Spannung und Anspannung vor Auslosung in Afrika

Democratic Republic of Congo's Jeremy Bokila (2nd L) and Cedrick Mabwati (L) celebrate
© AFP

Bei den FIFA WM-Endrunden 2010 und 2014 sah man aus Afrika jeweils dieselben Gesichter: Ghana, Algerien, Nigeria, Kamerun und die Elfenbeinküste vertraten den Kontinent sowohl in Südafrika als auch in Brasilien. Wenn am Freitag in Kairo die letzte Runde der Qualifikation für 2018 ausgelost wird, wird diese Serie der fünf Mannschaften jedoch mit einiger Wahrscheinlichkeit enden.

Tunesien und Senegal etwa gehören zu den fünf gesetzten Mannschaften, Nigeria und Kamerun hingegen befinden sich nur noch in Lostopf zwei bzw. drei. Das bedeutet, in einer der fünf Gruppen könnten drei der letzten fünf Endrundenteilnehmer direkt aufeinandertreffen – und da sich jeweils nur die Gruppenersten für Russland qualifizieren, könnte dies mindestens zwei Neulingen eine Chance eröffnen.

In Russland wird 2018 jedoch nicht zwangsläufig ein Neuling aus Afrika dabei sein. Es ist sogar unwahrscheinlich, auch wenn Kap Verde und Mali zwei Mannschaften ohne jede WM-Erfahrung an Position zwei gesetzt sind.

Nur wenige Trainer indes kennen den afrikanischen Fussball so gut wie Claude Le Roy, der acht Mannschaften zur Endrunde des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals geführt hat und damit einen Rekord hält. Ausgerechnet Le Roys Interesse an der Auslosung am Freitag dürfte sich jedoch in eng gesteckten Grenzen halten. Er trat als Nationaltrainer von Kongo zurück, nachdem er die Mannschaft in die Gruppenphase der Qualifikation geführt hatte. Danach übernahm er Togo, das jedoch schon ausgeschieden war, als Le Roy berufen wurde. Bei FIFA.com erklärt der Trainerroutinier, dass er mit Überraschungen rechnet. "Ich rechne mit anderen Namen am Ende der Qualifikation", so Le Roy. "Ich halte Senegal für ganz stark und auch die DR Kongo, eine weitere ehemalige Mannschaft von mir, hat eine Chance. Die Auslosung ist sehr wichtig. Man kann eine gute Auslosung erwischen, die den Weg nach Russland möglich macht, oder eine schlechte, die ihn sehr schwierig macht."

Die Elfenbeinküste gilt gemeinhin als Favorit auf einen der fünf WM-Startplätze. Das weiß auch Nationaltrainer Michel Dussuyer nur zu gut. "Wir sind Afrikameister und gehören zu den am besten gesetzten Mannschaften", sagt er bei FIFA.com. "Wir sind ganz automatisch Favorit, das ist normal. Auf diesem Niveau gibt es nur noch gute Mannschaften. Persönlich würde ich gern auf Mannschaften treffen, gegen die ich noch nicht gespielt habe: Kap Verde, Südafrika oder Libyen. Aber es gibt keine einfachen Spiele. DR Kongo und Marokko würde ich gern aus dem Weg gehen, die spielen momentan richtig gut. Aber so oder so sind jetzt nur noch die besten Mannschaften des Kontinents übrig."

Wie sein Kollege Le Roy sieht auch Dussuyer in Senegal eine der aufstrebenden Mannschaften. "Senegal ist jetzt schon seit Monaten gut in Form. Aliou Cissé konnte seine Ideen umsetzen und die Ergebnisse geben ihm Recht. Ebenfalls auf dem richtigen Weg ist die DR Kongo, eine wirklich gute Mannschaft. Auch Marokko schätze ich stark ein, eine Mannschaft mit guten Spielern, die mit Hervé Renard einen Trainer hat, der Afrika gut kennt."

Ägypten will zu alter Stärke zurück
Unbedingt mit nach Russland reisen will auch Ägypten. Denn sieben Titel beim Afrikanischen Nationen-Pokal (drei davon in Folge ab 2006) mögen zwar Rekord sein, die letzte WM-Teilnahme datiert indes aus dem Jahr 1990, als viele der heutigen Nationalspieler noch nicht einmal geboren waren. Doch nachdem Nigeria aus der Qualifikation zum Afrikanischen Nationen-Pokal geworfen wurde und der erfahrene Hector Cuper an der Seitenlinie steht, machen sich die ägyptischen Fans wieder große Hoffnungen.

Eher auf dem absteigenden Ast befinden sich derweil Südafrika und Kamerun, die es zusammen auf zehn WM-Teilnahmen bringen, aber nur noch an Position drei gesetzt sind und es somit wohl mit starken Gegnern zu tun bekommen werden.

Kongo geht es nicht anders. Trainer Pierre Lechantre gib bei FIFA.com unumwunden zu, dass es für seine Mannschaft nicht leicht werden wird, sich zu qualifizieren. "Es kann sein, dass wir auf sehr starke Teams treffen. Wenn es ganz hart kommt, landen wir in einer Gruppe mit Algerien, der DR Kongo und Sambia. Algerien ist die zurzeit beste afrikanische Mannschaft", so Lechantres Einschätzung. "Die DR Kongo liefert seit zwei Jahren hervorragende Ergebnisse und zählt ebenfalls zu den Mannschaften, die einen Lauf haben. Gegen Sambia habe ich erst im März in der Qualifikation zum Afrikanischen Naionen-Pokal gespielt und die Elf hat einen guten Eindruck hinterlassen. Sie ist schwer zu schlagen.

Viel lieber wäre mir eine Gruppe mit Tunesien, Kap Verde und Libyen. Das Land kenne ich gut, weil ich Al-Itihad Tripoli trainiert habe, woher viele Nationalspieler kommen."

Der Franzose sieht diverse Neulinge gut gerüstet, wenn es um einen Startplatz in Russland geht. "Meine Mannschaft, Kongo, hat eine Chance", glaubt er zum einen. Und dann wären da meiner Meinung nach noch die DR Kongo und Senegal, die in der Qualifikation zum Afrikanischen Nationen-Pokal herausragend waren, sowie Mali, wo Alain Giresse als Trainer hervorragende Arbeit leistet."

Verfolgt die Auslosung der CAF-Qualifikation für Russland 2018 am Freitag in Kairo per Livestream. Wie werden die Gruppen in Afrika also aussehen? Auf* FIFA.com* verpasst ihr nichts!

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