The Best FIFA Football Awards™

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Donnerstag, 17. Dezember 2020

The Best FIFA Football Awards™

Oblak: "Mein erstes Idol war mein Vater"

Jan Oblak of Atletico de Madrid in action during the UEFA Champions League Group A stage match between Atletico de Madrid and RB Salzburg at Estadio Wanda Metropolitano on October 27, 2020 in Madrid, Spain. 
© Getty Images
  • Zum vierten Mal zeichnet die FIFA den Welttorhüter des Jahres aus
  • Der Slowene Jan Oblak ist unter den Nominierten für das Jahr 2020
  • "Ich bin Torwart, weil ich schon von klein auf meinem Vater nachgeeifert habe"

Jedes Mal, wenn von den besten Torhütern der Welt die Rede ist, fällt auch der Name Jan Oblak. Der Slowene, der gerade seine siebte Spielzeit bei Atlético Madrid absolviert und unter Diego Simeone zu den Stützpfeilern und Spielführern des Teams zählt, ist für die Auszeichnung The Best – FIFA-Welttorhüter 2020 nominiert.

Der 27-Jährige bleibt zwischen den Pfosten auch in den kniffligsten Situationen ruhig und gelassen, und sein Auftritt im Anfield-Stadion bei der letzten Auflage der UEFA Champions League ist unvergessen geblieben. Der Schlussmann spricht mit uns über seine Kindheitsträume, das Geheimnis seiner Wundertaten zwischen den Pfosten und den großen Wunsch, mit Atleti Titel zu gewinnen.

Jan, Slowenien hat gerade einmal zwei Millionen Einwohner und trotzdem zahlreiche Elitesportler hervorgebracht, darunter Stars der NBA, Radrennfahrer wie Tadej Pogačar oder Primož Roglič und natürlich Sie selbst. Was ist das Geheimnis?

Es stimmt schon, dass wir hervorragende Sportler haben, sowohl in Einzel- als auch in Mannschaftssportarten. Wir hatten schon immer sehr gute Basketballspieler und auch Fussballer, die sich hervortun konnten ... Ich glaube, das liegt an unserer Sportbegeisterung und auch an unserer Mentalität. Wir verstehen es, einen kühlen Kopf zu bewahren, und das ist im Sport sehr vorteilhaft.

Wie sind Sie zum Fussball gekommen?

Ich habe schon als Kind viele unterschiedliche Sportarten ausgeübt, aber der Fussball stand für mich immer an erster Stelle. Mein Vater hat Fussball gespielt, wenn er auch kein Profi war. Er war Torwart, und ich habe ihm nachgeeifert. Ich wollte sein wie er. Deshalb wollte ich auch schon von klein auf Torhüter werden. Am Anfang wurde ich auch mal als Stürmer eingesetzt, aber ich wollte immer im Tor bleiben.

Ich begeistere mich immer noch für andere Sportarten wie Basketball und Tennis. Ich spiele selbst und schaue auch gern zu. Bevor ich Profi geworden bin, bin ich auch viel Ski gefahren.

Gibt es einen Torhüter oder Fussballer, den Sie in Ihrer Kindheit besonders bewundert haben?

Wenn ich mir Spiele der großen europäischen Mannschaften anschaute, habe ich mich immer auf die Torhüter konzentriert. Und da ein Spieler nicht jedes Jahr gleich gut in Form ist, gefiel mir in einem Jahr Buffon, im nächsten Casillas, Schmeichel oder Dida von AC Milan ... Das waren alles Torhüter, die ich bewundert habe, aber mein erstes Idol war mein Vater.

Ist es ein Kindheitstraum von Ihnen, eines Tages bester Torhüter der Welt zu werden?

Als ich klein war, konnte man noch nicht so viel internationalen Fussball schauen. Mein erster Traum war es daher, für den Klub aufzulaufen, bei dem ich trainierte. Dann machst du Fortschritte, erfüllst dir Träume und träumst von neuen Dingen. Als mir klar wurde, dass ich Profi werden und auf hohem Niveau spielen könnte, begann ich, davon zu träumen, der Beste zu werden und alle Titel abzuräumen. Dafür trainierst du jeden Tag.

Was halten Sie von einer The Best-Auszeichnung als Anerkennung für die Arbeit der Torhüter?

