die von Mano Menezes betreute Seleção während der Olympischen Spiele 2012 in London zum ersten Mal so etwas wie eine Identität erarbeitet hatte. Und nun die schmerzhafte 1:2-Niederlage gegen Mexiko an diesem Samstag im Wembley-Stadion – das dritte olympische Finale in der Geschichte Brasiliens und zugleich die dritte Niederlage nach 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul.

Die Niederlage ist umso schmerzhafter, wenn man sich vor Augen führt, dass sie innerhalb eines Wimpernschlags besiegelt wurde. Und zwar nach einer Unachtsamkeit in den ersten Sekunden der Begegnung: Ein Fehlpass von Rafael führte zum Treffer von Oribe Peralta – und alle taktischen Vorgaben für das Spiel waren über den Haufen geworfen. "Jeder, der Fussball spielt, weiß, dass ein Finale durch Kleinigkeiten entschieden wird. Und das ist auch heute passiert", klagte Neymar, der nach der Medaillenzeremonie zu den besonders Niedergeschlagenen zählte. "So zu verlieren, tut sehr weh. Doch wir haben die Erfahrung eines Olympischen Turniers mitgenommen und aus diesem Finale gelernt, auch wenn es eine Niederlage war."

Der Schlag saß offensichtlich tief: Der Gegentreffer nach 29 Sekunden lähmte das brasilianische Nationalteam bis ins Mark. Der Schock erstickte jeglichen Kreativgeist jener Mannschaft, die in den fünf Partien zuvor jeweils drei Tore erzielen konnte. "Ein so frühes Gegentor zu bekommen, das steckt man nicht leicht weg. Natürlich waren wir geschockt", gab Oscar zu. "Danach haben wir mehrere Chancen zum Ausgleich vergeben. In der zweiten Hälfte haben wir alles in die Waagschale geworfen, und inmitten unserer Drangperiode mussten wir ein weiteres Tor hinnehmen. Wir haben den Mexikanern die beiden Treffer praktisch geschenkt. Sie sind ein gutes Team, haben ihre Chancen genutzt und verdient gewonnen."

Obwohl es nun schwierig ist, nach vorne zu blicken und sich nicht allzu sehr mit der heutigen Niederlage zu beschäftigen, wissen die Brasilianer, dass ihre Bilanz von fünf Siegen und einer Niederlage bei den Olympischen Spielen 2012 in London ein guter Gradmesser für die Seleção sein kann – vor allem im Hinblick auf die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™. "Natürlich haben wir unterm Strich Positives geleistet. Jetzt gerade fällt es uns schwer, so zu denken, aber es stimmt. Wir haben mit einem jungen Team, das noch viel Wachstumspotenzial hat, eine Medaille gewonnen", so Marcelo, der zu den zahlreichen brasilianischen Spielern zählte, die Rechtsverteidiger Rafael von der Alleinschuld für die Schlappe freisprachen. "Natürlich haben wir kurz geschimpft. Doch wenn einer einen Fehler macht, dann ist es der Fehler des ganzen Teams. Hätte einer das Siegtor geschossen, dann wäre es auch das Tor des gesamten Teams gewesen." Oder um es wie der geknickte Neymar zusammenzufassen: "Es bringt nichts, nach Fehlern zu suchen. Die sind schon passiert, und wir müssen weitermachen."