Markus Babbel feierte als Spieler im Trikot von Bayern München, dem VfB Stuttgart und dem FC Liverpool große Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene. Mit der deutschen Nationalmannschaft sorgte der ehemalige Weltklasse-Innenverteidiger 1996 bei der UEFA EURO in England für den bislang letzten großen Titel der DFB-Auswahl.

Mittlerweile hat der 39-Jährige die Fronten gewechselt und arbeitet als Trainer. Nach Stationen in Stuttgart und bei Hertha BSC Berlin ist der gebürtige Münchener seit Februar diesen Jahres für die Geschicke von 1899 Hoffenheim verantwortlich.

FIFA.com erreichte den 51-maligen Nationalspieler in Füssen, wo die Kraichgauer als erstes Bundesliga-Team die Vorbereitung auf die neue Saison eingeläutet haben. Babbel sprach mit uns über seine Ziele mit Hoffenheim, seine Vorliebe für Tattoos und die UEFA EURO 2012, bei der er Deutschland den Titelgewinn zutraut und sich ein Finale gegen Spanien wünscht.

Herr Babbel, als erstes Bundesliga-Team ist 1899 Hoffenheim in die Vorbereitung auf die neue Saison gestartet. Warum haben Sie Ihren Spielern nur einen solch kurzen Urlaub gegönnt?
Die Jungs tun mir leid. Leider hatten sie nur fünf Wochen Urlaub (lacht). Spaß beiseite, die Planungen der Vorbereitung auf die neue Spielzeit waren schon länger abgeschlossen, diese habe ich von meinem Vorgänger übernommen. Außerdem denke ich, dass den Spielern zu viel Urlaub auch nicht gut tut. Ich persönlich habe mich nach langen Pausen immer sehr schwergetan, wieder in Tritt zu kommen, deshalb erachte ich es als sehr sinnvoll, wieder frühzeitig ins Training einzusteigen.

Nach dem Aufstieg 2008 und der tollen Hinrunde in der ersten Saison im Oberhaus mit dem Gewinn der "Herbstmeisterschaft" stagnierten die Leistungen Hoffenheims. Wie sehen die Ziele in der neuen Saison aus?
Schlussendlich zählen nur Siege, und von denen möchten wir so viele wie möglich einfahren, um mit den Abstiegsrängen nichts zu tun zu haben. Vor allem zu Hause müssen wir erfolgreicher agieren, um unseren Fans etwas zu bieten. Wir werden einen Schritt nach dem anderen machen, aber je schneller wir dieses erste Ziel verwirklichen können, umso eher sind wir in der Lage, auch die oberen Tabellenplätze anzugreifen.

Um dies zu erreichen hat Hoffenheim noch einmal investiert und einige neue Spieler verpflichtet, darunter Deutschlands Nationaltorwart Tim Wiese und der Schweizer Internationale Eren Derdiyok. Was erhoffen Sie sich speziell von diesen beiden Neuzugängen?
Das ist ganz einfach. Sie sollen das zeigen, was sie können. Tim Wiese ist der zweitbeste Torwart Deutschlands, bringt unheimlich viel internationale Erfahrung mit und ist es gewohnt, oben mitzuspielen. Ihn zeichnet seine hohe Motivation aus, die er hoffentlich auf den Rest des Teams übertragen kann. Er hat diese Fähigkeit, seine Mitspieler zu "pushen". Bei Eren Derdiyok erhoffe ich mir, dass er sein riesiges Potenzial abrufen kann und sich in den Dienst der Mannschaft stellt. Natürlich wird er auch an seinen Toren gemessen. Ich als Trainer und alle Verantwortlichen im Klub haben großes Vertrauen in Tim und Eren.

Erstmals sind Sie in einer Doppelfunktion als Trainer-Manager angestellt. Welche neuen Herausforderungen bringt diese Rolle mit?
Es hat mich natürlich stolz gemacht, dass mir der Verein das Vertrauen geschenkt hat, diese beiden Positionen auszufüllen. Natürlich fühle ich mich mehr als Trainer, weniger als Manager, aber genau deshalb habe ich ein Team um mich herum, auf das ich mich zu 100 Prozent verlassen kann. Sie erledigen die Arbeit im Hintergrund und unterstützen mich damit unheimlich, so dass meine volle Konzentration der Arbeit mit der Mannschaft gilt. Und falls ich doch einmal einen Termin als Manager habe, springen meine Co-Trainer auf dem Platz für mich ein.

