"Super Eagles" setzen auf Geduld

Nigeria's striker Uche Ikechukwu (R) celebrates with team mate Ahmed Musa
© AFP

In den jüngsten Qualifikationsspielen für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ setzte der nigerianische Nationaltrainer auf Spieler, die in der heimischen Liga aktiv sind. Die Ergebnisse waren laut eigenen Angaben positiv: Die Nigerianer führen die Gruppe F der Afrika-Qualifikation mit vier Punkten an. Allerdings waren die guten Ergebnisse hart erarbeitet, und bei einem knappen 1:0-Heimsieg gegen Namibia und dem mit Mühe und Not erreichten Unentschieden in Malawi am Wochenende ließen die Tore lange auf sich warten.

Keshi hat seit seinem Amtsantritt drei von insgesamt neun Spielen gewonnen, vier endeten mit einem Unentschieden - und dann gab es noch zwei Niederlagen. In keinem Spiel konnten die Nigerianer mehr als zwei Tore erzielen, aber der ehemalige Kapitän der Nationalmannschaft ist überzeugt, dass sich alles zum Guten wenden wird. "Nach und nach werden wir unsere Abschlussschwäche überwinden, denn im Moment bauen wir gerade mitten in entscheidenden Qualifikationsspielen eine neue Mannschaft auf, und das ist eine schwierige Angelegenheit."

Aufwartung auf der großen FussballbühneIm November letzten Jahres wurde Keshi zum Nachfolger von Samson Siasia ernannt, nachdem Nigeria sich nicht für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal qualifiziert hatte, ein Turnier, das man schon zwei Mal gewonnen hatte. Big Boss, wie er genannt wird, ließ von Beginn an keinen Zweifel daran, dass Spieler aus der nigerianischen Premier League von nun an nicht mehr als reines "Trainingsmaterial" betrachtet würden, sondern beim Neuaufbau des Teams eine reelle Chance bekommen sollten. Und er hat Wort gehalten. Der Grundstock des Teams, das die jüngsten Qualifikationsspiele bestritt, bestand aus den NPL-Stars, mit denen er seit Dezember arbeitet: Godfrey Oboabona, Juwon Oshaniwa, Ruben Gabriel, Ejike Chrisantus Uzoenyi und Azubuike Egwuekwe.

Noch vor zwei Jahren hat kein einziger in der NPL aktiver Spieler den Sprung in den endgültigen Kader für Südafrika 2010 geschafft. Keshi hat sich auch im Hinblick auf einige große Namen behauptet und das in England unter Vertrag stehende Trio bestehend aus Jon Mikel Obi (Mittelfeld), Yakubu Aiyegbeni (Angriff) und Peter Osaze Odemwingie (Angriff) in seinen Planung für den geschäftigen Monat Juni nicht berücksichtigt.

Das betrifft auch das in dieser Woche stattfindende Qualifikationsspiel für den Afrikanischen Nationen-Pokal gegen Ruanda. Daher stand Keshi vor dem ersten offiziellen Heimspiel gegen Namibia ganz schön unter Druck, und zunächst deutete alles darauf hin, als sollte die Begegnung mit einem enttäuschenden torlosen Unentschieden enden. Aber dann gelang Ikechukwu Uche mit einem schönen Abschluss doch noch der Siegtreffer. Zuvor hatten Uche, Victor Moses und John Utaka bereits eine ganze Reihe von Chancen vergeben, bei deren Nutzung man die defensiv eingestellten Namibier haushoch geschlagen hätte.

"Müssen an unseren Schwächen arbeiten"Ganz ähnlich war es dann in Blantyre, wo Mittelfeldspieler Gabriel erst in der 89. Minute traf und die Malawier kurz vor dem Abpfiff noch den Ausgleichstreffer erzielten. Keshi, Mannschaftskapitän der nigerianischen Weltmeistermannschaft von 1994, weiß, dass es einige Zeit dauert, Spieler aufzubauen und eine Mannschaft zusammenzuschweißen. "Das Team, insbesondere die Stürmer, stehen unter einem enormen Leistungsdruck. Deshalb machen sie vor dem Tor Fehler, und das verfolgt sie dann natürlich", so Keshi. "Wir müssen geduldig sein, dann werden die Tore schon bald wie am Fließband fallen. Das ist eine relativ neue Mannschaft, und es braucht einfach seine Zeit, bis wir das Niveau erreichen, auf dem unsere etablierten Spieler bereits angekommen sind."

Die Abschlussschwäche ist jedoch nicht Keshis einzige Sorge, und der Auftritt gegen Malawi war seiner Ansicht nach eher durchwachsen. "Ich freue mich, weil die Spieler ihre Sache gut gemacht haben, aber leider haben wir in der letzten Minute wertvolle Punkte liegen lassen", erklärt er. "Wir haben in der ersten Halbzeit eine Chance nach der anderen herausgespielt und keine davon genutzt. Und dann haben wir gegen Spielende doch noch das Tor erzielt und die Führung wieder aus der Hand gegeben. Das geht gar nicht. Wir müssen an unseren Schwächen arbeiten."

"Das Beste kommt noch"Victor Moses von Wigan Athletic ist einer der Neulinge in Keshis Kader. Er entschloss sich Anfang des Jahres, für die Nationalmannschaft seines Geburtslandes zu spielen und stand bei den beiden Spielen gegen Namibia und Malawi in der Startelf. Der Außenstürmer braucht natürlich noch eine Eingewöhnungszeit im Team, aber auch er ist zuversichtlich, dass sich alles zum Guten wenden wird. "Die Nigerianer werden meine Spielweise sicher bald schätzen lernen", so der antrittsstarke Flügelflitzer, der im Nachwuchsbereich in mehreren Altersklassen für England gespielt hat.

Moses über sein Heimdebüt gegen Namibia: "Ich weiß, dass viele Nigerianer sicher enttäuscht sein werden, dass ich trotz mehrerer Chancen das Tor nicht getroffen habe. Das tut mir leid, aber ich möchte gern, dass sie berücksichtigen, dass dies mein erstes Spiel vor nigerianischem Publikum war. Ich hatte mit den Witterungsbedingungen zu kämpfen, aber das soll keine Entschuldigung für die mangelnde Ausbeute sein. Die Chancen waren da, aber ich hatte einfach kein Glück. Uns stehen noch viele weitere Spiele bevor, und es kann nur besser werden. Ich möchte die Fans nur bitten, Geduld zu haben, denn in der Nationalmannschaft steht meine beste Zeit noch bevor."

Im März nächsten Jahres wird die WM-Qualifikation fortgesetzt, und Nigeria empfängt Kenia. Gemeinhin wird erwartet, dass Keshis Team seine Chancen bis dahin mit beiden Händen ergreifen wird. Genau wie Moses bittet Keshi, der zuvor bereits Togo und Mali trainiert hat, um mehr Zeit: "Sind die Nigerianer bereit geduldig abzuwarten? Das ist die große Frage."

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