Es thront mitten im imposanten Sportkomplex Foro Italico: das Olympiastadion von Rom ist seit 61 Jahren der Austragungsort schlechthin für alle wichtigen Sportereignisse in Italien. Von den Olympischen Spielen 1960 bis zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Italien 1990™ - das Olimpico hat schon alles erlebt. Regelmäßig beheimatet es die Rot-Gelben von AS Rom und die Himmelblauen von Lazio Rom.

Das Foro Italico im Norden Roms liegt am Fuße des Monte Mario. Es beherbergt den Sportkomplex des Olympischen Komitees Italiens (CONI). Neben dem Olimpico befinden sich dort auch das erhabene Stadio dei Marmi mit seinen 64 Statuen aus weißem Carrara-Mamor, die von den italienischen Provinzen beigesteuert wurden, sowie rund 20 Tennisplätze, auf denen alljährlich die offenen italienischen Tennismeisterschaften ausgetragen werden, und die Olympischen Schwimmanlagen.

Es war Benito Mussolini, der den Architekten Enrico del Debbio Ende der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit den Entwürfen für die Fori Mussolini beauftragte - eine gigantische Sportstätte für die körperliche Ertüchtigung in all ihren Formen. Der Clou hätte dabei das Stadion der Zypressen sein sollen, dessen Bau 1932 von Del Debbio begonnen wurde, ehe sein Kompagnon Luigi Moretti ab 1937 den Bau des faschistischen Monumentalbaus fortführte. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Bauarbeiten erneut unterbrochen. Erst 1949 ging es - jetzt auf Betreiben des CONI als Eigentümer der Liegenschaften - unter Leitung von Annibale Vitellozzi mit dem Bau weiter.

Das Stadion hieß jetzt seinem damaligen Fassungsvermögen entsprechend Stadio dei Centomila - Stadion der Hunderttausend. Eingeweiht wurde es am 17. Mai 1953 mit dem Freundschaftsspiel Italien gegen Ungarn und der Ankunft der Etappe von Neapel nach Rom bei der Italienrundfahrt. Offiziell hatte das spätere Olimpico 90.000 Sitzplätze. Zum Olympiastadion wurde es jedoch erst, als der Stadt Rom die Olympischen Spiele 1960 zugesprochen wurden.

Ewige Leidenschaft in der Ewigen Stadt
Wenigstens zwei Mal pro Jahr entflammt und entzweit das Derby AS Rom gegen Lazio Rom die Ewige Stadt – und das ist bisweilen durchaus wörtlich zu nehmen. Der Konflikt zwischen den Fangruppen ist dabei ein nachgerade klassischer: Die Anhänger der Giallorossi kommen eher aus den Arbeitervierteln, die der Biancocelesti eher aus bürgerlichen Gegenden. In der Südkurve mit ihren 8.537 Plätzen stehen die Tifosi der Roma, in der Nordkurve mit ihren 8.576 Plätzen die eingefleischten Fans von Lazio. Doch damit nicht genug: Auch die Tevere-Tribüne sieht sich gewissermaßen als Kurve - was bedeutet, hier treffen die Tifosi der verschiedenen Lager während des Derbys manchmal direkt aufeinander. Zwischenfälle sind da keine Seltenheit.

Im Vorfeld der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Italien 1990™ wurde das Olympiastadion Rom dann umfassenden Umbauarbeiten unterzogen. Beide Kurven sowie eine Tribüne wurden abgerissen und neu errichtet. Das Stadion bekam eine Überdachung, die von einer Stahl-Teflon-Konstruktion getragen wird. Das Fassungsvermögen wurde auf 82.922 Zuschauer reduziert, womit es immer noch das zweitgrößte Stadion Italiens nach dem Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand ist und in Europa auf Platz 14 rangiert. Eine weitere Generalüberholung fand 2009 mit Blick auf das Endspiel der UEFA Champions League statt. Das Olimpico wurde den Sicherheitsbestimmungen entsprechend zum reinen Sitzplatzstadion umgebaut und hat damit jetzt noch 72.698 Plätze. Danach wurde das Olimpico von der UEFA in den Rang eines Fünf-Sterne-Stadions erhoben.

Italiens Nationalmannschaft ist der dritte Stammgast im Olympiastadion, auch wenn in jüngster Zeit Länderspiele verstärkt auch in anderen Städten ausgetragen werden. Ihren ersten Titel holten die Azzurri jedenfalls im Olimpico: Am 10. Juni 1968 gewannen sie das Entscheidungsspiel um die UEFA EURO gegen Jugoslawien mit 2:0. Das erste Finale vor 85.000 Zuschauern hatte 1:1 geendet.

Während der FIFA Fussball-WM 1990 bestritt die Squadra Azzura dann ihre fünf ersten Spiele im Olimpico - und gewann alle: 1:0 gegen Österreich, 1:0 gegen die USA und 2:0 gegen die Tschechoslowakei in der Gruppenphase, 2:0 gegen Uruguay im Achtelfinale und 1:0 gegen die Republik Irland im Viertelfinale. Das Halbfinale gegen Argentinien mit Diego Maradona fand "auswärts" in Neapel statt - und ging prompt im Elfmeterschießen verloren. Wenn zum 60. Geburtstag der UEFA-Europameisterschaft das Turnier in mehreren Ländern auf dem ganzen Kontinent ausgetragen wird, finden im Olimpico drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale statt.

Der Papst und die Popstars
Auf Vereinsebene war das Olympiastadion von Rom Austragungsort von vier Endspielen des Europapokals der Landesmeister bzw. der UEFA Champions League. AS Rom unterlag dabei am 30. Mai 1984 gegen den FC Liverpool und seinen Weltklassetorhüter Bruce Grobbelaar mit 3:5 im Elfmeterschießen. Zwölf Jahre später profitierte Juventus Turin vom Heimvorteil durch die Tifosi und gewann seinerseits im Elfmeterschießen mit 4:2 gegen Ajax Amsterdam.

Das erhabene Stadion ist inzwischen auch Heimstätte der Rugby-Nationalmannschaft. Zuvor spielte diese im Stadio Flaminio, seit der Teilnahme am Sechs-Nationen-Turnier jedoch ebenfalls im Olimpico.

Doch das Olympiastadion in Rom ist nicht nur ein "profaner" Fussballtempel. Im Jahr 2000 fand dort vor vollem Haus eine Aufführung der Oper Tosca von Giacomo Puccini statt. Papst Johannes-Paul II. hielt eine Messe im Olimpico ab. U2 machten auf der Vertigo-Tour 2005 in Roms Olympiastadion Station halt, ebenso die Rolling Stones am 6. Juli 2007 und Pop-Königin Madonna.

Auch mit 60 Jahren gehört Roms Olimpico eben noch lange nicht zum alten Eisen. Auf Künstler wie auf Tifosi übt es auch weiterhin eine geradezu magische Anziehungskraft aus.