The Best FIFA Football Awards™

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Donnerstag, 17. Dezember 2020

The Best FIFA Football Awards™

Bocelli: "Fussball begeistert und bewegt, Fussball eint und entzweit"

Andrea Bocelli
© Believe is out now on Sugar / Decca Records
  • Opernsänger Andrea Bocelli äußert sich über den besten Spieler der Welt
  • Er schwelgt in Erinnerungen an Italiens WM-Triumphe bei Spanien 1982 und Deutschland 2006
  • Bocelli spricht über seinen Auftritt bei Leicester City und die Hymne You'll Never Walk Alone

Es war einmal ein Junge in der Toskana, der bewunderte Männer, die Fussball spielen und unterhalten konnten. Da gab es einen Verteidiger, dem zuzusehen einer Achterbahnfahrt glich; einen Mittelfeldspieler, den sie den "Architekten" nannten, einen Flügelspieler, der als "linker Fuß Gottes" bekannt war; einen Trequartista, der zu den größten italienischen Spielern aller Zeiten zählt, und einen Torwart, der zugab, dass er in seiner Jugend seine Paraden hinauszögerte, um dann den Nervenkitzel seiner Rettungstat noch spektakulärer zu erleben.

Letzterer allerdings wurde nicht nur wegen seiner Hände verehrt. Luciano Pavarotti ließ sich nur widerwillig dazu überreden, eine mögliche Karriere zwischen den Pfosten aufzugeben und stattdessen eine hinter dem Mikrofon anzustreben. Er wurde zu einem der größten Operntenöre alle Zeiten.

Andrea Bocelli wuchs ebenso wie sein großer Held mit der Liebe zum calcio und zur musica auf. Als er fünf Monate alt war, wurde bei ihm ein Glaukom diagnostiziert. Als Zwölfjähriger wurde er als Torhüter in einem Fussballspiel von einem Ball am Kopf getroffen und erblindete kurz danach vollständig.

Bocelli wurde zu einem der erfolgreichsten Musikkünstler aller Zeiten und sein Duett Time to Say Goodbye mit der britischen Sopranistin Sarah Brightman gehört zu den meistverkauften Singles der Geschichte. Seine Liebe zum Fussball besteht unverändert weiter.

Im Vorfeld der The Best FIFA Football Awards™, die Sie am Donnerstag ab 19:00 Uhr MEZ auf FIFA.com verfolgen können, sprach Bocelli mit uns über Fussball und seine vielen Facetten.

Andrea, Sie sind seit Ihrer Zeit an der Sekundarschule in den 1960 Jahren Fan von Inter Mailand. Wer waren Ihre Idole und warum entbrannte Ihre Liebe zu dem Klub?

Ich liebe den Fussball, seit ich ein kleiner Junge im Schulinternat war. Damals habe ich immer die Sportsendung Tutto il calcio minuto per minuto auf einem tragbaren Radio gehört. Das ist eine große Leidenschaft aller Italiener, für die man nie zu alt wird. Es ist eine Möglichkeit, ein Kind zu bleiben – selbst in meinem Alter. Als ich Inter-Fan wurde, war das Team sehr, sehr stark und gewann einfach alles. Ich kann mich noch ganz genau an die fantastische Mannschaftsaufstellung erinnern, wie jeder Inter-Fan, der etwas auf sich hält: Sarti, Burgnich, Facchetti, Bedin, Guarneri, Picchi, Jair, Mazzola, Domenghini, Suarez, Corso!

Die Liebe zu Inter teilen Sie mit Ihrer Familie. Wer sind Ihre aktuellen Lieblingsspieler im Kader?

Ja, die Liebe zu Inter habe ich an meine beiden Söhne Amos und Matteo weitergeben. Ich gebe zu, dass ich dies auch bei meiner achtjährigen Tochter Virginia versuche, aber sie scheint nicht besonders interessiert zu sein. In den letzten Jahren hatte man als Inter-Fan nicht viel zu lachen. Das Team lässt die Fans immer wieder leiden. Im aktuellen Kader stehen einige wirklich großartige Spieler, die ich sehr bewundere: Romelu Lukaku, beispielsweise, weil er stets mit vollem Herzen bei der Sache ist, und Alessandro Bastoni, mit dem ich befreundet bin. Auch Stefan de Vrij und Neuzugang Achraf Hakimi.

