Nachhaltigkeit

Der grünste Klub der Welt - was macht er anders?

(FIFA.com)
Forest Green fan looks on during the Vanarama National League Play Off Final between Tranmere and Forest Green at Wembley Stadium on May 14, 2017 in London, England. 
© Getty Images
  • UN-Auszeichnung für Erfolge im Bereich Nachhaltigkeit für die Forest Green Rovers
  • Veganes Essen, grüne Energie und ein nachhaltig gepflegter Rasen gehören zu den Maßnahmen
  • Klub-Vorsitzender freut sich über nie dagewesene Erfolge auf dem Spielfeld

"Der grünste Fussballklub der Welt" – das ist ein großer Titel und ein kühner Anspruch. Doch der Klub Forest Green Rovers erhebt ihn völlig zu Recht. Das glauben Sie nicht? Dann fragen Sie doch einfach bei den Vereinten Nationen nach, die den Klub aus der vierten englischen Liga zum ersten klimaneutralen Fussballklub der Welt erklärt und ihm dafür die Auszeichnung UN 'Momentum for Change' verliehen haben.

Mit dieser Auszeichnung wurden bislang nur 15 Organisationen geehrt. Forest Green erhielt sie als Lohn für eine ganze Reihe von Pioniermaßnahmen, die auf der ganzen Welt für Aufmerksamkeit sorgen.

Nicht nur dem Namen nach grün

  • Essen: Forest Green bezeichnet sich selbst als ersten vollständig veganen Klub der Welt. Die Spieler nehmen ausschließlich vegane Nahrung zu sich und auch für das Personal und die Fans werden ausschließlich vegane Speisen und Getränke angeboten.
  • Energie: Der Klub wird vollständig über erneuerbare Energie versorgt, von der ein Teil durch Solarzellen und eine Nachführeinrichtung im Stadion erzeugt wird.
  • Spielfeld: Das Spielfeld des Klubs wird nachhaltig gepflegt und mit gesammeltem Regenwasser bewässert. Pestizide und Herbizide sind selbstverständlich tabu.
  • Mähroboter: Der Rasen wird von einem GPS-gesteuerten Mähroboter gemäht, dessen Stromversorgung durch Solarenergie erfolgt.
  • Reisen: Am Stadion gibt es Aufladestationen für E-Autos. Zudem betreibt der Klub ein Park&Ride-Programm für die Fans, um Staus und Emissionen zu verringern.

Alles in allem stellen diese Maßnahmen nicht weniger als eine Revolution im Fussball dar. Und für die Zukunft gibt es noch weitreichendere Pläne. Doch wie wurden die Veränderungen im englischen Fussball aufgenommen, wo die Fleischpastete ähnlich verwurzelt ist wie die Stadionwurst in Deutschland?

"Unsere Fans haben diese Veränderungen nicht nur akzeptiert, sondern sind regelrecht begeistert und stehen voll und ganz hinter unseren Maßnahmen", so der Vereinsvorsitzende Dale Vince gegenüber FIFA.com. "Und wir sprechen hier nicht nur von den Fans, die Woche für Woche zu unseren Spielen kommen. Mittlerweile haben wir Fangruppierungen in 20 Ländern rund um den Globus. Dass sich diese Fans nun zu Forest Green bekennen, ist ein direktes Resultat unserer Haltung zu Umweltfragen."

Schon für sich allein genommen wären die Maßnahmen von Forest Green abseits des Rasens bemerkenswert. Nahezu gleichzeitig stellten sich allerdings auch auf dem Rasen neue Erfolge ein, die dem gewählten Weg zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen.

Der Klub stand 2010 kurz vor dem Bankrott, als Vince das Ruder übernahm, und die Rettung einleitete. In der Football League hatten die Forest Green Rovers bis dahin noch nie gespielt. Dieser historische Aufstieg gelang kurz nach dem Besuch von FIFA TV – wie oben zu sehen – im Mai 2017, als Nailsworth zum kleinsten Ort wurde, der je mit einem Klub in den oberen Etagen der englischen Fussballpyramide vertreten war. Doch damit nicht genug. Derzeit kämpft Forest Green um den Aufstieg aus der League 2 und will es mittelfristig sogar in die zweithöchste englische Liga (Championship) schaffen.

