'Kiwis' erringen mühevollen Finalsieg
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Vielleicht hatten sich die Neuseeländer in den vergangenen Jahren zu sehr daran gewöhnt, sich im Nachwuchsbereich fast selbstverständlich für die verschiedenen FIFA-Turniere zu qualifizieren. Seit dem Wechsel von Australien in die asiatische Fussballkonföderation im Jahr 2006 konnten sich die Kiwis - abgesehen vom historischen Erfolg von Tahiti in der Qualifikation für die FIFA U-20-WM 2009 - für jedes Juniorenturnier der Männer qualifizieren.

Da Neuseeland außerdem Heimvorteil genoss, war die Mannschaft vor der Ozeanien-Qualifikation für das Olympische Fussballturnier der Männer entsprechend zuversichtlich, sich vier Jahre nach den Spielen von Peking erneut qualifizieren zu können. Dies ist zwar gelungen, jedoch nur um Haaresbreite.

Fidschi, seit vielen Jahren die führende Macht unter den pazifischen Inselnationen, rief im Endspiel eine Top-Leistung ab und hatte am Ende Pech, die Partie nicht zu gewinnen oder zumindest die Verlängerung zu erreichen.

Neuseeland konnte der starken Physis der Insulaner standhalten und sicherte sich zum Abschluss des Qualifikationsturniers mit sieben Nationen in Taupo einen knappen 1:0-Erfolg. Die Kiwis, die auf zahlreiche Stammspieler verzichten mussten, die im Juli hoffentlich wieder einsatzfähig sind, können nun den Lohn ihrer harten Arbeit genießen und mit den Planungen für die Reise nach London beginnen.

Traum von London
In der Gruppe A trafen Amerikanisch-Samoa, Fidschi, die Salomon-Inseln und Vanuatu aufeinander, während in der Gruppe B Tonga, Gastgeber Neuseeland und Papua-Neuguinea um das Weiterkommen kämpften. Die beiden letztgenannten Teams konnten sich in dieser Gruppe durchsetzen.

Die Salomon-Inseln mussten in der Gruppe A nach Niederlagen gegen Fidschi und Vanuatu zwar überraschend die Segel streichen, feierten mit dem 16:1-Triumph über Amerikanisch-Samoa jedoch den höchsten Sieg dieses Turniers. Das Ergebnis war umso bemerkenswerter, als Amerikanisch-Samoa bis Mitte der ersten Halbzeit noch mit 1:0 in Führung gelegen hatte. Das einzige Tor für die Polynesier erzielte Youngster Shalom Luani, der kürzlich im Rahmen der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 den Siegtreffer zum ersten Länderspielsieg von Amerikanisch-Samoa erzielt und sich damit auf ewig einen Platz in der Fussballgeschichte seines Landes gesichert hatte. Auf Seiten des Siegers trug sich Stürmer Ian Paia gleich sieben Mal in die Torschützenliste ein und trug damit maßgeblich zum Rekordsieg in der Geschichte der OFC-Qualifikationsturniere für Olympische Fussballturniere der Männer bei.

Die beiden Halbfinalpaarungen verliefen höchst unterschiedlich: Während Fidschi einen ungefährdeten 3:0-Sieg über das von Frank Farina betreute Papua-Neuguinea feierte, musste Neuseeland bis zur letzten Minute um den knappen 3:2-Erfolg gegen Vanuatu zittern, wobei Alex Feneridis von Auckland City alle drei Treffer vorbereitete.

Sensation nur knapp verpasst
Im Endspiel ging Neuseeland in der 18. Minute in Führung und brachte sich somit in einer packenden Partie frühzeitig auf die Siegerstraße, als Greg Draper, der in dieser Saison für The New Saints in der walisischen Premier League auf Torejagd geht, einen Handelfmeter verwandelte.

Die Kiwis, die sich vor vier Jahren erst dank eines Last-Minute-Treffers gegen Fidschi qualifizieren konnten, wussten jedoch, dass das Oympia-Ticket damit noch lange nicht gelöst war. Fidschis Kapitän Esava Naqeleca, der später zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, scheiterte in weiterer Folge an der Latte, und auch Zibraaz Sahib traf kurz nach dem Seitenwechsel per Kopf nur Aluminium.

Draper avancierte jedoch zum Matchwinner und bezeichnete den Siegtreffer als "Höhepunkt meines Lebens." "In der zweiten Halbzeit spielten wir nur noch defensiv und verteidigten, als ginge es um unser Leben", sagte Draper, der bereits bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und bei der FIFA U-20-WM 2007 dabei war.

"Fidschi hat alles in die Waagschale geworfen", sagte der neuseeländische Kapitän Adam McGeorge. "Das war ein typisches Endspiel, dabei geht es nicht um schönen Fussball. Der Gegner hat uns oftmals in Bedrängnis gebracht, doch am Ende zeigte das alles nur die Entschlossenheit der Jungs, das Ergebnis über die Zeit zu bringen."

*Da Fidschi in der Partie gegen Neuseeland einen nicht-spielberechtigten Spieler eingesetzt hatte, wurde sie folgerichtig von der FIFA-Disziplinarkommission mit einem 3:0-Sieg für Neuseeland gewertet.