Obwohl Neuseeland im nächsten Monat in Peking erstmals an einem Olympischen Fussballturnier der Männer teilnehmen wird, wirkt Steven Old, Kapitän der Oly-Whites, nicht allzu eingeschüchtert angesichts dieser Herausforderung.

Schließlich konnte der selbstbewusste, spielstarke 22-jährige Verteidiger bei den Newcastle United Jets und Wellington Phoenix in der australischen A-League reichlich Profi-Erfahrung sammeln. Außerdem ist er trotz seiner Jugend schon seit einiger Zeit in der neuseeländischen Nationalmannschaft aktiv.

So stand Old schon mit 17 Jahren beim Qualifikationsturnier für die letzten Olympischen Spiele auf dem Platz, als Neuseeland im Play-off Australien unterlag und nur knapp das Ticket für Athen 2004 verpasste. Immerhin konnte sein Team damals dafür sorgen, dass der hohe Favorit einige bange Momente zu überstehen hatte.

Vier Jahre danach ging Neuseeland als klarer Favorit in die Olympia-Qualfikation - schließlich hatte Australien inzwischen die Konföderation gewechselt und spielte in der Asien-Zone. Das Team wurde seiner Rolle gerecht und gewann beim Qualifikationsturnier in Lautoka auf Fidschi alle fünf Spiele. Wie vorauszusehen, bot die Heimmannschaft den Oly-Whites den größten Widerstand, und es sollte bis zur letzten Spielminute dauern, bevor das erlösende 2:1-Siegtor für Neuseeland fiel - natürlich erzielt von Steven Old.

Old schätzt das aktuelle Team von Coach Stu Jacobs stärker ein als die Mannschaft, die 2004 das Olympia-Ticket so knapp verpasste. "Beide Teams hatten ihre Stärken. 2004 hatten wir eine unglaubliche Kampfmoral, und natürlich schaute ich damals noch voller Ehrfurcht zu den anderen auf, aber meiner Meinung nach hat der heutige Kader mehr spielerische Klasse", so Old.

Die Neuseeländer müssen beim Olympischen Fussballturnier in der härtesten aller Vorrundengruppen antreten - außer Gastgeber China VR ist neben dem europäischen Hoffnungsträger Belgien auch die südamerikanische Fussball-Großmacht Brasilien mit dabei. "Es gibt einfach kein schwereres erstes Spiel in einem Turnier, als direkt gegen den Gastgeber anzutreten", so Old. "Außer natürlich, wenn man gegen Brasilien spielen muss ... und die sind gleich unser nächster Gegner!"

"Die Chinesen werden vor Ehrgeiz nur so strotzen... und die Fans sind natürlich ihr zwölfter Mann."

Old ist zuversichtlich, dass sein Team über die Mittel verfügt, den Heimvorteil der Chinesen und die spielerische Klasse der Brasilianer auszugleichen. "Wir werden eventuelle technische Mängel durch bessere Physis und Fitness wettmachen. Wir werden uns schon gegen sie durchsetzen können, daran habe ich keine Zweifel."

Olympische Spiele als Sprungbrett
Nachdem sein Vertrag bei Wellington Phoenix Anfang des Jahres ausgelaufen ist, hält sich Old im Augenblick bei den Macarthur Rams in der New South Wales Premier League fit, wo er zusammen mit zwei Teamkollegen der Oly-Whites - Stürmer Costa Barbarouses und Torwart Roy Bell - unter Vertrag steht. Doch Olds fussballerische Ambitionen reichen weit über Ozeanien hinaus: Er will unbedingt nach Europa wechseln und hofft, dass die Olympischen Spiele sich als Sprungbrett für ihn und einige seiner Mannschaftskameraden erweist. "Wir haben einige Klassespieler im Team, die es durchaus in Europa schaffen können", erzählt er.

Für zusätzliche Spannung während des Olympia-Abenteuers der Oly-Whites dürfte auch der direkte Konkurrenzkampf gegen Australien sorgen - die Mannschaft, die den Neuseeländern in den vergangenen Jahrzehnten so oft die Olympia-Qualifikation vor der Nase weggeschnappt hat. Auch die Australier wurden in eine schwere Vorrundengruppe gelost, in der unter anderem Titelverteidiger Argentinien spielt - und wie Old zugibt, wird sein Team die Entwicklungen beim ewigen Rivalen aus dem Norden mit großem Interesse verfolgen. Schließlich verdienen viele neuseeländische Nationalspieler ihr Brot als Fussballer auf dem fünften Kontinent und kennen die Spieler der Olyroos sehr genau. Außerdem treten Stu Jacobs und seine Männer am 12. Juli in Sydney im Rahmen der Olympia-Vorbereitung noch einmal gegen Australien an.

"Wir möchten unbedingt vor ihnen landen - ganz egal, ob wir ansonsten gute Kumpels sind", so Old lachend. "Aber natürlich sitzen wir auch im selben Boot", fügt er hinzu und spielt damit auf den Außenseiterstatus beider Teams in ihren Vorrundengruppen an.

Die Oly-Whites mögen zwar als Underdogs nach Peking reisen, doch an Olds ruhiger und selbstbewusster Einschätzung der Chancen seiner Mannschaft ist davon nichts zu merken: "Sobald wir wissen, was wir zu erwarten haben, und sobald wir uns daran gewöhnt haben, werden wir schon klarkommen."