Sudan: Mehr als nur das blanke Überleben

Sudan's El-Hilal fans cheer during their CAF Champions League semi final
© AFP

Die sudanesischen Klubs Al Merreikh und Al Hilal überraschten in diesem Jahr in der afrikanischen *Königsklasse *mit ihrem Vorstoß bis in die Halbfinalrunde. Die Nationalmannschaft des Landes hat ihren Fans allerdings schon seit Längerem keine Erfolgsgeschichten mehr geboten.

Als Gründungsmitglied des afrikanischen Kontinentalverbands spielte Sudan von Ende der 1950er bis in die 1970er-Jahre eine wichtige Rolle im afrikanischen Fussball. Beim ersten CAF Afrikanischen Nationen-Pokal landete das Team auf dem dritten Platz (allerdings bei nur drei Teilnehmern), wurde 1959 und 1963 jeweils Vize-Afrikameister und gewann das Turnier 1970 im eigenen Land. Auch 1972 und 1976 war man noch bei der Afrikameisterschaft dabei, doch dann folgte eine lange Durststrecke, in der Sudan nur noch zuschauen konnte, wie die besten Teams um die kontinentale Krone kämpften.

2008 gelang endlich wieder die Qualifikation für die Endrunde des Turniers in Ghana, bei der die Spieler allerdings schon nach der überaus enttäuschenden Gruppenphase die Koffer packen mussten. Am Ende standen drei Niederlagen und ein Gesamttorverhältnis von 0:9 zu Buche. Vier Jahre später allerdings schaffte das Team den Vorstoß bis ins Viertelfinale.

Sudan gehörte zu den ersten afrikanischen Ländern, die an der WM-Qualifikation teilnahmen, erstmals vor dem Turnier 1958. Doch noch nie konnte das Team das Endrundenticket lösen. Diese Schwäche wird es den Sudanesen in der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ gewiss nicht leichter machen, die für das Team mit der Partie gegen Sambia am 11. November beginnt. Nur der Gesamtsieger des Duells mit Hin- und Rückspiel zieht in die dritte Runde ein. Entsprechend hoch ist der Druck, der auf den Spielern lastet.

Verteidiger Ali Gafar, der schon in der WM-Qualifikation für 2014 dabei war, als die Falken in der Gruppenphse (ebenfalls mit Duellen gegen Sambia) auf dem letzten Platz landeten, ist überzeugt, dass das Team diesmal bessere Chancen hat. "Einer der Gründe für unsere mangelnde Stärke liegt darin, dass zu wenige Spieler im Ausland aktiv sind. Wir haben durchaus talentierte Spieler, aber kaum jemand bekommt die Chance, im Ausland zu spielen. Und die wenigen, die es schaffen, haben oftmals Probleme, sich an die Sprache, das Klima oder die Kultur zu gewöhnen."

Der Spieler von Al Merreikh ist überzeugt, dass die Nationalmannschaft zudem mehr Spielpraxis benötigt. "Würden wir mehr Freundschaftsspiele bestreiten, könnten wir den Spielverlauf auch besser bestimmen. So allerdings mangelt es uns in Pflichtspielen oft an Erfahrung."

Positive Signale
Doch es gibt auch positive Signale, die auf eine bessere Zukunft für den sudanesischen Fussball hindeuten könnten. So schafften die Falken im Juni in einem Qualifikationsspiel für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2017 einen moralisch wichtigen 1:0-Sieg gegen Sierra Leone. Noch inspirierender könnten indes die Erfolge sein, die Al Merreikh und Al Hilal, die beiden führenden Klubs des Landes, in der CAF Champions League einfuhren. Zwar scheiterten beide letztlich im Halbfinale, doch die Teilnahme gleich zweier Klubs an der Vorschlussrunde sorgte bei den Fans für viel Hoffnung und Freude.

Die beiden Klubs, deren Präsidenten erfolgreiche Geschäftsmänner sind, beherrschen die einheimische Liga und den Pokalwettbewerb nahezu uneingeschränkt und lassen nur sehr selten ein anderes Team zum Zuge kommen. Dank der Investitionen der Eigentümer konnten sie nicht nur profilierte Trainer wie Otto Pfister und Diego Garzitto ins Land locken, sondern auch Spitzenspieler verpflichten. So spielten Jean-Paul Abalo (Togo), Haitham Mrabet und Abdelkarim Nafti (Tunesien), Elijah Tana (Sambia) und auch der legendäre Torhüter Essam El-Hadary, der mit Ägypten vier Mal Afrikameister wurde, in Sudan.

Für Gafar hat die Dominanz der beiden Klubs aus Omdurman positive und negative Seiten. "Dank dieser Klubs hat sich Sudan zu einem der führenden Länder im afrikanischen Klubfussball entwickelt. Der beste Beweis dafür ist, dass das Land vier Startplätze in den beiden afrikanischen Vereinswettbewerben hat. Doch das Niveau der sudanesischen Liga ist allenfalls durchschnittlich, denn zwischen den stärksten vier Teams und dem Rest klafft eine große Lücke. Darin zeigt sich der Mangel an Professionalität auf allen Ebenen. Es gibt nur wenige Klubs, die über die finanziellen Mittel verfügen, ganz oben dabei zu sein."

Al Merreikhs Trainer Diego Garzitto, der auch schon Al Hilal betreute, sieht den sudanesischen Fussball auf kontinentaler Ebene im Aufwind. "Es gibt deutliche Fortschritte im sudanesischen Fussball, was insbesondere in den afrikanischen Wettbewerben deutlich wird. Die beiden führenden Klubs kennt jeder, doch es gibt durchaus noch andere, beispielsweise Ahly Shendi oder auch Al-Khartoum. Doch die Liga benötigt mehr Ausgewogenheit. Es gibt da eine regelrechte Zweiklassen-Gesellschaft: Auf der einen Seite die großen Spitzenklubs, auf der anderen viele Klubs die meist lediglich ums blanke Überleben kämpfen."

Empfohlene Artikel