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Mballe: "Der Fussball spielte eine große Rolle bei meiner Integration"

Gerald Mballe in action for Italy at the Special Olympics World Games
© Mauro Nardella
  • Gerald Mballe flüchtete aus dem vom Krieg zerrissenen Kamerun
  • Der Fussball spielte eine wichtige Rolle bei seiner Integration in die italienische Gesellschaft
  • Didier Drogba sah ihn bei den Special Olympics World Games spielen

Es war überstanden. Nach beängstigenden und traumatisierenden Tagen auf einem völlig überladenen Flüchtlingsboot, mit schreienden Babys und zum Teil kranken Altersgenossen, mitten auf dem rauen Mittelmeer zwischen Libyen und Sizilien, wurden die Flüchtlinge aus Afrika von der Küstenwache gerettet und bekamen Asyl in Italien.

Gerald Mballe musste aus seiner Heimat in Kamerun flüchten, als dort mehrere Dörfer bei Gefechten zwischen Separatisten und den Sicherheitskräften zerstört wurden. Ein Jahr lang war er nach Norden unterwegs, durchquerte Niger, Algerien und Libyen, bevor er die Fahrt über das Mittelmeer wagte, um in Italien ein neues Leben zu beginnen. Doch mit den Sirenen des Küstenwachenbootes waren die Widrigkeiten für Gerald noch nicht überstanden.

"Es gab unendlich viele Schwierigkeiten und Hindernisse nach der Ankunft in Italien", erzählt der 20-Jährige gegenüber FIFA.com. "Alles war ganz neu und ganz anders. Ich konnte die Sprache nicht verstehen. Und es gab auch hier Diskriminierung. Ich fühlte mich fremd und ausgeschlossen. Überall gab es Barrieren.

"Der Fussball spielte eine große Rolle bei meiner Integration in die Gesellschaft. Schließlich ist Fussball eine universelle Sprache. Man braucht nicht die gleiche Sprache zu sprechen, um miteinander spielen zu können. Ich habe immer in irgendwelchen Parks gespielt. Dann lud mich mein Mentor Luigi Petrillo ein, ihm beim Training mit geistig behinderten Menschen zu helfen. Sie haben mir einen unglaublich warmen Empfang bereitet. Endlich hatte ich das Gefühl, die Menschen akzeptieren mich, ohne auf meine Hautfarbe zu achten. Das war ein sehr reales, sehr schönes Gefühl. Es verlieh mir neues Selbstvertrauen und gab mir meine Identität zurück. Ich fühlte mich einer Gruppe zugehörig. Ich fühlte, dass die Menschen mir zuhörten. Ich bin kein ausgebildeter Trainer. Also habe ich einfach versucht, ihnen mein eigenes Fussballkönnen weiterzugeben. Ich habe versucht, ihnen Verantwortung zu übertragen und sie anzuspornen. 'Ihr könnt es schaffen', habe ich ihnen immer wieder gesagt. Ich sagte ihnen, wenn wir uns den Ball zuspielen, dann sind wir ein Team und als Team können wir alles schaffen."

Gerald war derart inspirierend in seiner Rolle als Trainer, dass man ihm anbot, als einer von 7.500 Athleten aus rund 200 Ländern an den diesjährigen Special Olympics World Games teilzunehmen. Wie konnte ein intelligenter Junge, der mehrere Sprachen spricht, bei einem Wettbewerb für Menschen mit geistiger Behinderung landen? Einer der Wettbewerbe, an dem Italien bei der Veranstaltung in Abu Dabhi 2019 teilnahm, war ein Turnier für gemischte Siebener-Teams mit Spielern mit und ohne geistige Behinderung. Nach den Worten der Organisatoren "fördert dies Inklusion, Freundschaft und Zusammenhalt."

Gerald erzählt: "Als ich erfuhr, dass ich zu den Special Olympics World Games fahre, war ich überglücklich und sehr aufgeregt. Vorher hatte man mir die Möglichkeit verweigert, an einem Turnier in den USA teilzunehmen, weil ich als Flüchtling kein Visum bekommen konnte.

Ich muss mich sehr bei den Organisatoren der Special Olympics bedanken, denn sie haben das Unmögliche möglich gemacht. Diese Organisation setzt sich für Inklusion und Integration ein. Sie sagen: 'Wenn sich jemand in die Gesellschaft integrieren will, warum gibt es so viele Hürden bei der Beschaffung eines Visums?' Und sie haben es möglich gemacht.

Es war ein wundervolles Erlebnis, ein Erlebnis voller Emotionen und ein Umfeld voller Entschlossenheit. Die Menschen waren gut drauf, sie sahen das Positive. Sie achteten nicht auf die Hautfarbe sondern haben sich aufs Spielen und aufs Siegen konzentriert. Dabei habe ich die Kraft des Fussballs erfahren. Er ist eine universelle Sprache, die die Seelen der Menschen verbindet. Es war eine unglaubliche Erfahrung."

"Das ist sehr wichtig für Menschen mit geistiger Behinderung. In meinem Land werden solche Menschen in den Häusern weggesperrt. In Italien werden sie diskriminiert. Der Fussball gibt ihnen ein Gefühl der Verantwortung. Sie lernen Tricks, Teamwork, Entschlossenheit. Das Spielen in gemischten Teams ist großartig. Es zeigt, dass niemand anders ist und niemand diskriminiert werden sollte. Wir alle spielen zusammen, um zu siegen. Wir helfen uns und feuern uns gegenseitig an. Wenn sie bei den Special Olympics spielen, fühlen sie sich wie [Andrea] Pirlo oder [Alessandro] Del Piero bei der WM. Das ist einfach großartig für sie und ihr Selbstvertrauen. Es war toll, die Begeisterung am Flughafen und während der gesamten Zeit in Abu Dhabi mitzuerleben. Und wir haben Didier Drogba und Cafu getroffen. Das war unvergesslich."

Der Kapitän der brasilianischen Mannschaft, die 2002 die FIFA Fussball-WM in Korea und Japan gewann, der legendäre Ivorer, ebenso wie Real Madrids Trainer Julen Lopetegui und die Stars Avril Lavigne, und Luis Fonsi waren Botschafter für Abu Dhabi 2019 unter dem Motto 'Meet The Determined' (Treffen der Entschlossenen).

Und eine noch größere Entschlossenheit als beim inspirierenden Gerald Mballe kann man sich kaum vorstellen.

Gerald Mballe and Didier Drogba
© Others

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