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Der Tiger brüllt wieder

Radamel Falcao Garcia of Colombia reacts after missing a chance to score
© Getty Images
  • Kolumbien trifft am vorletzten Doppelspieltag der WM-Qualifikation auf Venezuela und Brasilien
  • Zweitplatzierter der Südamerika-Quali kann entscheidenden Schritt in Richtung Russland 2018 tun
  • Falcao, Rekordtorschütze der Cafeteros, geht in Hochform in die Partien

Der Tiger brüllt lauter als je zuvor. Radamel Falcao ist letzte Saison zum Kapitän und Führungsspieler des AS Monaco avanciert, einem Team der Stunde. Zu Beginn der neuen Saison hat er nun gezeigt, dass seine Topleistungen keine Eintagsfliege waren. Der Tiger ist wieder da und präsentiert sich besser als je zuvor.

Der kolumbianische Stürmer spricht mit FIFA.com über seine aktuelle Hochphase und die Rückkehr zu alter Stärke nach seiner schweren Knieverletzung im Jahr 2014. Außerdem geht es im Vorfeld der beiden wichtigen Duelle der Südamerika-Qualifikation gegen Venezuela und Brasilien um sein großes Ziel: "Ich möchte mir meinen Traum erfüllen und mit Kolumbien eine WM bestreiten".

Radamel, nach der hervorragenden letzten Saison *haben Sie für Ihr Team bereits sieben Tore in fünf Spielen erzielt. Wie gehen Sie diese neue Saison an, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehende WM? *Die letzte Saison bei Monaco war sehr positiv. Die gesteckten Ziele wurden erreicht. Das ist ein großer Ansporn für die aktuelle Saison, in die ich sehr hoffnungsvoll gestartet bin – insbesondere, da auch noch die WM vor der Tür steht. Wir haben zwar einige Spieler verloren, aber unsere Leistungen sind beständig geblieben. Was mich persönlich betrifft, so fühle ich mich immer besser. Ich hoffe, dass ich in der Nationalmannschaft ebenso gute Leistungen zeigen kann.

*Welchen Faktoren haben Sie diese erneute Hochform zu verdanken? Sehen Sie sich auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere? *Ich habe jeden Tag hart gearbeitet und gewusst, dass ich immer noch Spielraum für Verbesserungen habe und Neues dazulernen kann. Dadurch habe ich mich als Spieler weiterentwickelt. Hinzu kommt, dass ich mittlerweile über Erfahrung verfüge und dadurch bessere Entscheidungen treffen kann.

All dies hat mir geholfen, mich zu einer besseren, kompletteren Version von Falcao zu entwickeln. Jetzt steuere ich nicht nur Tore bei, sondern gestalte auch das Spiel mit und bringe in entscheidenden Momenten meine Erfahrung ein.

Ich fühle mich sehr gut und bin zuversichtlich, da ich weiß, dass ich körperlich fit bin und es auf einen sehr guten Toreschnitt pro Spiel bringe. Dadurch kann ich ruhig arbeiten und bin überzeugt davon, dass es in Zukunft gut laufen wird.

*Eine schwere Verletzung hat Ihre Teilnahme an der WM 2014 in Brasilien verhindert. Von diesem Tiefpunkt bis hierher war es ein weiter Weg. Womit haben Sie sich in den schwierigsten Augenblicken über Wasser gehalten? *Manchmal wäre es am einfachsten gewesen, das Ganze abzuhaken und über andere Dinge nachzudenken. Aber ich habe immer fest daran geglaubt, dass ich gut bin und nur eine Chance brauche, wieder regelmäßig zu spielen, damit ich wieder auf einen grünen Zweig komme. Das wollte ich unbedingt zeigen. Meine Familie war mir auch eine große Stütze. Meine Frau hat mir wieder auf die Sprünge geholfen, wenn sie gesehen hat, dass ich mutlos wurde, und meine Töchter haben mir zusätzlich Kraft gegeben.

*Ist die WM in Russland die Gelegenheit, von der Sie geträumt haben, nachdem Sie in Brasilien nicht dabei sein konnten? *Es wäre wunderbar, dabei sein zu können. Ich habe so viele Jahre dafür gearbeitet und gekämpft ... und jetzt sind wir ganz nah dran. Wenn wir mit dem Nationalteam an den beiden nächsten Spieltagen gute Ergebnisse erzielen, sind wir Russland einen großen Schritt nähergekommen. Ich hoffe, dass ich mir meinen Traum erfüllen und mit Kolumbien eine WM bestreiten kann. 

*Vier Spieltage vor Schluss der Qualifikation gilt es für Ihr Team, in den Spielen gegen Venezuela und Brasilien den zweiten Platz zu verteidigen. Wie schätzen Sie die beiden Gegner ein? *Venezuela hat es uns immer schwer gemacht. Wir müssen diese Partie mit derselben Einstellung angehen wie die Venezolaner. Sie sehen in der Begegnung ein Derby und das müssen wir auch tun – ein Derby, das wir gewinnen müssen. Das wird nicht leicht werden. Sie sind zwar schon ausgeschieden, aber sie werden ihren Fans eine Freude machen wollen. Für Brasilien wird es um die Ehre gehen, auch wenn die Qualifikation schon in trockenen Tüchern ist. Die Brasilianer wollen Punkte sammeln und den ersten Platz perfekt machen.

*Argentinien befindet sich derzeit auf dem Playoff-Platz. Können Sie sich eine WM ohne die Argentinier vorstellen? *Sie haben eine hervorragende Mannschaft, aber die Südamerika-Qualifikation ist hart umkämpft und jedes Spiel ist schwer. Die meisten Teams haben rechnerisch noch Chancen, und die endgültige Entscheidung wird erst ganz zum Schluss fallen. Die beiden nächsten Spiele sind ganz wichtig für die Argentinier. Natürlich können sie sich noch qualifizieren. Es wäre schade, eine WM ohne Leo Messi und Argentinien bestreiten zu müssen, aber im Fussball kann alles passieren.

*In den letzten acht WM-Qualifikationsspielen hat kein einziger kolumbianischer Stürmer ein Tor erzielt. Bereitet Ihnen das Sorge? *Ehrlich gesagt haben wir im Team gar nicht darüber gesprochen. Natürlich wären wir entspannter, wenn die Stürmer die Tore erzielen würden, aber wir wissen auch, dass wir Punkte brauchen, um bei der WM dabei zu sein. Wer die Tore erzielt, ist letztlich unerheblich. Ich hoffe, dass wir Stürmer an den nächsten Spieltagen Treffer erzielen und Kolumbien Punkte einbringen können.

*Falls Kolumbien sich qualifiziert, wird in Russland ein ganz anderes Team antreten als bei der letzten WM. Wie bewerten Sie die Verjüngung der Mannschaft, die José Pekerman gerade umsetzt? *Im letzten Qualifikationswettbewerb standen Pekerman Spieler zur Verfügung, die unbedingt bei einer WM dabei sein wollten und schon recht viel Erfahrung hatten. Er hat aus ihnen eine Mannschaft geformt und uns nach Brasilien gebracht. Mittlerweile haben sich junge Spieler einen Platz im Team erobert und entwickeln sich dank ihm weiter. Pekerman macht seine Sache sehr gut und vollzieht einen Generationswechsel, der uns hoffentlich zu einem Startplatz in Russland verhilft.

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