In der Regel konzentriert man sich auf diejenigen, die Tore schießen, nicht auf diejenigen, die sie verhindern. Es gibt hervorragende Torhüter, die niemals eine Anerkennung dafür erhalten haben, dass sie die Besten waren. Am Ende sind wir auf dem Spielfeld alle gleich: Einige müssen Tore erzielen, andere müssen sie verhindern. Daher ist es gut, dass es eine Auszeichnung für Torhüter gibt. So kann ein Torwart eine echte Anerkennung bekommen, nicht nur mit Worten wie "der spielt aber gut", sondern auch in Form einer Auszeichnung. Das ist gut für den Fussball, für uns und für die Fans.

Jan Oblak of Atletico Madrid makes a save 
© Getty Images

Dieses Jahr sind Sie gemeinsam mit Alisson, Thibaut Courtois, Keylor Navas, Manuel Neuer und Marc-André Ter Stegen für die The Best-Auszeichnung nominiert worden. Was würde Ihnen diese Trophäe bedeuten?

Das wäre eine sehr schöne Sache. Die Tatsache, dass du nominiert bist, zeigt schon, dass du auf einem guten Weg bist. Das sind individuelle Auszeichnungen, aber sie kommen aufgrund mannschaftlicher Erfolge zustande. Letztendlich haben der Torhüter und der Feldspieler, die die Champions League oder ihre Landesliga gewonnen haben, die besten Aussichten auf die The Best-Auszeichnung. Titelgewinne mit deinem Team verschaffen dir die beste Ausgangsposition für diese individuellen Preise.

Uns ist das letztes Jahr nicht gelungen, aber ich freue mich über die Nominierung. Zu gewinnen, wäre sowohl für mich selbst als auch für Atleti spektakulär, weil der Torhüter nicht allein auf dem Platz steht und du den Rückhalt deines Teams brauchst, um nominiert zu werden und zu gewinnen.

Einige Ihrer Glanzparaden der letzten Jahre kann man schon als "kleine Wunder" bezeichnen, weil Sie praktisch sichere Tore verhindert haben, beispielsweise die spektakuläre Dreifachparade gegen Bayer Leverkusen. Haben Sie eine Lieblingsparade?

Diese Dreifachparade ist auf jeden Fall diejenige, von der im Zusammenhang mit meinem Namen am häufigsten gesprochen wird. Wahrscheinlich wird sie noch in vielen Jahren im Fernsehen oder Internet zu sehen sein, aber ich gehöre nicht zu den Menschen, die auf eine bestimmte Parade fixiert sind. Jede einzelne ist wichtig, weil du damit ein Tor verhinderst [lacht].

Es gibt auch häufig Paraden, die ganz einfach aussehen, aber derjenige, der im Tor steht, weiß, dass sie viel schwieriger waren als andere, die auf dem Foto besonders schön aussehen. Das hat etwas mit dem Stellungsspiel zu tun.

Wo wir gerade vom Stellungsspiel sprechen, welche Fähigkeit ist Ihrer Meinung nach auf Ihrer Position als Torhüter die wichtigste?

Das Stellungsspiel gehört auf jeden Fall zu den wichtigsten Fähigkeiten. Wenn du immer an der richtigen Stelle stehst oder versuchst, an der richtigen Stelle zu stehen, hast du es leichter. Und dann spielt jede Mannschaft anders, jeder Trainer fordert etwas anderes von seinem Torwart und letztendlich tust du das, was dein Trainer von dir verlangt. Wenn er dich bittet, mit den Füßen zu spielen, dann tust du das, wenn er dich auffordert, weite Abschläge zu machen, tust du das auch. Aber das Stellungsspiel ist auf jeden Fall eine meiner Stärken.

Sie haben in Ihrer Position eine Rundumsicht auf das Spiel. Gehören Sie zu den Torhütern, die viel mit ihren Mitspielern kommunizieren oder tun Sie das nur aus konkretem Anlass?

Ich habe immer ein Auge auf alles und rede während der Spiele viel. Ich bin nicht 'der Superschlaue' da hinten, der die Dinge besser sieht [lacht], aber ich versuche zu helfen, vor allem den Innenverteidigern, Außenverteidigern und defensiven Mittelfeldspielern. Manchmal sehe ich Lücken, von denen sie glauben, dass sie geschlossen sind, oder sie sehen nicht, was sich hinter ihrem Rücken abspielt, ich aber schon ... Je mehr du auf dem Platz kommunizierst, desto einfacher wird es für alle Beteiligten. So helfen wir uns gegenseitig.

