Fussball aus aller Welt

Zetuna: "Ohne Fussball könnte ich nicht leben"

Yousuf Zetuna
  • Am Weltkindertag blickt Yousuf Zetuna auf seine Kindheit als Flüchtling zurück
  • Sein Traum: Fussballprofi werden
  • "Ohne Fussball könnte ich nicht leben"

Es gibt Menschen, die spielen Fussball zum Zeitvertreib. Andere jagen mit jedem Spielzug ihrem Traum hinterher, eines Tages Profi zu werden. Für wieder andere, wie Yousuf Zetuna, dient das Spiel mit dem Ball auch dazu, die Härten des Lebens eine Weile zu vergessen.

Zetuna wurde in Irak geboren, musste sein Land jedoch aufgrund von religiösen Konflikten schon in jungen Jahren verlassen. Sein Ziel war die Türkei, und dort entdeckte er in einem Flüchtlingslager, dass die Freude am Fussball größer war als die Trauer darüber, dass er seine Heimat verlassen musste.

"Diese Fussballbegeisterung hatte ich schon als Kleinkind. Mein Papa war Fussballer und Trainer, daher war ich schon immer mit dem Fussball in Kontakt. Als ich mit acht Jahren in die Türkei kam, gab es dort eine kleine Fussballschule für Flüchtlinge. Deshalb habe ich dort viel gespielt. Nach der Schule habe ich meine gesamte Freizeit mit Fussballspielen verbracht."

Damals war es ihm noch nicht voll bewusst, aber rückblickend spielte der Fussball für ihn in dieser Phase der Kindheit eine sehr wichtige Rolle. "Der Fussball ist in Situationen, wie ich sie durchgemacht habe, eine sehr gute Sache. Einem Flüchtlingskind mit vielen Problemen und einer gestressten Familie hilft der Fussball zu vergessen. Denn sonst hängst du vielleicht die ganze Zeit negativen Gedanken nach, und das ist nicht gut."

Stabilität

Der nächste Schritt in seinem Leben führte ihn in die USA, wo seine Familie endlich die ersehnte Stabilität fand. Dort bekamen Yousuf und sein Bruder Yohan auch die Möglichkeit, ihren Traum vom Profifussball weiterzuverfolgen.

Allerdings war es kein leichter Weg. "Es war schwer, sich an das Leben in den USA zu gewöhnen, weil wir ganz andere Werte und Traditionen hatten. Aber im Laufe der Zeit und mit viel Willenskraft haben wir uns in gewisser Weise an die amerikanische Kultur angepasst."

"Als wir dort ankamen, war ich ungefähr zehn Jahre alt. Direkt nach unserer Ankunft begann mein Vater, sich bei Bekannten über Fussballschulen zu erkundigen. Ich habe Probetrainings bei unterschiedlichen Teams gemacht und mit 14 Jahren begann meine Ausbildung im Nachwuchsbereich dann richtig."

Damals nahm sein Leben eine Wende. Ein Onkel, der im mexikanischen Oaxaca lebte, überbrachte per Telefon eine gute Nachricht. "Er wusste, dass mein Bruder und ich Fussball spielten, und als er dann Leute kennenlernte, die für den Klub Alebrijes in der Liga de Ascenso [zweithöchste mexikanische Spielklasse] arbeiteten, bat er sie, uns eine Chance zu geben. Wir haben ein Jahr ohne Vertrag mittrainiert, und dann haben sie uns unter Vertrag genommen."

Das Leben in Mexiko gefällt mir sehr. Ich bin jetzt seit drei Jahren hier, und das ist eine sehr wichtige Phase in meinem Leben. Ich mag die Kultur, die Gebräuche und die Tacos al Pastor.

Yousuf Zetuna

Yousuf Zetuna

Positiver Rückblick

Es folgte der schönste Moment in seiner Fussballgeschichte, der Moment, in dem sich all seine Anstrengungen auszahlten. Es war ein Spiel des mexikanischen Pokalwettbewerbs Copa MX gegen den Erstligisten Deportivo Toluca. "2019 habe ich in der Copa MX gegen Toluca mein Debüt in der ersten Mannschaft gegeben, und damit haben sich alle Anstrengungen ausgezahlt, die ich in meinem Leben unternommen habe. Es waren ungefähr 15.000 Zuschauer im Stadion, der Gegner war ein Erstligist."

Auch bei seinen Eltern in den USA war die Freude groß. Sie wünschen sich für ihre Söhne ebenfalls, dass sie das höchste Niveau erreichen. "Mein Papa war Fussballer, aber nicht sehr lange. Seinerzeit konnte man in Irak vom Fussballspielen nicht leben. Er war vier Jahre lang Profi, und als er dann mit 22 heiratete, gab er den Fussball auf, um sich auf die Arbeit zu konzentrieren und die Familie zu ernähren."

"Alles, was ich über den Fussball weiß, hat mir mein Papa beigebracht. Dass ich immer versuchen soll, glücklich zu sein, um gut zu spielen. Dass ich positiv sein soll. Er hat mir immer viele Ratschläge zu Laufwegen und Aktionen auf dem Spielfeld gegeben. Genau wie wir träumt er davon, dass mein Bruder und ich den Sprung in die erste Liga schaffen. Wenn wir Erfolg haben, freut er sich noch mehr darüber als wir selbst. Das macht ihn sehr glücklich."

Jetzt trainiert er in Mexiko tagtäglich hart, um beim Erstligisten FC Saltillo, der ihn kürzlich unter Vertrag genommen hat, den Durchbruch zu schaffen. Er will damit den Traum verwirklichen, den er schon in Irak geträumt hat und der mit ihm um die ganze Welt gereist ist und in den schwierigsten Momenten seines Lebens eine wichtige Stütze war. "Im Fussball gibt es viele gute und schlechte Dinge. Manchmal, wenn es nicht gut läuft, machst du dir schon Gedanken, aber ohne Fussball könnte ich nicht leben."

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