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Williamson: Rückspiel wird Schwerstarbeit

Kenya's national football team
© AFP

In einer Zeit, da sich das Trainerkarussell bei afrikanischen Nationalmannschaften immer schneller zu drehen scheint, sitzt Bobby Williamson erfreulich fest im Sattel.

Bevor Williamson 2008 Nationaltrainer von Uganda wurde, hatte das Land vier Trainer in vier Jahren verschlissen. Seine Berufung stoppte das muntere Wechselspiel. Williamson betreute die ugandische Nationalmannschaft viereinhalb Jahre lang. Sein Gastspiel bei den Kranichen endete im April 2013. Nur zwei Monate später übernahm er den kenianischen Klub Gor Mahia und führte ihn prompt zum ersten Meistertitel nach 18 Jahren. Als Kenias Nationaltrainer Adel Amrouche im August 2014 nach einem 0:1 in der Addition gegen Lesotho in der Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal gehen musste, trat der Verband an Williamson heran und bot ihm den Posten an.

Der ehemalige Stürmer, der bei den Glasgow Rangers und West Bromwich Albion aktiv war, hofft jetzt auf eine ähnlich erfolgreiche und lange Zeit bei den Harambee Stars wie zuvor in Uganda. "Ich glaube, einer der Gründe für meinen Erfolg mit Uganda war, dass ich sehr auf einheimische Trainer gesetzt habe. Denn die kennen die Spieler. Es wäre verrückt, nicht mit ihnen zusammen zu arbeiten. Dasselbe habe ich mit Kenia versucht. So ist mein Assistenztrainer bei der dortigen Nationalmannschaft Musa Otieno, der in Kenia und in Südafrika auf höchstem Niveau gespielt hat. Er kennt den Fussball in- und auswendig und hilft mir sehr."

Williamson führte das ostafrikanische Land mit einem 5:2 im Gesamtresultat gegen Mauritius souverän in die zweite Runde der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™. In der zweiten Runde gewannen die Harambee Stars das Hinspiel daheim mit 1:0 gegen Kap Verde. Können sie diesen knappen Vorsprung auch im Rückspiel am heutigen Dienstag behaupten, ziehen sie als eine von 20 Mannschaften in die Gruppenphase ein. In der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste rangieren die Insulaner aktuell 32 Plätze vor Kenia. Kein Wunder also, dass Williamson seine Mannschaft in der Außenseiterrolle sieht. "Natürlich sind wir die Außenseiter. Kap Verde hat zuletzt zwei Mal die Endrunde des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals erreicht und in beiden Turnieren nur einmal verloren. Kenia hat sich nach 1994 nur noch ein Mal qualifiziert und das ist auch schon wieder elf Jahre her. Also haben wir Schwerstarbeit vor uns, wenn wir die Gruppenphase erreichen wollen. Aber natürlich sind wir nicht chancenlos."

Mischung aus Jugend und Erfahrung
Das zeigte letztlich schon das Hinspiel, als Kenia die Weltrangliste Lügen strafte und dank eines Treffers von Michael Olunga schon in der neunten Minute gewann. Der 19-Jährige gehört zu einer ganzen Reihe von Talenten, die Williamson in die Nationalmannschaft beordert hat. "Wir haben eine Handvoll junger Spieler, die Kenia weiterbringen können. Ich habe sie ins kalte Wasser geworfen und sie haben sich zum Glück der Aufgabe gewachsen gezeigt. Ich bin eng an den jungen Spielern dran. Die WM-Qualifikation kann man von ihnen vielleicht noch nicht erwarten, aber ich will die Mannschaft weiterentwickeln", erklärt Williamson. "Aber natürlich wollen unsere Fans die Qualifikation möglichst schon jetzt und natürlich würden wir gern in Russland dabei sein."

Williamson hat es geschafft, aus Talenten wie Olunga und Routiniers wie Victor Wanyama, der Stammspieler beim FC Southampton in der Premier League ist, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen. "Wanyama und die andere erfahrenen Akteure lieben es, für Kenia zu spielen. Sie kommen gern nach Hause und sind dann immer hoch motiviert."

Was Afrikas Rolle im Weltfussball angeht, zeigt sich der Mann aus Glasgow überhaupt zuversichtlich. "Was wir brauchen, ist Kontinuität", meint er. "Das ist sehr wichtig. In Uganda habe ich Zeit bekommen – aber nur, weil wir das CECAFA-Turnier gewonnen haben und Verbesserungen zu sehen waren. Bei der WM hatte Afrika schlicht Pech. Ich glaube, einige Mannschaften waren wirklich zu bedauern. Nehmen Sie nur mal die Leistung von Ghana 2010. So knapp vor dem Halbfinale zu scheitern. Ein Elfmeter hat gefehlt."

Aber Williamson ist natürlich auch so ehrlich zu sagen: "Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die dazu beitragen, dass Afrika sein Potenzial nicht ausschöpfen kann. Verwaltungsprobleme sind einer davon. Wenn diese Probleme gelöst werden, können afrikanische Mannschaften auch um den Titel mitspielen. Was die Fähigkeiten angeht, kann ihnen sowieso schon jetzt niemand das Wasser reichen."

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