Sie haben bereits viermal die Zamora-Trophäe für den Torwart mit den wenigsten Gegentreffern der spanischen Liga erhalten. In dieser Saison mussten sie in elf Begegnungen nur vier Gegentore hinnehmen. Ist es Ihr Ziel, sich die Auszeichnung erneut zu sichern?

Ich konzentriere mich nicht auf konkrete Zahlen, denn die können sich ganz schnell ändern, wenn du dir plötzlich in mehreren Spielen in Folge einige Tore einfängst. Statt diese Auszeichnung ins Visier zu nehmen, versuche ich, so wenige Tore wie möglich zu kassieren, weil unsere Chancen auf einen Sieg dann größer sind.

In der Liga sieht es gut aus für Atlético. Sie sind Zweiter mit zwei Spielen weniger und haben neun Punkte Vorsprung auf den FC Barcelona und drei auf Real Madrid. Auch in der Champions League, in der Sie 2016 knapp am Titelgewinn vorbeigeschrammt sind, ist der Klub weiter. Wenn Sie wählen müssten, für welchen Titel würden Sie sich dann in dieser Saison entscheiden?

Ich kann keinen auswählen, weil ich alle gewinnen möchte. Es ist sehr kompliziert, weil wir in einer Liga mit starken Klubs spielen. Ebenso ist es in der Champions League. Wir waren schon ganz nah am Titelgewinn der Champions League dran, haben es aber nicht geschafft. Ich glaube daran, dass wir es schaffen können. Das ist mein Traum, aber ich würde keinem Titel den Vorzug geben. Solange ich bei Atleti bin, werde ich versuchen, alle Titel zu gewinnen, um die wir spielen. Ich hoffe, dass uns dieses Jahr ein Erfolg gelingt. In La Liga sind wir auf einem guten Weg, aber die Saison ist noch lang. Wir müssen wie bisher weitermachen.

UEFA President Aleksander Ceferin presents winners medal to Jan Oblak of Atletico Madrid 
© Getty Images

Die Fans sind normalerweise eher auf die Angreifer fixiert, aber die Fangemeinde von Atleti liebt Sie und widmet Ihnen Fangesänge. Haben Sie das Gefühl, dort Ihren Platz gefunden zu haben?

Die ersten Monate nach meinem Wechsel waren hart, aber seit ich den Stammplatz habe, spüre ich die Zuneigung der Fans und jetzt vermisse ich sie bei den Spielen sehr. Ich weiß, dass die Fans mich schätzen und ich bin hier, um Atleti zu helfen. Als Fussballer weißt du nie, wie lange du bei einem Klub bleiben wirst, aber ich bin jetzt schon seit sieben Jahren hier und bis jetzt ist alles gut gelaufen. Alles ist leichter, wenn du bei den Fans beliebt bist, weil sie dir Selbstbewusstsein geben und dir helfen, das Beste aus dir herauszuholen.

Wir haben schon vom slowenischen Wunder gesprochen ... Offensichtlich ist es schwieriger, sich mit Slowenien für ein großes Turnier für Nationalmannschaften zu qualifizieren. Was würde Ihnen die Qualifikation für eine WM oder eine EURO bedeuten?

Als Kind habe ich Slowenien bei der WM 2002 gesehen und auch die Qualifikation für die EURO 2000. Später hat das Nationalteam sich dann für die WM 2010 qualifiziert. Die Leute haben sich damals unglaublich gefreut ... Es wäre schön, dem Land dieses Glücksgefühl zurückzubringen. Aber auch für mich wäre es ein Traum, eine WM oder Europameisterschaft zu spielen. Das ist ein Kindheitstraum, den ich mir gern erfüllen würde, und ich werde alles daran setzen, dass es klappt.

Slovenia players
© imago images

Am 17. Dezember fällt die Entscheidung

Die Gewinnerinnen und Gewinner in allen Kategorien, einschließlich des FIFA-Fanpreises und des FIFA-Fairplay-Preises, werden am 17. Dezember 2020 ab 19.00 Uhr MEZ in einer TV-Show gekürt.

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Wer soll Ihrer Meinung nach dieses Jahr gewinnen? Diskutieren Sie mit unter dem Hashtag #TheBest.

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