Außenseiter Gabun in London dabei
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Bei der erstmals ausgetragenen CAF U‑23‑Meisterschaft haben sich Gabun, Marokko und Ägypten die ersten drei Plätze gesichert und sich damit für das Olympische Fussballturnier der Männer bei den Spielen von London 2012 qualifiziert. Gastgeber Marokko musste sich im Finale am Samstag dem Überraschungsteam aus Gabun mit 1:2 geschlagen geben. Die Gabuner drehten dabei einen Rückstand und qualifizierten sich somit erstmals für ein Olympisches Fussballturnier.

Gabun hatte sich nach einem verhaltenen Turnierauftakt immer weiter gesteigert und auf dem Weg zum Erfolg drei der traditionell stärksten afrikanischen Teams hinter sich gelassen. Marokko war mit dem Einzug ins Finale ebenfalls bereits für London 2012 qualifiziert. Im Spiel um Platz drei setzte sich Ägypten gegen Senegal durch und qualifizierte sich damit bereits zum elften Mal für die Olympischen Spiele. Senegal bestreitet im kommenden Jahr ein Playoff-Duell gegen ein Team aus Asien und hat dabei eine letzte Chance, sich ebenfalls noch für London zu qualifizieren.

Außenseiter überrascht
Gabun, das Anfang des kommenden Jahres gemeinsam mit Äquatorial-Guinea Gastgeber des CAF Afrikanischen Nationen-Pokal ist, reiste als Außenseiter nach Marokko. In der Qualifikation hatte das Team allerdings bereits eine Kostprobe seiner Hartnäckigkeit gegeben und die Endrunde mit einem 1:0-Auswärtssieg gegen Mali in Bamako erreicht. Doch nachdem das Team gegen Ägypten eine 0:1-Auftaktniederlage erlitten hatte und gegen Südafrika erst spät zum 1:1-Ausgleich gekommen war, rechnete kaum jemand damit, dass Gabun im letzten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste den unbedingt benötigten Sieg schaffen könnte.

Zur Pause lag Gabun durch ein unglückliches Tor mit 0:1 zurück, doch in der Anfangsphase des zweiten Durchgangs ging das Team durch einen Treffer von Emmanuel Mba Ndong und einen von Henri Junior Ndong verwandelten Strafstoß in Führung. Die letzte halbe Stunde mussten die Gabuner in Unterzahl überstehen, doch sie konnten die Führung sogar noch auf 3:1 ausbauen und zogen damit ins Halbfinale ein. Auch hier wurde Gabun als Außenseiter gesehen. Gegner Senegal hatte schließlich die Gruppe A vor Marokko, Nigeria und Algerien gewonnen. Die Gabuner hielten jedoch das 0:0 bis kurz vor Schluss und erzielten nur Minuten vor dem drohenden Elfmeterschießen durch Andre Biyogho Pocko den Siegtreffer.

Im Finale gegen den Gastgeber fand sich Gabun erneut in der Rolle des krassen Außenseiters und geriet in der 21. Minute in Rückstand, als Younes Mokhtar für Marokko traf. Doch auch dieses Mal schlug das Team zurück und erzielte noch vor der Pause zwei Treffer durch Landri Obiang Obiang und Allen Nono. Die marokkanischen Schützlinge von Pim Verbeek versuchten nach der Pause, die Partie wieder zu drehen, doch als ihr Torhüter Yassine El Kharroubi nach einer Notbremse bei einem Konter Gabuns des Feldes verwiesen wurde, war die Entscheidung gefallen.

Nach dem Schlusspfiff bejubelten die Gabuner ihren Sensationssieg ausgelassen und überschlugen sich vor Freude. "Dies ist der größte Sieg in Gabuns Fussballgeschichte. Unsere Freude lässt sich nicht in Worte fassen. Wir sind alle sehr glücklich", so Gabuns Trainer Claude Albert Mbourounot. Mittelfeldspieler und Kapitän Cedric Boussoughou meinte: "Ich bin überwältigt. Die ganze Nation soll Stolz über unsere heutige Leistung empfinden und dies gebührend feiern. Wir haben Geschichte geschrieben. Für mich ist es ein fantastisches Gefühl, dass ich zu dieser historischen Mannschaft gehöre."

Auch der Niederländer Verbeek, der bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ die Nationalmannschaft Australiens betreut hatte, lobte die Leistung des Überraschungssiegers. "Der Teamgeist und die Entschlossenheit Gabuns haben mich sehr beeindruckt. Die Spieler kämpfen um jeden Ball und geben niemals auf."

Zwei altbekannte Gesichter
Allzu groß dürfte die Enttäuschung über die Niederlage bei Verbeek indes nicht gewesen sein, da er Marokko erfolgreich zur siebten Olympiateilnahme geführt hat. Sicher hat er allerdings die Rückkehr des formstarken Mittelfeldspielers Abdelaziz Barrada zu seinem spanischen Klub Getafe noch vor dem Finale bedauert. Der 22-Jährige hatte im Halbfinale gegen Ägypten in den ersten zehn Minuten gleich zwei Treffer erzielt und war auch am dritten Tor seines Teams beim 3:2-Sieg beteiligt. Im Eröffnungsspiel hatte Barrada per Elfmeter den einzigen Treffer der Partie gegen Nigeria erzielt. Damit wurde er Torschützenkönig des Turniers, gemeinsam mit dem Nigerianer Raheem Lawal, der seine drei Treffer alle gegen Algerien erzielte. Nigeria hat von allen afrikanischen Teams die beste Olympia-Bilanz: 1996 in Atlanta gewann man Gold und 2008 in Peking Silber. Doch in Marokko holten die Nigerianer ihre einzigen Punkte beim 4:1-Sieg zum Abschluss der Gruppe A. Der glücklose Trainer Austin Eguavoen wurde noch vor Ende des Turniers entlassen.

Im Spiel um Platz drei sicherte sich Ägypten den letzten direkten Qualifikationsplatz mit einem 2:0-Sieg gegen Senegal. Ägyptens Torhüter Ahmed El Shenawi zeigte sich dabei in Topform und sorgte mit dafür, dass die Nordafrikaner erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder beim Olympischen Fussballturnier vertreten sein werden. Die Tore erzielten Ahmed Sherwida und Saleh Gomaa.

"Wir waren hierher gekommen, um uns für die Olympischen Spiele in London zu qualifizieren, und dieses Ziel haben wir erreicht", sagte der ägyptische Trainer Hany Ramzy. "Mit der Olympia-Qualifikation können die schweren Zeiten für die Ägypter wenigstens etwas in den Hintergrund gedrängt werden", so der Trainer weiter. "Heute werden wir feiern und dann nach Hause zurückkehren, wo wir unsere intensive Vorbereitung auf London 2012 fortsetzen werden."