An diesem Tag vor 49 Jahren...

1.000 Tore: Pelés historischer Treffer

(FIFA.com)
Pele cracks the first thousand
© Getty Images

"Ich gegen den Rest der Welt" - so fühlte sich vor genau 49 Jahren ein argentinischer Torhüter in Brasilien, als er sich um 11:11 Uhr abends einem Elfmeter gegenüber sah. Dabei spielte der Schlussmann an diesem Abend nicht etwa für die Albiceleste gegen die Seleção oder mit einem argentinischen Klub in der Copa Libertadores.

Edgardo Andrada war – zumindest im Normalfall – das Idol der mehr als 65.000 Fans, die regelmäßig ins Maracanã-Stadion pilgerten. Sein Klub Vasco da Gama hatte ein Heimspiel gegen den FC Santos. Zwölf Minuten waren noch zu spielen. Es stand 1:1 im entscheidenden Spiel um den Robertão, einen Vorläufer des Campeonato Brasileiro.

"Der Lärm war ohrenbetäubend!", erinnerte sich Andrada später. "Sogar die Anhänger von Vasco waren in dieser Situation gegen mich!" Verwirrend? Nun, immerhin trat eine lebende Legende zum Elfmeter an.

Es geschah etwas

Es war kein anderer als Pelé, der bereits 999 Karrieretore zu Buche stehen hatte. Darüber trat das Ergebnis des Spiels vollständig in den Hintergrund. Die Zuschauer waren gekommen, um den 33-Jährigen zu sehen, der als erster Spieler in der Geschichte die vierstellige Fabelmarke knacken konnte - und Pelé, trotz seines Alters immer noch pfeilschnell, hatte den Elfmeter sogar noch selbst rausgeholt.

"Die Mehrheit der Zuschauer im Maracanã-Stadion wollte das Tor sehen, aber das heißt nicht, dass die Spieler von Vasco nicht alles getan hätten, um es zu verhindern", so Pelé. "Die haben mir auf den Füßen gestanden und mir ständig erzählt, ich würde kein Tor machen. Aber es sollte so sein. Es musste nur was passieren, damit ich die Gelegenheit bekomme – und es geschah etwas."

Pelé joggte zum Elfmeterpunkt, verzögerte und versuchte schließlich, den Ball mit der rechten Innenseite in die untere linke Ecke zu schießen. Andrada hatte die Ecke auch geahnt und mit einem Sprung in diese Richtung brachte er zwar eine Hand an den Ball, konnte ihn aber nicht halten.

"Ich war zum ersten Mal in meiner Laufbahn richtig nervös", so Pelé weiter. "Andrada war gut drauf. Ich hatte noch nie so viel Druck verspürt. Ich habe gezittert. Aber ich hatte es in der Hand und ... Gooooooool. Was für ein Gefühl! Das Stadion ist regelrecht explodiert."

25 Minuten Unterbrechung

Pelé stürmte danach ins Tor und schnappte sich den Ball. Unzählige Reporter stürmten ebenfalls, nämlich auf den Platz, um seine Reaktion für die Ewigkeit festzuhalten. "Um der Liebe Gottes willen, Leute!", rief ein gerührter Pelé tief emotional. "Nun, da mir alle zuhören: Helft den Kindern, helft den Hilfsbedürftigen! Das ist mein einziger Wunsch an diesem für mich besonderen Abend!"

Einigen Zuschauern gelang es, zu Pelé zu rennen und ihm Vasco-Trikots mit der Zahl 1000 auf dem Rücken zu überreichen. O Rei (der König) zog es über und drehte begleitet von Massen an Menschen eine Ehrenrunde. Immer mit dabei: Der Ball, den er unter Tränen wieder und wieder küsste.

Auch Andrada weinte – untröstlich. "Ich war am Boden zerstört", erklärte der Torhüter, der sich später jedoch damit abgefunden hat, das 1.000 Pelé-Tor kassiert zu haben. "Ich wollte diesen Elfmeter unbedingt halten. Ich wollte einfach nicht als der Torhüter in Erinnerung bleiben."

Es spielten sich derart überwältigende Szenen ab, dass das Spiel für 25 Minuten unterbrochen werden musste. Am Ende gewann Santos mit 2:1. Aber das war eigentlich allen egal. Der 19. November 1969 steht für eines der symbolträchtigsten Tore in der Geschichte des Fussballs

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