Sie sind dafür bekannt, dass Sie die Wappen Ihrer bisherigen Vereine als Tattoo auf Ihrem rechten Oberarm tragen. Gibt es schon einen Termin beim Tätowierer für das Logo Hoffenheims?
Das mache ich, wenn ich den passenden Zeitpunkt finde. Bislang kam es noch nicht dazu. Der Tätowierer meines Vertrauens war während der Sommerpause leider nicht verfügbar, so dass das Tattoo von 1899 Hoffenheim noch ein wenig warten muss. Aber es ist ja auch keine Eile geboten, denn ich habe vor, länger hier zu bleiben.

Ihre Tattoos erinnern Sie an eine sehr erfolgreiche Karriere mit vielen Titeln. Als Trainer konnten Sie bislang noch keine Trophäe gewinnen. Wie sehr fehlen Ihnen die großen Erfolge, die Sie als Spieler gefeiert haben?
Nun ja, Meister der 2. Liga bin ich ja schon mit Hertha BSC Berlin geworden. Das ist doch ein Anfang. Ich denke, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass ich mit meinen 39 Jahren noch keine großen Erfolge als Trainer gefeiert habe. Ich stehe ja erst am Beginn dieser Karriere. Man muss sich Titel erarbeiten, und das ist ganz klar mein Ziel. Deshalb arbeite ich jeden Tag mit meiner Mannschaft. Ich habe hier in Hoffenheim tolle Bedingungen, und diese tragen entscheidend dazu bei, dass ich Spaß an dieser Aufgabe habe. Das ist noch viel wichtiger, als Titel zu gewinnen. Aber den Ehrgeiz, weiterhin Trophäen zu sammeln, habe ich natürlich.

Während Ihrer Laufbahn waren Sie unter sehr erfahrenen Trainern aktiv. Von welchem Coach haben Sie am meisten für Ihre Arbeit an der Seitenlinie gelernt?
Ich hatte das Glück, dass ich mit sehr erfahrenen Trainern zusammenarbeiten durfte. Natürlich prägen einen solche Menschen wie Giovanni Trapattoni, Ottmar Hitzfeld oder Matthias Sammer. Auch in der Jugend bei Bayern München habe ich viel von meinen damaligen Coaches mitgenommen. Ich denke, dass es eine Mischung von allen ist, die mich zum Trainer reifen lässt.

Sie selbst waren ein beinharter Innenverteidiger während Ihrer aktiven Zeit. Wie hat sich diese Position in den vergangenen Jahren verändert? Welche Anforderungen muss man heute dafür mitbringen?
Heutzutage ist der Innenverteidiger der erste Spielmacher. Er baut das Spiel von hinten auf, muss dafür technisch sehr stark sein und das Auge für die jeweilige Situation besitzen. Zudem muss er in der Lage sein, sowohl kurze als auch lange Pässe spielen zu können. Zweikampfstärke und Schnelligkeit komplettieren die Attribute, die man mitbringen muss. In der deutschen Nationalmannschaft sehen wir gerade, wie wichtig Akteure wie Mats Hummels und Holger Badstuber sein können.

Wie schätzen Sie die Leistungen der deutschen Mannschaft bei der UEFA EURO 2012 allgemein bislang ein?
Abgesehen von Hummels und Badstuber, die beide im Verbund mit Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger hervorragend harmonieren, spielt auch der Rest des Teams eine tolle EM. Die DFB-Auswahl hat definitiv das Potenzial, die EM zu gewinnen. Das haben auch die anderen Nationen erkannt, die Angst vor uns haben und sehr defensiv gegen die DFB-Elf agieren. Mein Traumfinale wäre definitiv Deutschland gegen Spanien, und ich bin überzeugt davon, dass das DFB-Team es packen kann, gegen den Welt- und Europameister zu siegen. Joachim Löws Mannschaft macht in meinen Augen den frischeren Eindruck. Spanien hingegen fehlt ein wenig die Gier auf den Erfolg.

Vor einem möglichen Endspiel steht das Halbfinale gegen Italien an. Bei der FIFA WM 2006™ behielt das italienische Team zuletzt die Oberhand, und die Statistik spricht ebenfalls klar für die Squadra Azzurra. Was erwarten Sie von dieser Partie?
Ich hätte mir England als Gegner gewünscht. Einerseits, weil ich selbst viele Jahre in der Premier League aktiv war, zum anderen, weil ich denke, dass uns England besser gelegen hätte. Italien ist schwer einzuschätzen. Mit Antonio Cassano und Mario Ballotelli bringt das Team zwei Spieler mit großer Qualität mit, die jedoch auch sehr extravagant sind und manchem Trainer die Haare zu Berge stehen lassen. Das italienische Team kann jeder großen Mannschaft zu jedem Zeitpunkt gefährlich werden.