Wie empfinden Sie die Atmosphäre in einem Fussballstadion im Vergleich mit einer Konzerthalle oder einer Arena bei einem Auftritt? Verursacht das unterschiedliche Gefühle in Ihnen?

Die Verantwortung ist natürlich eine ganz andere. In einem Fussballstadion geht es zwar auch sehr leidenschaftlich zu, aber dort bin ich nur ein Fan. Bei einem Konzert hingegen bin ich derjenige, der jedes Mal einen Treffer landen muss und keine Fehler machen darf. Abgesehen davon kann der Fussball in gewisser Weise durchaus ähnliche Gefühle erzeugen wie diejenigen in einem Opernhaus. Mit seinem Sinn für Rituale, und seiner Fähigkeit, gesunden Fanatismus und überdrehtes Stammesdenken zu fördern, projiziert der Fussball auch Leben in die Erfahrung des Spiels. Er beschwört Herausforderungen auf Leben und Tod herauf, Impulse von Großzügigkeit und Heldentum, fatale Missgeschicke und großartige Siege. In beiden Fällen handelt es sich "nur" um ein Spiel, jedoch eines, das sehr ernst genommen wird. Ein Spiel, das begeistert und bewegt, das eint und entzweit. Auf der Opernbühne sehen wir eine Ansammlung von Heldenfiguren, ebenso wie auf einem Fussballfeld. Die Darsteller des Traums, den wir wählen, um darin zu leben, Seiltänzer, die rennen, Schlachten mimen, virtuose Darbietungen geben, die lieben und hassen, die fallen und wieder aufstehen, dem - natürlich unvermeidlich voreingenommenen - Urteil der Zuschauer ausgesetzt, und immer in der Balance zwischen Ruhm und Niederlage.

Wen halten Sie derzeit für den besten Spieler der Welt?

Ich würde sagen, dass zwischen Ronaldo und Messi ein sehr feines Gleichgewicht besteht. Messi ist vielleicht der bessere, was die Technik angeht, und Ronaldo ist der bessere, was die Athletik angeht.

Welches sind Ihre ersten Erinnerungen an eine FIFA Fussball-WM?

Meine ersten deutlichen WM-Erinnerungen habe ich an 1970, als Italien das Endspiel erreichte – durch einen 4:3-Sieg im Halbfinale gegen Westdeutschland – ein Spiel, das bis heute als Spiel des Jahrhunderts gilt. Leider verloren wir dann das Finale gegen Brasilien mit Pelé.

Hat Italiens Triumph 1982 in Spanien oder 2006 in Deutschland sie stärker begeistert?

Beide Triumphe haben mich begeistert. 1982 war der Sieg allerdings viel deutlicher. In Spanien hatten wir den Titel absolut verdient und haben deutlich gegen ein starkes Team aus Westdeutschland gewonnen. 2006 hingegen habe ich die WM zusammen mit meinen Söhnen erlebt und es war sehr nervenaufreibend. Wir haben erst im Elfmeterschießen gewonnen, ganz am Ende durch einen Schuss von Fabio Grosso. Beide Triumphe waren großartige Erlebnisse, aber auch ganz verschieden.

Sie haben im Stadion von Leicester City gesungen, nachdem der Klub mit Claudio Ranieri als Trainer die Premier League gewonnen hatte. Warum und wie kam die Idee zu diesem Auftritt zustande?

Es war eine ganz einmalige und sehr schöne Erfahrung, eine Verbindung zwischen meiner Liebe zum Fussball und meinem Patriotismus. Ich war von der Leistung Leicesters sehr begeistert. Es war ein echtes Fussballmärchen, dank perfektem Teamwork und tollem Spiel. Eine Lektion fürs Leben, die uns eine der großen Wahrheiten vermittelt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Da Claudio Ranieri, der das Team führte, mein Landsmann ist, ließ ich mir von meinem Freund Javier Zanetti seine Telefonnummer geben und rief ihn direkt an, um meine Bewunderung auszudrücken und ihm anzubieten, für sein Team zu singen. Es wurde ein Datum vereinbart, und es fiel mit dem sensationellen Jubeltag zusammen, dem ersten Sonntag des Teams als Champion der Premier League im King Power Stadium.