"Es war klar, dass wir auf und abseits des Feldes erfolgreich sein müssen", so Vince. "Unsere Glaubwürdigkeit hätte gelitten, wenn einer dieser beiden Aspekte zu kurz gekommen wäre."

"Glücklicherweise konnten wir in vielerlei Hinsicht beides miteinander verbinden. Einige der Jungs aus der Trainingsplanung haben sich sehr intensiv mit statistischen Daten der Spiele und Spieler beschäftigt. Damit wurden unsere Spielerrekrutierung und auch die Auswertung der Spieltage auf eine wissenschaftliche Basis gestellt. Wir versuchen, auch bei Sportwissenschaften und Sportmedizin sowie bei der Rekrutierung, im Training und so weiter neueste Erkenntnisse einfließen zu lassen."

"Wir wissen, dass wir sehr genau beobachtet werden und dass man hart über uns richten wird, wenn wir ins Hintertreffen geraten. Es reicht also nicht, einfach nur veganes Essen zu verkaufen und nachhaltige Platzpflege zu betreiben - es muss großartiges veganes Essen sein und es muss ein großartiger Platz sein, besser als bei der traditionellen Konkurrenz. Das gehört zu der größeren Aufgabe dazu, die wir uns gestellt haben, nämlich endlich mit dieser klischeehaften Sichtweise aufzuräumen, dass grün leben stets irgend etwas mit Einschränkungen und Verzicht zu tun haben soll. Wir müssen zeigen, dass das keineswegs der Fall ist. Es geht darum, andere – bessere – Versionen der Dinge zu genießen, die wir bereits besitzen."

Hätten Sie's gewusst?
Mit der Turnierauflage 2018 der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ führte die FIFA die Umwelt-Zertifizierung als obligatorische Anforderung für alle neu zu bauenden und zu renovierenden Stadien ein. Alle zwölf Stadien der WM in Russland erfüllten die internationalen Nachhaltigkeitsstandards.

Der nächste Schritt auf der Agenda von Forest Green ist durchaus ambitioniert. Etwas anderes kann man von diesem Klub auch kaum erwarten. Ein neues Stadion soll gebaut werden. Der *Eco Park* soll nahezu vollständig aus Holz errichtet werden. Im Umfeld sollen fünfhundert Bäume gepflanzt und zudem 1,8 Kilometer Hecken angelegt werden. Noch hebt sich der Klub durch derartige Maßnahmen von der breiten Masse ab. Doch Vince hofft, dass dieser Ausnahmestatus schon bald nicht mehr besteht. Tatsächlich kann man bereits bei anderen Klubs erste Schritte in diese Richtung beobachten.

"Es gibt wirklich großes Interesse für das, was wir hier tun", so Vince. "Kurz bevor Sie kamen, habe ich eine E-Mail aus Deutschland beantwortet. Wir haben auch schon Kontaktanfragen von Klubs aus anderen Ligen bekommen, beispielsweise zu dem Mähroboter und den Aufladestationen für Elektroautos. Zum Thema grüne Elektrizität haben sich sogar schon Klubs aus der Premier League gemeldet."

"Als wir im vergangenen Oktober bei der UN waren, haben wir auch Gespräche mit dem deutschen und dem japanischen Fussballverband geführt, und auch mit den San Fransisco 49ers. Wir haben sogar mit der FA über Wembley gesprochen, auch darüber, ob man dort ebenfalls veganes Essen anbieten könnte. Ein paar Klubs in der League 2 haben ein vollständig veganes Angebot zusammengestellt, wenn wir auswärts dort angetreten sind."

"Die Klubs und der Fussball als Ganzes können eine ganze Menge für die Umwelt tun. Und es ist nicht schwer. Es gibt viele Möglichkeiten, etwas zu tun. Die Technologie, die Produkte und die Dienstleistungen stehen zur Verfügung. Klubs jeder Größe können ähnliche Veränderungen vornehmen wie wir selbst. Sie brauchen lediglich den Willen - und ich bin sicher, dass dieser Wille sich allmählich durchsetzt."

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