Am 27. und 28. Oktober 2008 findet in Kamerun die zweite internationale Konferenz zum Thema "Junge Fussballer in Afrika" statt. Im Mittelpunkt der von der Organisation "Culture Foot Solidaire" veranstalteten Tagung steht der Schutz minderjähriger Fussballer, insbesondere in Afrika.

Für Jean-Claude Mbvoumin ging ein Traum in Erfüllung, den viele Kinder seines Kontinents träumen: Er wurde Profifussballer. Doch bevor es soweit war, musste der frühere kamerunische Nationalspieler mehrere Wechselbäder der Gefühle überstehen. Diese reichten von Momenten höchsten Glücks bis hin zu derben Rückschlägen. Seit dem Ende seiner Profikarriere stellt Mbvoumin seine umfassenden Erfahrungen in den Dienst einer von der FIFA unterstützen Nicht-Regierungsorganisation (NRO) mit dem Namen "Culture Foot Solidaire". Die durch ihn ins Leben gerufene Organisation widmet sich dem Schutz junger Nachwuchsfussballer in Afrika und bietet sowohl Präventivmaßnahmen als auch konkrete Hilfsaktionen an.

Sein Engagement begann, nachdem der Kameruner im Alter von etwa 20 Jahren nach Frankreich gewechselt war. "Aus heutiger Sicht hätte ich mir seinerzeit mehr Unterstützung und eine bessere Beratung gewünscht. Wenn man in ein fremdes Land kommt, sich verletzt, bis an seine Grenzen geht und bei all dem ganz auf sich allein gestellt ist, weil die eigene Familie weit weg ist, dann ist das schon hart. Nicht alle schaffen es, damit fertig zu werden."

Roger Milla, Botschafter der NRO
Anfang des Jahres 2000 kam das Projekt dann endlich in Gang. "Ich suchte die kamerunische Botschaft auf und sah dort diese jungen Leute, die keine gültigen Papiere mehr hatten, weil sie sich mit dubiosen Agenten eingelassen hatten. Mir war sofort klar, dass man da etwas unternehmen muss." Schon bald wurden Vermittler eingeschaltet, um die durch Mbvoumin angeregte Initiative auf den Weg zu bringen. Allen voran Roger Milla, der heute als Botschafter der Organisation tätig ist und auf der zweiten Konferenz zum Thema "Junge Fussballer in Afrika" als Ehrenpräsident zugegen sein wird. "Als die Verantwortlichen von "Culture Foot Solidaire" auf mich zukamen und mich um Hilfe baten, habe ich keine Sekunde lang gezögert. Als ehemaliger Profifussballer vom afrikanischen Kontinent fand ich es unbedingt erforderlich, meinen bescheidenen Beitrag zur Verbesserung der Lage dieser jungen Spieler, die immer öfter in allen Teilen der Welt anzutreffen sind, zu leisten. Das war einfach meine Pflicht. Und es war auch eine Möglichkeit, dem Fussball etwas von dem zurückzugeben, was er mir selbst im Leben geschenkt hat."

In den acht Jahren, die seither vergangen sind, hatte die Organisation Jahr für Jahr mit zahlreichen Problemfällen zu tun. "Wir treffen immer wieder auf neue Probleme. Die wohl größte Gefahr, der die jungen Fussballer heute ausgesetzt sind, ist die Tatsache, dass man sie als eine Art Objekt betrachtet. Der Erfolg von Topspielern wie Samuel Eto'o und Didier Drogba führte dazu, dass immer mehr Kinder und Jugendliche ausgebildet wurden - einzig mit dem Ziel einer späteren profitorientierten Vermarktung." Gerade deshalb engagiert sich "Culture Foot Solidaire" für ein entsprechendes Projekt, das neben den rein sportlichen Kriterien auch soziale Aspekte berücksichtigt. Dabei handelt es sich um eine Initiative, die unter anderem von Aimé Jacquet, dem Schirmherrn der NRO, tatkräftig unterstützt wird. In diesem Zusammenhang sagte der frühere Coach des französischen Nationalteams, "dass die jungen Spieler heute immer mehr Risiken auf sich nehmen, die zu Lasten ihrer Sicherheit und ihrer Schulbildung gehen. Daher besteht das Ziel von "Culture Foot Solidaire" vor allem darin, derartigen Fehlentwicklungen vorzubeugen. Ein Anliegen also, das allseitige Unterstützung verdient."

Soziale Komponente noch wichtiger als die sportlichen Aspekte
Für Mbvoumin steht fest, "dass der aktuelle Trend in die umgekehrte Richtung gelenkt werden muss, weil die Nachwuchsarbeit nicht einzig und allein dem Profit untergeordnet werden darf. Es müssen Regelungen eingeführt werden, die für die Klubs verbindlichen Charakter haben, denn schließlich sind diese auch selbst davon betroffen." Dem Beispiel vom "Haus des jungen Fussballers" folgend, einem kompetenten Zentrum für den Nachwuchsbereich, das jungen Spielern, Trainern und Erziehern, Verbandsfunktionären sowie den Familien des Fussballnachwuchses offen steht und das derzeit in Kamerun als Pilotprojekt getestet wird, wird sich der Schwerpunkt in Zukunft auf soziale Projekte verlagern. Die jungen Fussballer müssen sich darüber bewusst werden, dass die reale Chance auf eine spätere Profikarriere eher gering ist. "Deshalb müssen sie in ein realistisches Projekt eingebunden werden, das ihnen den Weg für einen beruflichen Abschluss ebnet", so Mbvoumin weiter. Wenn das soziale Projekt nicht vor der sportlichen Ausbildung rangiert, ist die Umsetzung der Ziele ernsthaft in Gefahr.

"Culture Foot Solidaire" ist gleichzeitig Veranstalter der internationalen Konferenz zum Thema "Junge Fussballer in Afrika". Nachdem das Symposium vor zwei Jahren in Europa getagt hatte, ist am 27. und 28. Oktober dieses Jahres Kamerun der nächste Gastgeber. An den beiden Konferenztagen werden prominente Experten in Sachen Fussball und zahlreiche Vertreter internationaler Organisation und Einrichtungen über das Thema "Migration und Schutz von Minderjährigen im Fussball" beraten. Gemeinsam werden sie nach geeigneten Lösungen suchen und eine "Resolution zum Schutz der jungen afrikanischen Fussballer" unterzeichnen. Mit besonderem Stolz werden die Teilnehmer der Konferenz darin auf die konkreten Maßnahmen zum Schutz des afrikanischen Fussballnachwuchses und auf eine 'Charta des solidarischen Fussballs' gegen den Menschenhandel und die Ausbeutung von Kindern" verweisen.