Schon der Beiname 'New Firm' verrät Einiges über das Kopenhagener Derby. Wie beim Glasgower 'Old-Firm-Derby', von dem Dänemarks größtes Duell seinen Beinamen ableitet, dominieren auch die hier betroffenen Vereine, Brøndby und der FC Kopenhagen, nicht nur den Fussball in ihrem Land, sondern pflegen auch eine innige gegenseitige und mitunter gewalttätige Feindschaft.

Das Wort 'New' verrät, dass sich dieses Derby noch nicht derselben tief verwurzelten Tradition wie das schottische Duell rühmen kann. Celtic Glasgow und die Rangers hatten sich bereits seit mehr als einem Jahrhundert bekämpft, als die beiden dänischen Vereine erstmals aufeinander trafen, und doch hat die kurze Geschichte des Derbys, wie FIFA.com herausfand, bereits einige faszinierende Details aufzuweisen.

Der Beginn
Geburtsstunde der Rivalität war der 1. Juli 1992, als die Landschaft des dänischen Vereinsfussballs durch eine historische Fusion für immer verändert wurde. Damals war Brøndby der dominierende Verein im Land, hatte im Jahr zuvor nur ganz knapp das Endspiel im UEFA-Pokal verpasst und mehrere Schlüsselspieler für Dänemarks Nationalmannschaft abgestellt, die in diesem Jahr den Europameistertitel ins Land holte.

Hinter den Kulissen jedoch war der Verein durch den umstrittenen Kauf einer Bank in arge Schieflage geraten. Damit waren die Voraussetzungen gegeben, seine Vormachtstellung anzugreifen. Dies erfolgte dann in der Tat durch die Fusion zweier ehemaliger Landesmeister, KB und B1903, unter der neuen Fahne des FC Kopenhagen. Es war klar, dass sich der neue Verein nicht mit Mittelmaß zufrieden geben würde. Allein KB war und ist mit 15 Landesmeistertiteln der erfolgreichste Verein in der Geschichte Dänemarks, wenngleich sein Stern im Sinken begriffen war, wenn man bedenkt, dass bis auf drei Titel alle anderen Meisterschaften vor 1953 gewonnen wurden.

Brøndby war trotzdem besorgt, dass alte erfolgreiche Zeiten wieder aufleben würden, und das Unbehagen wurde noch stärker, als man erfuhr, dass der Neuling die Erlaubnis erhalten hatte, seine Heimspiele im neu errichteten Nationalstadion auszutragen, mitten im Herzen von Kopenhagen. Wie man heute weiß, waren die Sorgen berechtigt.

Zahlen und Fakten
Sehr zum Leidwesen von Brøndby sprechen die Zahlen für sich. Seit der verhängnisvollen Fusion im Jahr 1992 hat der FC Kopenhagen neun Meistertitel geholt, Brøndby jedoch nur fünf. In den letzten Jahren ist die Vorherrschaft des neuen Vereins noch ausgeprägter geworden, denn Brøndby hat seinen letzten Titel vor mehr als sechs Jahren geholt. Auch die Bilanz der Derbys spricht mit 35:28 Siegen klar für den FC Kopenhagen. In das nächste Derby am Sonntag geht Brøndby darüber hinaus mit einer schwarzen Serie von acht Duellen ohne Sieg, während der FC Kobenhagen seit August 2008 nicht mehr verloren hat. Die jüngste Bilanz spricht mit sechs Siegen und zwei Unentschieden klar für den FC Kopenhagen.

Das erste Duell zwischen den dänischen Rivalen fand am 9. September 1992 im Brøndby-Stadion statt und endete mit einem 1:1-Unentschieden. Das Rückspiel im folgenden Monat im brandneuen 38.000 Zuschauer fassenden Parken bot dann jedoch einen Vorgeschmack auf das, was folgen würde. Der FC Kopenhagen siegte mühelos mit 2:0 und holte in seiner allerersten Saison auf Anhieb den Titel.

