The Best FIFA Football Awards™

Montag, 24. September 2018, London

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Sarina Wiegman: Fünf Stationen auf dem Weg nach ganz oben

© AFP
  • Wiegman gewann im vergangenen Jahr die Auszeichnung The Best – FIFA-Welttrainer - Frauen
  • Ihr Team gewann die Europameisterschaft und ist in der laufenden WM-Qualifikation noch ungeschlagen
  • Wiegman blickt zurück auf fünf Schlüsselstationen ihrer Karriere

Angesichts des beeindruckenden Titelgewinns bei der UEFA EURO der Frauen im vergangenen Jahr gerät leicht in Vergessenheit, dass die Niederlande im weltweiten Frauenfussball er seit Kurzem zur Spitzengruppe gehören. Vor dem Triumph im eigenen Land hatten sich die Niederländerinnen erst drei Mal für ein großes Turnier qualifiziert und bei keinem davon um den Titel mitgespielt.

Die Starspielerinnen des Teams und auch Trainerin Sarina Wiegman wurden erst mit dem Titelgewinn bei der EURO zu Topstars. Wiegman war zwar eine gute Spielerin mit mehr als 100 Länderspielen und eine respektierte Trainerin, doch außerhalb ihres Heimatlandes nicht unbedingt eine Berühmtheit. Und selbst heute kennt längst nicht jeder die ganze Geschichte der Trainerin, die im vergangenen Jahr als beste ihrer Zunft ausgezeichnet wurde und auch dieses Jahr wieder unter den Nominierten für die Auszeichnung als The Best – FIFA-Welttrainer - Frauen ist.

Wer also ist der kluge Kopf hinter der Umwälzung bei den Leeuwinnen? Und welche Erfahrungen haben sie als Trainerin geformt? In einem persönlichen Gespräch mit Wiegman fand FIFA.com es heraus.

Startschwierigkeiten

Da es keine Mädchenteams gab, musste sich Wiegman mit Tricks Einsätze in Jungenmannschaften verschaffen. Ihr Zwillingsbruder motivierte sie und förderte ihre Leidenschaft für den Fussball.

"Ich ließ mir die Haare sehr kurz schneiden, um nicht aufzufallen. Doch selbst das funktionierte nicht immer und es war oft nicht leicht, überhaupt zum Einsatz zu kommen. Wenn ich sehe, wie sehr sich die Situation hier in den Niederlanden gewandelt hat, dann bin ich glücklich und begeistert. Es ist ein großartiges Gefühl, selbst zu dieser Veränderung beigetragen zu haben. Mädchen haben heute viel mehr Möglichkeiten und Einrichtungen zum Fussballspielen. Natürlich können wir uns noch weiter verbessern. Es gibt immer noch viel zu tun, um die Aussichten für die nächsten Generationen zu verbessern. Aber wenn ich die heutige Situation mit meinen Anfängen vergleiche, ist die Veränderung einfach unglaublich."

Ausbildung in Amerika

1989 nahm die 19-jährige Wiegman das Angebot des damaligen U.S.-Trainers Anson Dorrance an, sich dem Frauenfussballprogramm der Universität von North Carolina anzuschließen. Dort spielte sie mit Stars wie Mia Hamm und Kristine Lilly.

"Das hat mich unglaublich inspiriert. Es war wie ein Fussballparadies. In den Niederlanden war ich – wegen meines Studiums und der damaligen Fussball-Landschaft – in einer Situation, in der Fussballspielen auf hohem Niveau einfach nicht möglich war. Es gab keinerlei Aussichten. Doch in den USA erlebte ich eine völlig andere Situation. Hier hatten gute Spielerinnen die Möglichkeit, sich angemessen zu entfalten. Für mich waren die dortigen Möglichkeiten eine echte Inspiration. Von diesem Moment an habe ich davon geträumt, eine ähnliche Situation in meiner Heimat zu erleben."

Verzögerte Entwicklung

Nach ihrer Rückkehr aus den USA stellte Wiegman konsterniert fest, dass sich "nichts verändert" hatte. Angesichts der Gleichgültigkeit und zahlreicher Widerstände wurde sie zunächst Lehrerin.

"Die Tätigkeit als Lehrerin hat mir geholfen, zu der Trainerin zu werden, die ich heute bin. Aber eigentlich hatte ich keine Wahl, denn es gab in den Niederlanden für Frauen keine Möglichkeit, im Fussball Karriere zu machen. Aber gerade dann, wenn die Dinge nicht einfach sind, muss man eben selbst sein Bestes geben und hart arbeiten, um Lösungen herbeizuführen. All die Herausforderungen, die ich erlebt habe, helfen mir heute, meinen Spielerinnen gute Ratschläge zu geben, wenn sie vor Schwierigkeiten stehen."

Risiko macht sich bezahlt

2007 ließ Wiegman die Sicherheit des Daseins als Lehrerin hinter sich, um Trainerin von ADO Den Haag in der Eredivisie Vrouwen zu werden, die damals noch in den Kinderschuhen steckte.

"Das war natürlich ein Risiko, aber die Entscheidung ist mir trotzdem nicht schwer gefallen, denn ich konnte damit meinen Traum und meine Leidenschaft verfolgen. Daher nahm ich dieses Risiko gern in Kauf und mein Mann unterstützte mich sehr. Wir hatten damals schon zwei Kinder und trugen damit Verantwortung. Es gab also einiges zu bedenken und zu diskutieren. Doch er sagte: 'Das ist dein großer Traum. Du musst ihn verfolgen!' Ich bin sehr froh, dass ich das getan habe!"

Der große Durchbruch

2017 führte Wiegman die Niederlande zum euphorisch bejubelten Titelgewinn bei der UEFA EURO der Frauen im eigenen Land.

"Das ist natürlich mein bislang größter Erfolg. Die Auswirkungen sind einfach fantastisch. Die Veränderungen in den Niederlanden hatten zwar schon vorher eingesetzt, doch unser Triumph bei der Europameisterschaft sorgte natürlich für einen riesigen zusätzlichen Schub. Wir wissen, wie wichtig es ist, den Schwung zu bewahren und die Entwicklung weiterzutreiben. Das bedeutet, dass die WM-Qualifikation für uns ein Muss ist. Wir müssen auf der Begeisterung aufbauen, die durch die EURO entfacht wurde."

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