Neymar: "Ich bin ein großer Fan von Özil"
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In den letzten beiden Jahren war der Name Neymar derart häufig in den Medien zu finden, dass man den Eindruck hat, in Wahrheit sei sehr viel mehr Zeit vergangen. Dabei handelt es sich um einen jungen Mann von gerade einmal 20 Jahren. Nicht gerade das Alter, in dem man normalerweise in einem mit Talenten so reich gesegneten Land wie Brasilien als der Superstar schlechthin gilt – sowohl im Verein als auch im Nationalteam.

Doch dies ist der Preis, den der Spieler vom FC Santos für sein Talent zahlen muss. Nicht nur die Scheinwerfer sind ständig auf ihn gerichtet, auch die größten Hoffnungen der brasilianischen Fans auf den Gewinn zweier Titel von historischer Bedeutung ruhen auf seinen Schultern – der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014 im eigenen Land sowie der Goldmedaille beim Olympischen Fussballturnier London 2012 im kommenden Monat. Olympisches Gold ist der einzige große Titel, der dem fünffachen Weltmeister noch in der Sammlung fehlt.

Bei den Deutschen mag ich Mesut Özil sehr gerne. Er ist ein großartiger Spieler. Ich bin schon lange ein großer Fan von ihm.
Neymar

Am Tag nach der Bekanntgabe des 18-köpfigen Olympiaaufgebots durch Trainer Mano Menezes, zu dem auch Neymar zählt, sprach der Star mit FIFA.com über seine Erwartungen:

Erinnern Sie sich noch, wie Sie als kleiner Junge die Olympischen Spiele verfolgten? War London 2012 für Sie schon länger ein Karriereziel?
Ich erinnere mich noch sehr gut. Und nicht nur an den Fussball. Genau wie die Weltmeisterschaft ist auch Olympia für mich ein Traum. Und zwar weil man im Olympischen Dorf wohnt, wo alle zusammentreffen. Man hat Lust, ein Teil davon zu sein und sich unter all die Leute zu mischen – und in unserem Fall auch, die Goldmedaille nach Hause zu bringen, was wir noch nie schaffen konnten. Bei einem Ereignis von so hoher Bedeutung in der ganzen Welt ist die Motivation einfach riesig.

Für Fussballer muss dieser Kontakt mit anderen Sportlern interessant sein...
Auf jeden Fall! Lebron James und Usain Bolt laufen einem über den Weg (lacht). Ich habe meinen Freunden schon gesagt, dass ich der peinlichste Typ im Dorf sein werde. Mit peinlich meine ich, dass ich ständig Fotos machen werde. Mann, ich werde Bolt, Lebron James und diese ganzen Leute sehen. Und ich werde sie um gemeinsame Fotos und Autogramme anhauen. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich sie ansprechen werde, aber ich werde es machen (lacht).

Glauben Sie, dass dieses brasilianische Team eine realistische Chance auf Gold hat? Vielleicht eine höhere als bei vergangenen Olympischen Turnieren?
Wir haben alles, was man braucht, um den Titel zu gewinnen. Ich denke, Brasilien gehört bei jedem Wettbewerb zu den Favoriten. Das ist jedes Mal so. Und wir haben ein sehr gutes Nationalteam mit Spielern von hohem Potenzial.

Waren Sie zufrieden mit den Freundschaftsspielen im Vorfeld der Olympischen Spiele – gegen Dänemark, die USA, Mexiko und Argentinien? Haben Sie Schwächen entdeckt, die das Team abstellen muss?
Wir haben gerade einen sehr guten Aufwärtstrend, auch wenn wir uns über zwei der letzten Ergebnisse mächtig geärgert haben (die Niederlagen mit 0:2 gegen Mexiko und mit 3:4 gegen Argentinien). Aber Tatsache ist, dass wir praktisch mit unserer Olympiamannschaft angetreten sind und auf Augenhöhe mit Argentinien waren, einem äußerst starken Team mit herausragenden Spielern. Ich glaube, wir müssen im Training nur an ein paar Kleinigkeiten feilen.

Sie sind heute in der Stammformation der A‑Nationalmannschaft absolut gesetzt. Bedeutet das, dass Sie in der Olympia-Auswahl die Führungsfigur und der wichtigste Spieler sind?
Ich glaube, dass jeder Einzelne ein wichtiger Bestandteil ist und seine Aufgabe hat. Alle sind wichtig. Die 18 Spieler, die nominiert wurden, reisen stellvertretend für alle zum Turnier, die schon einmal dabei waren. Wir müssen an einem Strang ziehen und uns zu einer starken Einheit zusammenschweißen.

Doch bei diesen letzten Freundschaftsspielen müssen sie doch einen Unterschied in der Aufmerksamkeit bemerkt haben, die Ihnen außerhalb Brasiliens zuteil wird...
Oh ja! Ich werde von mehr Leuten erkannt. Auch auf dem Platz achtet man mehr auf mich, denn jeder weiß mittlerweile, was ich kann. Also sind die Gegner natürlich vorbereitet. Könnte es gefährlich werden, stehen mir sofort ein oder zwei Gegenspieler auf den Füßen. Das ist schwierig. Doch ich weiß, dass ich das auch für die Mannschaft nutzen muss. Denn derjenige, der dann statt mir freisteht, kann das Spiel entscheiden.

Wird Ihnen das mit jeder Auslandsreise bewusster?
Ja, es hat sich vieles verändert... Bei meinem ersten Länderspiel kannte mich praktisch niemand, und heute stellen sich die Gegner auf mich ein.

Sie haben Andrés Iniesta über Twitter nach der UEFA Euro 2012 zum seinem Titel mit Spanien gratuliert. Haben Sie das gesamte Turnier verfolgt? Wie fanden Sie das Niveau?
Das spielerische Niveau ist sehr hoch. Es ist in der Tat eigentlich eine Weltmeisterschaft, bei der nur das ein oder andere Team fehlt, wie Brasilien oder Argentinien. Die Spanier stehen über allem. Sie sind wirklich die beste Mannschaft.

Es wird viel über Ihren möglichen Wechsel nach Europa spekuliert. Wenn Sie ein Team wie Spanien spielen sehen, halten Sie das Niveau für erheblich höher als jenes, das Sie in Brasilien gewohnt sind?
Ach, es ist ein wenig anders, weil es ein europäischer Spielstil ist. Es ist anders, doch wir entwickeln uns ja auch. Wir schauen uns Dinge ab, die wir dann auch hier in die Praxis umsetzen.

Wurden Sie auf einen bestimmten Spieler aufmerksam?
Ich mag Iniesta über alles. Er ist sensationell. Auch Cristiano Ronaldo war sehr gut. Und bei den Deutschen mag ich Mesut Özil sehr gerne. Er ist ein großartiger Spieler. Ich bin schon lange ein großer Fan von ihm.