Dann bedrohte eine wahre Schuldenspirale Brøndbys Existenz, bis es mit einem Rettungsplan gelang, den Verein über Wasser zu halten. Es folgte ein denkwürdiges Comeback Mitte der 90er Jahre. Unter Ebbe Skovdahl gab es eine Phase der Dominanz des Vereins aus der Vorstadt, als Brøndby von 1996 bis 1998 drei Mal in Folge die Landesmeisterschaft gewann und im UEFA-Pokal sogar einen denkwürdigen Sieg gegen den FC Liverpool einfuhr. Auch fünf Derbysiege in Folge zwischen Mai 1996 und Juli 1997 schienen ein weiterer Beleg dafür zu sein, dass die alte Hackordnung wieder hergestellt war. Bald jedoch sollte sich das Kräfteverhältnis erneut und entscheidend verändern.

Nach dem dritten Meistertitel in Folge, also seit 1998, holte Brøndby nur noch zwei Mal die dänische Meisterschaft und stand dem unaufhaltsamen Aufstieg des Rivalen aus dem Zentrum der Stadt machtlos gegenüber. Auch wenn er nur kurze Zeit im Amt war, läutete Roy Hodgsons Engagement im Parken im Jahr 2000 den Beginn einer neuen Ära für den FC Kopenhagen ein, der damals die dänische Meisterschaft in beeindruckender Manier holte. So brachte man die Meisterschaft nicht nur mit einem 3:1-Sieg gegen Brøndby selbst unter Dach und Fach, sondern Sibusiso Zuma, südafrikanischer Mittelstürmer des FC Kopenhagen, erzielte dabei mit einem spektakulären Fallrückzieher einen Treffer, der später zum Tor des Jahrzehnts in Dänemark gewählt werden sollte.

Die folgende Saison endete mit einer Enttäuschung für Kopenhagen, das einen Zehnpunktevorsprung verspielte und am Ende aufgrund der schlechteren Tordifferenz dem Rivalen den Vortritt lassen musste. Doch bereits in der folgenden Spielzeit gelang die Revanche. Beim Stand von 0:0 gegen Brøndby in einer Partie, die man unbedingt gewinnen musste, erzielte in der 92. Minute der junge Hjalte Nørregaard seinen ersten Treffer und das Siegtor. Die Meisterschaft gewann das Team dann eine Woche später. Obwohl Brøndby immer wieder vereinzelte Triumphe feiern konnte, etwa beim 5:0-Rekordsieg im 'New-Firm-Derby' im Mai 2005, hat man sich doch an die bittere Realität gewöhnt, im Schatten des großen Nachbarn zu stehen.

Anekdoten und Sprüche
Obwohl die beiden Vereine nur 19 Jahre gemeinsame Geschichte teilen, haben sie doch sehr unterschiedliche Identitäten entwickelt. Während Brøndby der Verein der Arbeiter aus der Vorstadt ist, gibt sich der FC Kopenhagen als Klub der Geschäftsleute und Freiberufler aus der Innenstadt. Leider hat mit der Rivalität auch die Gewaltbereitschaft zwischen den Fans zugenommen. So haben unschöne Vorfälle innerhalb und außerhalb der Stadien die Behörden mittlerweile dazu bewogen, den Fans beim Kauf der Derby-Tickets die Fingerabdrücke abzunehmen.

Auf dem Spielfeld dominiert weiterhin der FC Kopenhagen. Nachdem der Klub in den letzten elf Spielzeiten acht Mal den Titel geholt hat, konnte Kopenhagen auch erstmals in Europa für Aufsehen sorgen. So schaffte man in der vergangenen Saison als erster dänischer Verein die Qualifikation in der Gruppenphase der UEFA Champions League. Den Titel in der dänischen Superliga 2010/11 holte Kopenhagen mühelos bereits sieben Spieltage vor dem Ende und auch der bisherige Saisonverlauf spricht für die vierte Meisterschaft in Folge.

Nach nur neun Partien der Saison 2011/12 liegt Brøndby bereits 16 Punkte hinter dem noch ungeschlagenen Stadtrivalen. Der FC Kopenhagen geht in das Derby am Sonntag als Tabellenführer und amtierender Meister und mit der Zuversicht, die Heimkulisse schnell zum Verstummen zu bringen und die eigene Position als Dominator des 'New-Firm-Derbys' weiter zu zementieren.