FIFA Weltmeisterschaft™

Salomon-Inseln wollen an historische Erfolge anknüpfen

Solomon Islands line-up against New Zealand
© FIFA.com

Fussball ist in vielen Ländern rund um den Globus eine überaus beliebte Sportart. Bei klassischen Fussballnationen denkt man allerdings in erster Linie an Länder in Südamerika, Europa und einige afrikanische Nationen. Was den Anteil der Fussballbegeisterten angeht, kann kaum ein Land der Welt mit den Salomon-Inseln mithalten. Zu den wichtigen Spielen im Lawson-Tama-Stadion in Honiara, am Fuße eines steilen Berghangs gelegen, strömen gelegentlich Besuchermassen im fünfstelligen Bereich. Diese Zahlen wirken noch beeindruckender, wenn man bedenkt, dass auf der Insel Guadalcanal, auf der die Hauptstadt liegt, kaum 100.000 Menschen leben und die Gesamtbevölkerung der Salomon-Inseln gerade eine halbe Million beträgt.

Solch wichtige Spiele sind allerdings recht selten für das Team der Salomon-Inseln, das den internationalen Spitznamen Bonitos trägt. Dennoch, oder gerade deswegen, gehört Fussball zu den wahrhaft verbindenden Elementen des Landes.

Zwölf Jahre ist es nun her, dass sich die ganze Nation spät am Abend vor den Radios versammelte und gebannt lauschte, wie eine einsame Stimme vom bisher größten fussballerischen Erfolg des Teams berichtete. Eine Fernsehübertragung oder gar eine Berichterstattung im Internet gab es damals nicht – einzig und allein die Stimme des legendären Radiosprechers Bart Basia, der kürzlich in Rente ging, war in der feuchtheißen Nacht zu hören. Das damalige 2:2-Unentschieden gegen Australien in Adelaide bedeutete für die kleine Inselnation die Qualifikation für das ozeanische Finale. Damit waren die Salomon-Inseln nur noch einen kleinen Schritt entfernt von der Teilnahme am FIFA Konföderationen-Pokal Brasilien 2013 und einem interkontinentalen Playoff-Duell gegen Uruguay.

Am Ende allerdings wurde nichts aus dem sensationellen Duell gegen Stars wie Diego Forlan, Alvaro Recoba und Co., denn im entscheidenden Spiel setzten sich die Socceroos durch und zogen selbst in die Playoffs ein. Bis heute ist dieses Abschneiden in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ der größte fussballerische Erfolg des Teams.

Neuer Ruhm auf vertrauter Bühne?
In den letzten Wettbewerben präsentierten sich die Salomon-Inseln stets überaus konkurrenzfähig, doch bisher wurde nichts aus dem großen Traum – nicht zuletzt, weil auch die anderen ozeanischen Fussballnationen enorme Fortschritte gemacht haben und sich das Niveau stark verbessert hat. Trotzdem haben die Bonitos nun die Chance, eine neue Ära einzuläuten, wenn in Papua-Neuguinea die zweite Runde der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ beginnt.

Dass die Partien ebenfalls in einer melanesischen Nation stattfinden, ist für den erfahrenen Mittelfeldspieler Henry Fa'Arodo ein Vorteil. Er ist der bekannteste Spieler in den Reihen der Bonitos und einer der wenigen noch Aktiven, der bereits bei dem unvergessenen Spiel vor zwölf Jahren in Adelaide dabei war.

"Dass wir in Papua-Neuguinea spielen, ist definitiv ein Vorteil für uns", so Fa'Arodo im Gespräch mit FIFA.com während einer kürzlich absolvierten Reise nach Australien, wo sich das Team der Salomon-Inseln umfassend auf die Qualifikationsspiele im Mai und Juni vorbereiten wird. "Die Umgebungsbedingungen dort kommen uns entgegen, sehr viel mehr jedenfalls als bei Turnieren in Neuseeland, wo wir immer Anpassungsschwierigkeiten haben."

Doch nicht nur die klimatischen und kulturellen Ähnlichkeiten dürften dem Team zugutekommen. Fast ein halbes Dutzend der Spieler im aktuellen Kader der Bonitos und auch Fa'Arodo selbst haben Erfahrung im Klubfussball von Papua-Neuguinea, die meisten von ihnen im Trikot von Hekari United, dem ambitionierten Klub, der es bis zur FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2010 schaffte.

"Wir wissen, welche Bedingungen uns in Papua-Neuguinea erwarten. Daher sind die Jungs entspannt und haben viel Selbstvertrauen", versichert Fa'Arodo. "Wir haben viele kulturelle Gemeinsamkeiten, ebenso wie auch mit Vanuatu und Fidschi."

Die Bedingungen kommen zwar den Bonitos entgegen, doch für einige andere Teilnehmer an dem Turnier in der schwülen Hitze von Port Moresby bedeuten sie eine zusätzliche Herausforderung – insbesondere für die dennoch favorisierten Neuseeländer. So wie die All Whites grundsätzlich als Favoriten gelten, geht Samoa grundsätzlich als Außenseiter in solche Turniere. Unter den verbleibenden sechs Teilnehmern lassen sich kaum große Unterschiede feststellen. Insgesamt erreichen sechs der teilnehmenden Teams die nächste Runde.

Fa'Arodo kennt sich im ozeanischen Fussball aus wie kaum ein Anderer. Schließlich hat er in drei ozeanischen Nationen gespielt, nämlich in Neuseeland, in Papua-Neuguinea und natürlich in seiner Heimat. Und auch in Australien, das früher ebenfalls in der Ozeanien-Zone antrat, war er bereits aktiv. Er ist sogar der einzige Spieler der Salomon-Inseln, der je als Profi in der australischen A-League spielte. Mittlerweile ist er seit 15 Jahren auch auf der internationalen Bühne aktiv.

Klasse und Finesse
Die Salomon-Insulaner spielen technisch hochklassig und mit viel Flair. Da können die Erfolge auf Sand und in der Futsal-Halle kaum überraschen. Fa'Arodo freut sich darüber, dass die aktuelle Nationalmannschaft alle charakteristischen Stärken der Salomon-Inseln vereint: "Die technischen Fähigkeiten sind ein gutes Stück besser als noch vor zehn Jahren", ist er überzeugt. "Da hat sich im Vergleich zu früher enorm viel zum Positiven verändert. Die meisten der Jungs sind von Natur aus einfach sehr talentierte Fussballer."

"Angesichts unseres Talents hätten wir in den vergangenen Jahren vielleicht noch mehr erreichen können", so Fa'Arodo weiter. "Die Konkurrenz wird auch in Ozeanien immer stärker. Somit ist es eine ziemliche Herausforderung, es wieder so weit zu schaffen."

Es bleibt also abzuwarten, ob es den Bonitos tatsächlich gelingt, an die damaligen Erfolge anzuknüpfen. Eines steht allerdings schon fest: Ein Erfolg auf der WM-Bühne würde die Nation einen, die geographisch keine Einheit bildet.

"Die Menschen in den Dörfern würden wieder am Radio kleben und die Leute in den größeren Städten würden sich vor den Fernsehern versammeln", sagt Fa'Arodo, wobei viel Begeisterung in seiner Stimme mitschwingt. "Das Interesse ist wirklich riesig. Die Nation kommt zusammen und alle sind ganz verrückt nach Fussball. Wenn wir ein gutes Ergebnis schaffen, dann wäre das für den Fussball auf den Salomon-Inseln ein riesiger Schritt."

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