Kevin-Prince Boateng besuchte am 22. März 2013 den FIFA-Präsidenten im Home of FIFA, um über das Problem Diskriminierung zu sprechen. Bei dieser Gelegenheit lud Joseph S. Blatter den Spieler des AC Mailand dazu ein, Teil der neu gegründeten FIFA Task Force Anti-Rassismus zu werden. Das Treffen war für die beiden Männer zugleich die Gelegenheit, sich darüber auszutauschen, welche Maßnahmen am besten zu ergreifen sind, um das Problem zu bekämpfen. FIFA.com fasst zusammen.

Bei strahlendem Sonnenschein erreichte der ghanaische Nationalspieler Kevin-Prince Boateng den Sitz der FIFA am 22. März 2013, um dort mit Präsident Blatter zusammenzutreffen. Das Thema der Unterredung erinnerte indes eher an eine dunkle Wolkenfront, die den Fussball bedroht: Das Problem Diskriminierung und Rassismus.

"Unglücklicherweise wird unser extrem populärer Sport, der von fast einer Milliarde Menschen auf der Welt verfolgt wird, von mehreren Geißeln heimgesucht: Gewalt, Betrug, Doping, Spielmanipulation, Diskriminierung. Bei der FIFA versuchen wir, gegen alle diese Bedrohungen vorzugehen, doch das Problem Diskriminierung ärgert mich besonders, es ist verabscheuenswürdig. Wir müssen diesen Dämon bekämpfen, doch es ist schwer, eine passende Antwort zu finden", erinnerte der FIFA-Präsident zu Beginn.

Für Boateng, der am Vortag beim Internationalen Tag für die Beseitigung der Rassendiskriminierung anlässlich der 22. Sitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen anwesend war, ist diese Frage spätestens seit dem 3. Januar 2013 besonders akut: An jenem Tag entschloss er sich während eines Testspiels, mit seiner Mannschaft AC Mailand in der 26. Minute das Spielfeld zu verlassen, aufgebracht durch die rassistischen Gesänge, die von den Tribünen schallten.

Mehr Macht für die Schiedsrichter
"Als ich in der Partie gegen Pro Patria das Feld verließ, wusste ich, dass es keine gute Entscheidung war. Doch in diesem Moment war ich sehr wütend und sehr aufgewühlt. Ich habe sehr früh mit dem Schiedsrichter gesprochen, doch nach 26 Minuten explodierte ich und verließ das Spielfeld", erklärte er dem FIFA-Präsidenten. "Dies sollte nicht die Entscheidung eines Spielers sein. Ich denke, dass in dieser Hinsicht vielleicht die Schiedsrichter mehr Macht haben und sich ein Herz fassen sollten. Das ist nicht einfach, dessen bin ich mir bewusst", ergänzte der Spieler.

Anschließend drehte sich das Gespräch um die passenden Sanktionen für solche Fälle. Eine delikate Frage, denn es ist nicht einfach zu beantworten, ob es gerecht ist, eine Mannschaft für das Verhalten ihrer Fans zu bestrafen. "Ich bin ein Spieler, und ich weiß, dass ein Punktabzug sehr schwer zu verkraften ist", schränkte Boateng zunächst ein, ergänzte aber: "Doch man muss in diesem Bereich sehr strikt vorgehen, und wenn es Regeln gibt, müssen sie durchgesetzt werden. Es ist absolut notwendig, dass die ernsthafte Drohung einer Sanktion existiert."

Der FIFA-Präsident ist der Ansicht, dass Vorbeugung und Sanktionen gekoppelt werden müssen. "Wir müssen in zwei Richtungen vorgehen: Erstens bei der Erziehung der Jüngsten. Hierfür verfügt die FIFA mittels ihrer Technik-, Basisfussball- oder weiterer Kurse über ein bemerkenswertes Netzwerk in den Mitgliedsländern. Wir müssen die Botschaft ohne Unterlass wiederholen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die von solchen Akten betroffenen Spieler diese systematisch anzeigen. Zweitens die Bestrafung. Ich denke nicht, dass Spiele vor leeren Rängen oder finanzielle Sanktionen effektiv sind. Meiner Meinung nach muss man eine Mannschaft von einem Wettbewerb ausschließen. Das ist hart, es werden nicht alle einverstanden sein. Doch es ist das einzige Mittel, den Unruhestiftern zu drohen und sie aufzuhalten."

Auf derselben Wellenlänge
In diesem Rahmen erinnerte Blatter daran, dass die FIFA an Vorschlägen für die Bekämpfung von Diskriminierung arbeite, welche "in den Mitgliedsländern implementiert und angewendet werden müssen, überall, auf allen Ebenen. Wir arbeiten daran, dem FIFA-Kongress kommenden Mai etwas präsentieren zu können."

Es war offensichtlich, dass die beiden Männer bezüglich dieses Themas auf derselben Wellenlänge lagen. So war es die logische Folge, dass der FIFA-Präsident den Spieler des AC Mailand fragte, ob er für die neu gegründete FIFA Task Force Anti-Rassismus zur Verfügung stehe. "Der Präsident der neuen Task Force Anti-Rassismus, Jeffrey Webb, ist ein dynamischer und starker Mann, der Taten sprechen lassen wird. In dieser Task Force brauchen wir starke Persönlichkeiten, Menschen wie Sie, die herausragen, um ihr Glaubwürdigkeit zu verleihen", betonte er. Ein Angebot, dass Boateng gerne akzeptierte: "Alle müssen in diesem Bereich strikter sein, und diese Task Force wird sich dessen annehmen."