FIFA Congress

Scala: "Wir werden auch in Zukunft Vorschläge machen"

Domenico Scala Chairman of the FIFA Audit and Compliance Comittee
© Getty Images

Domenico Scala wurde vor einem Jahr als Vorsitzender der FIFA Audit- und Compliance-Kommission angenommen und soll am Freitag formal zum ersten Mal gewählt werden. Er wurde von Mark Pieth, dem Vorsitzenden der unabhängigen Kommission für Governance (IGC), für diese Aufgabe vorgeschlagen. Die beiden Männer kennen sich über ihre akademischen Verbindungen in der Schweizer Stadt Basel.

"Es ist eine Menge geschrieben und eine Menge gesagt worden über die FIFA und Korruption", sagte Scala, "und einer meiner ersten Eindrücke, als ich diese Position übernahm, war der Frust innerhalb der FIFA."

Beim FIFA-Kongress in Zürich am 1. Juni 2011 versprach FIFA-Präsident Joseph S. Blatter nach seiner Wiederwahl, "die Probleme anzugehen, die der Fussball heute hat, und zu zeigen, dass unser Sport solide und stark bleibt."

"Ein zweijähriger Prozess, um eine globale Organisation wie die FIFA zu reformieren, ist ein recht ambitioniertes Ziel. Und normalerweise gelingt es in Unternehmen – und ich habe für einige gearbeitet, die ähnlich komplex sind – nicht, dies in einem so eingeschränkten Zeitrahmen zu bewerkstelligen", fuhr Scala fort. "Über zwanzig der von der IGC vorgeschlagenen Reformempfehlungen wurden angenommen, doch bisher wurde dies nicht vollständig erkannt oder geschätzt", fügte er hinzu.

Innerhalb der letzten zwei Jahre wechselte ein Drittel der Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, entweder aufgrund von Sanktionen der FIFA oder Rücktritten von ihren Posten. "Ich habe selten erlebt, dass dies woanders geschieht", sagte Scala. "Die Einführung der FIFA Ethikkommission mit ihren zwei Kammern ist ziemlich einmalig. Sie haben völlige Freiheit, und ich habe woanders noch nie eine vergleichbare Kommission mit solchen Befugnissen gesehen. Wir haben nun jemanden wie Sunil Gulati im FIFA-Exekutivkomitee, der zuvor Mitglied des IGC war (er trat von seinem Posten zurück, als er in das Exekutivkomitee gewählt wurde). Das freut mich, denn er ist ein großer Verfechter von Governance."

Nach dem Ende des Kongresses 2012 wurde ein Rundschreiben (1314) an alle 209 Mitgliedsverbände der FIFA gesendet, in denen die Hauptaufgaben der Audit- und Compliance-Kommission skizziert waren, unter anderem "die Vollständigkeit und Zuverlässigkeit des Rechnungswesens sicherzustellen sowie die Überprüfung der Finanzberichte, der konsolidierten Jahresabschlüsse und der Berichte der externen Auditoren." Des Weiteren war die Kommission mit der Aufgabe betraut, Integritätsprüfungen für die verschiedenen Positionen in beiden Kammern der Ethikkommission durchzuführen. Doch welches sind die greifbaren Ergebnisse, die Scala erreicht hat?

"Ich sagte bereits letzten Oktober, dass die Standards für das Rechnungswesen in der FIFA sehr hoch sind und dass sie bereits seit 2002 internationalen Standards entsprechen. Doch es gab sicherlich noch Raum für Verbesserungen. Es gibt zum Beispiel die Wahrnehmung, dass die FIFA in der Schweiz keine Steuern zahlt. Das ist falsch. Ja, die FIFA bewegt eine Menge Geld und ist eine komplexe Wirtschaftseinheit, doch 2012 zahlte die FIFA 17 Millionen U.S.-Dollar Steuern." 

"Ich hoffe, dass der Kongress am Freitag eine unabhängige weibliche stellvertretende Vorsitzende ernennen wird, Sindi Mabaso-Koyana aus Südafrika, eine sehr starke Kandidatin, die ich selbst vorschlage. In den nächsten zwei Tagen wird zudem eine ausführliche Charta veröffentlicht – die 'FIFA Organisation Regulations' (FOR). Es umfasst 52 Seiten und skizziert das Benehmen, das von allen verschiedenen Institutionen der FIFA erwartet wird, und enthält einen Anhang zu den Integritätsprüfungen. Zusätzlich wird sich ein neues Unterkomitee mit Entschädigungsleistungen und Entlohnung befassen. Darin wird neben dem Vorsitzenden der Finanzkommission und mir selbst eine dritte unabhängige Person vertreten sein – Jean-Pierre Pedrazzini von Egon Zehnder.' 

Im März dieses Jahres wurden verbesserte Regeln für die FIFA Entwicklungsprogramme angenommen, und Scala hob dies als einen weiteren großen Schritt vorwärts hervor.
"Wir wollen, dass das Geld der FIFA für die Zwecke eingesetzt wird, für die es gedacht ist, und sicherstellen, dass die budgetierten Geldbeträge ordnungsgemäß verwendet werden. Ich habe an allen Tagungen der FIFA-Entwicklungskommission teilgenommen und es ist klar, dass in den letzten zehn bis zwölf Jahren beträchtliche von der FIFA erzielte Erlöse in ihre Entwicklungsprogramme investiert wurden. Wo mehr Geld ist, ist immer ein höheres Risiko."

Die FIFA hat ihr jährliches Audit bereits erweitert und die Anzahl der Mitgliedsverbände, die jährlich überprüft werden, von 10 auf 20 Prozent erhöht. Es wurden strengere Richtlinien für die Verbände festgelegt, um Mittel aus dem Finanziellen Unterstützungsprogramm (FAP) oder Goal-Projekten zu erhalten.

Eines der in letzter Zeit in der internationalen Presse am meisten behandelten Entwicklungsprojekte ist das Exzellenzzentrum in Trinidad. Zu diesem Thema sagte Scala unmissverständlich: "Der CONCACAF Integritätsbericht war keine angenehme Lektüre, und was geschehen ist, war ernsthaft falsch. Ich habe Jeffrey Webb zu seiner Entscheidung gratuliert, den Integritätsbericht zu veröffentlichen, aber es ist eine Peinlichkeit. Dies wurde am Montag in der Finanzkommission mit allen Präsidenten der Konföderationen noch einmal besprochen. Das darf nicht erneut geschehen. Wir brauchen einen Wandel der Gesinnung und des Benehmens."
"Ich glaube, dass ich der FIFA helfen kann. Und obwohl viele den Kongress am Freitag als Ende eines zweijährigen Prozesses ansehen, werden wir auch in Zukunft Vorschläge machen, wenn Dinge geändert werden müssen."

"Die Menschen neigen dazu, in ihrer Sichtweise auf die FIFA 'eurozentrisch' zu sein, doch es ist eine globale Organisation. Ich wurde nie blockiert und habe immer alle Informationen erhalten, die ich angefordert habe. Doch es ist eine Illusion zu denken, dass man von heute auf morgen alles ändern kann. Realistischerweise sprechen wir über eine Zeitspanne von drei bis vier Jahren, doch das Entscheidende ist, dass das Glas mehr als halbvoll ist."

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