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Montag, 24. September 2018, London

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Ein Donnerklatschen erobert die Welt

Island schrieb bei der UEFA EURO 2016 nicht nur ein Fussballmärchen, sondern lieferte nebenbei einen denkwürdigen Soundtrack.

Das rhythmische Klatschen, das wahlweise "Island-Klatschen", "Donnerklatschen" oder "Wikingerklatschen" getauft wurde, war eine lautstarke und spektakulär anzusehende kollektive Darbietung. Wie den Leistungen ihres Teams war auch dem "Viking-Clap" der isländischen Fans ein Moment der Einheit und der Gemeinschaft eigen: Die zunächst längeren und schließlich immer kürzer werdenden Pausen, zusammen mit den lauter werdenden "Huh!"-Rufen.

Island gab bei der EURO sein Debüt und avancierte dadurch zum kleinsten Land, das je an einem großen Turnier teilgenommen hat. Aus diesem Grund nahmen Viele an, dass die Gesänge eine lange gepflegte Tradition sein könnten, die jetzt erst einem größeren Publikum bekannt wurde. Weit gefehlt, wie uns der Abwehr-Routinier Kari Arnason aufklärte.

"Es war völlig neu - bei der EURO haben wir das alle zum ersten Mal gesehen. Ich hatte zuvor noch nicht einmal davon gehört", sagt er im Gespräch mit FIFA.com. "Aber es war brillant. Wer auch immer damit angefangen hat, verdient definitiv ein Schulterklopfen. Es sah toll aus und hörte sich fantastisch an. Dann wurde es etwas, auf das du dich freust. Natürlich würden wir nach den Spielen zu den Fans gehen und mit ihnen feiern, vor allem, wenn wir gewonnen hatten. Das waren ganz besondere Momente."

Keine Wikinger-Analogie
Angesichts der Tatsache, dass diese Gesänge zumindest in Island neu waren und in Frankreich erst spektakulär ins Leben gerufen wurden, stellt sich unweigerlich die Frage: Woher kommen sie? War der "Viking-Clap" vielleicht eine Anspielung auf die Rolle jener legendären Entdecker der Landesgeschichte? Wieder scheint die Antwort nein zu lauten.

"Es hat nichts mit den Wikingern zu tun", sagte Kristinn Hallur Jonsson, der Schatzmeister des Fanklubs von Tolfan, im Interview mit The Telegraph. "Es wurde von schottischen Fans übernommen und hat mehr mit den Spartanern im Film '300' als mit den Wikingern zu tun."

Offenbar geht dieser Schlachtruf auf die Anhänger des schottischen Vereins Motherwell zurück, die das Klatschen 2014 bei der UEFA-Europa-League-Partie gegen das isländische Team Stjarnan zeigten. "300" wiederum war die Vorlage für die kollektiven "Huh!"-Rufe. Doch unabhängig von ihrer Geschichte sorgte diese Choreografie für einige beeindruckend anzusehende und anzuhörende Momente. Man konnte es als mitreißend, aber auch - je nach Perspektive - als einschüchternd empfinden. So schrieb ein portugiesischer Journalist: "Island sollte man nicht über den Weg laufen - ihr Wikingergesang ist furchteinflößend."

Über allem jedoch stand eine Zurschaustellung von Geschlossenheit, was insbesondere das Donnerklatschen auszeichnete, das am 3. Juli im Stade de France widerhallte. An jenem Tag hatte das Team eine 2:5-Schlappe gegen die Gastgeber erlitten. Dennoch boten die Fans den Spielern einen emotionalen Abschluss dieses denkwürdigen Abenteuers, indem sie noch ein letztes Mal gemeinsam mit ihren Goliathbezwingern feierten. Die Spieler wiederum, obschon erschöpft und niedergeschlagen, stimmten bald in die Gesänge ein. Schließlich brachten auch die französischen Fans laut und deutlich ihre Bewunderung für diesen rührenden Beweis der Loyalität zum Ausdruck.

Weltweite Würdigung
Noch mehr Anerkennung sollte schon bald folgen. Die isländischen Fans wurden natürlich für den ersten FIFA-Fanpreis nominiert - sehr zur Freude von Arnason. "Das hat mich wirklich sehr gefreut", sagt er. "Die Fans verdienen das, weil sie bei der EURO super waren - sie haben uns zusätzlichen Schwung gegeben."

Schon oft wurde auch auf das Ausmaß der Unterstützung für das isländische Nationalteam in Frankreich hingewiesen: Beinahe zehn Prozent der 323.000 Einwohner reisten zu jenem Viertelfinale gegen die Gastgeber der EURO. Trotz dieser beeindruckenden Menge blieb es eine natürliche und sehr persönliche Verbindung zwischen den Fans und den Spielern.

Arnason nennt uns den Grund: "Ich schaue auf die Tribüne und weiß, dass die meisten meiner Familienmitglieder und Freunde da sind - vielleicht 90 Prozent. Das war etwas Besonderes. Du blickst in diesen Bereich des Publikums und kennst garantiert jemanden, mindestens vom Sehen."

"Meine Freunde, die als Fans dort waren, sagten alle, dass es der schönste Sommer ihres Lebens war. Obwohl es sicherlich etwas war, das die Spieler in Erinnerung behalten und noch ihren Enkeln erzählen werden, hatte ich nach den Gesprächen mit meinen Kumpels das Gefühl, dass die Fans vielleicht sogar noch mehr Spaß hatten als wir! Es war für alle eine tolle Erfahrung. Und ich bin davon überzeugt, dass Island sowohl durch unsere Spieler als auch durch unsere Fans auf der ganzen Welt einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat."

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