Einer der Songs auf Ihrem neuen Album Believe ist eine Hymne, die von Fans vieler verschiedener Klubs geliebt wird, nämlichYou'll Never Walk Alone. Warum haben Sie dieses Lied ausgewählt?

Es stimmt, dieser Song ist einer der bewegendsten und beliebtesten in der Welt des Fussballs. Doch in diesem Fall habe ich ihn wegen der tiefen Spiritualität ausgewählt, die darin zum Ausdruck kommt. Dieses Lied bringt Menschen zusammen, es erfüllt die Herzen der Zuschauer mit Wärme und es ist eine Art Liebeserklärung, eine Erklärung gemeinsamer Solidarität und des Zusammenstehens in dunklen Zeiten. Für mich schien dieses Lied perfekt geeignet für Believe, ein Album, das in diesem schweren Jahr mit dem Ziel entstand, Stücke zusammenzustellen, die der Seele gut tun. Es sind ganz verschiedene Stücke, ohne jegliche Einschränkungen was Stil oder Entstehungszeit angeht. Jedes für sich kann den Zuhörern die Motivation schenken, sich mit der eigenen Spiritualität auseinanderzusetzen und deren Gedankengängen zu folgen.

Ihre Freundschaft und Verbindung mit Luciano Pavarotti ist ja bestens bekannt. 1990 wurde Nessun Dorma zum Inbegriff der FIFA Fussball-WM in Itaien. Welches Lied repräsentiert für Sie durch seinen Wortlaut das Drama das schönste aller Spiele?

Ja, Nessun Dorma könnte man durchaus Lucianos Markenzeichen nennen. Nessun Dorma ist die Siegeshymne für alle Tenöre. Die Arie mit der dreimaligen Wiederholung des bewegenden 'Vincerò' fasst die strahlende Persönlichkeit und das Leben von Maestro Pavarotti perfekt zusammen. Die Entscheidung, dieses Stück von Puccini zum Soundtrack der Fussball-Weltmeisterschaft zu machen, war eine außerordentlich kraftvolle und wirkungsvolle Idee, der ich aus vollem Herzen zustimme. Als begeisterter Fussballfan und junger Opernsänger, der seinen eigenen Weg gehen wollte, habe ich jede Minute der WM im Fernsehen verfolgt. Ich war beeindruckt von diesem Experiment, von diesem in seiner Einfachheit so brillanten und einsichtigen Einfall, unter die Leute zu gehen, der Oper ihr Publikum zurückzugeben, ein Bild des jungen Tenors wiederherzustellen, das im Laufe der Zeit allmählich verloren gegangen war.

Die nächsten Auflagen der Europameisterschaft und der Weltmeisterschaft werden 2021 und 2022 stattfinden. Wie schätzen Sie die Chancen Italiens ein und was ist der Schlüssel zum Erfolg für die Azzurri?

Beide Turniere sind überaus wichtig im internationalen Fussball. Hoffen wir, dass wir sie in völliger Sicherheit und mit all der Freude genießen können, uns wieder in die Arme schließen zu können und gemeinsam in den Stadien zu feiern und zu jubeln. Ich werde keine Tipps abgeben, doch weil ich von Natur aus ein Optimist und Patriot bin, habe ich keinen Zweifel, dass ich einige großartige Ergebnisse feiern kann.

Am 17. Dezember fällt die Entscheidung

Die Gewinnerinnen und Gewinner in allen Kategorien, einschließlich des FIFA-Fanpreises und des FIFA-Fairplay-Preises, werden am 17. Dezember 2020 ab 19.00 Uhr MEZ in einer TV-Show gekürt.

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Wer soll Ihrer Meinung nach dieses Jahr gewinnen? Diskutieren Sie mit unter dem Hashtag #TheBest.

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