Wenn Torhüter zu Torjägern werden, dann steigt bei Fans, Spielern und Trainern der Puls. Denn solche Vorstöße in gegnerische Strafräume sind meist unvorhersehbar. Kann der Goalie passen, schießen oder gar köpfen?

Normalerweise ist der letzte Mann ja zum "Tore verhindern" da. Er soll Schüsse und Flanken abwehren. Doch es gibt auch solche, die selbst auf Torejagd gehen bzw. gingen. Die drei torgefährlichsten Torhüter der Welt kommen aus Südamerika.

Unvergessener Chilavert-Hattrick
Allen voran steht Josè Luis Chilavert aus Paraguay. Der 43-Jährige führte die Albirroja bei der FIFA WM 1998  ins Achtelfinale. Er wurde damals zum besten Torhüter des Turniers gewählt, und die Bilder, wie er nach Spielende seine niedergeschlagenen Mitspieler aufrichtete, gingen um die Welt.

"Ich habe eine Menge Dinge im Fussball getan, aber auf eines bin ich besonders stolz. Darauf nämlich, dass ich das Image des Torhüters verändert habe. Wir waren bis dahin immer die Deppen des Spiels, nur in unserem Tor wartend und jedes Mal hart kritisiert, wenn wir einen Fehler machten. Doch das haben wir geändert. Wir haben gezeigt, dass wir mehr machen und das Spiel selbst entscheiden können", sagte er im Gespräch mit FIFA.com

2003 beendete er seine Karriere nach über 60 Toren - eines bleibt ihm sicherlich besonders in Erinnerung. 1999 erzielte er in einem Liga-Spiel einen Hattrick.

Higuitas "Skorpion-Kick"
Ein weiterer toreschießender Keeper ist Renè Higuita. Dem Kolumbianer, der von 1987 bis 1999 für die Nationalmannschaft spielte, gelang 1995 auch die wohl spektakulärste Torwartparade aller Zeiten - der "Skorpion-Kick". Statt einen Fernschuss mit den Händen aufzufangen, ließ er sich nach vorne fallen und parierte den Ball auf der Torlinie kopfüber mit beiden Hacken.

"Einige Menschen sagen, dass man ein wenig verrückt sein muss, um ein guter Torhüter zu werden. Sie sagen, dass das Risiko zu groß ist, wenn Torhüter Freistöße oder so was schießen, aber die Zeiten haben sich geändert. Heutzutage werden wir immer wichtiger. Wir sind nicht nur mehr dazu da, um Paraden zu machen, sonder wir machen auch etwas für den Angriff", so El Loco zu FIFA.com.

Doch wer glaubt, dass einer von diesen beiden wohl bekanntesten südamerikanischen Torhütern die meisten Treffer erzielte, liegt falsch. Diese Ehre gebührt Rogério Ceni. Der 35-jährige Brasilianer erzielte bisher in offiziellen Spielen mehr als 80 Tore und gilt als der torgefährlichste Torhüter der Welt. Mit São Paulo gewann er dreimal die Copa Libertadores und wurde 2005 FIFA Klub-Weltmeister in Japan. Damals wurde er als wertvollster Spieler des Turniers ausgezeichnet.

Lehmann trifft per Kopf
Neben Freistößen zeichnete Ceni auch für Strafstöße verantwortlich. Genau von dieser Entfernung gibt es auch einen "Spezialisten" in Deutschland. Hans-Jörg Butt erzielte in 324 Bundesliga-Partien 26 Elfmetertore und ist damit der torgefährlichste Torwart der Bundesliga-Geschichte. Über den Hamburger SV, Bayer Leverkusen, Benfica Lissabon steht der 34-Jährige inzwischen als Ersatztorhüter bei Bayern München unter Vertrag.

Wie nah Treffer und Gegentreffer beieinander liegen musste Butt im April 2004 gegen Schalke 04 erfahren. In der 76. Minute erzielte er per Strafstoß das 3:1 und ließ sich auf dem rund 100 Meter langen Rückweg in seinen Kasten ausgiebig feiern. Er war noch nicht ganz zurück, da flog der Ball bereits über ihn hinweg ins Netz fliegen. Schalkes Mike Hanke hatte den Ball direkt vom Anstoß aus ins Tor geschossen.

Dass Torhüter aus dem Spiel heraus Tore erzielen, kommt eher selten vor, doch der ehemalige Torhüter der deutschen Nationalmannschaft Jens Lehmann schaffte es - so geschehen im Dezember 1997, als er im Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 in der 90. Minute den 2:2-Ausgleich für die Königsblauen köpfte. Auch andere schafften dies. Erst vor wenigen Tagen traf Eduardo Martini in Brasiliens zweiter Liga mit einem Abschlag aus der Hand aus rund 100 Metern Entfernung.

Mitspielende Torhüter sind in den letzten Jahrzehnten mehr denn je gefragt, spätestens seit der Einführung der Rückpassregel. Edwin van der Sar, selbst einmaliger Torschütze und Niederlandes Rekordnationalspieler, gehört zu den ballgewandtesten seiner Zunft. Er versteht es perfekt, als Libero zu fungieren. Vorbei die Zeiten also, als die Abwehrspieler noch zittern mussten, wenn sie den Ball zurück zu ihrem Torwart spielten.