FIFA Weltmeisterschaft™

Saintfiet: Afrika hat unglaubliche Talente

Yemen's Belgian coach Tom Saintfiet reacts
© AFP

27 Jahre war der Belgier Tom Saintfiet erst alt, als er sich als Trainer aufmachte nach Afrika, an die Elfenbeinküste, wo er die Geschicke von Satellite Abidjan lenkte. Da wusste er noch nicht, dass ihn sein Weg 15 Jahre später zurück führen würde nach Afrika – diesmal, um eine aufstrebende Nationalmannschaft zu übernehmen. Saintfiet soll Togo zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ führen.

Vor zwei Jahren war der 42-Jährige der Erfüllung seines Traums mit Malawi schon einmal ganz nah. Nach dem Aus in der Qualifikation für Brasilien 2014 hofft er nun auf mehr Erfolg mit Togo auf dem Weg nach Russland 2018. Nach der 0:1-Niederlage gegen Uganda in der zweiten Qualifikationsrunde wird es allerdings nicht unbedingt einfacher.

Doch trotz der Schlappe vom Donnerstag in Lomé ist Saintfiet vom Potenzial seiner Mannschaft überzeugt und glaubt nach wie vor an das Erreichen der Gruppenphase. Vor dem Rückspiel am Sonntag in Kampala sagte der Trainer gegenüber FIFA.com: "Wir werden unser Möglichstes geben, um zu gewinnen."

Über das Hinspiel urteilte der Belgier: "Wir haben das Spiel beherrscht und hatten viele Chancen. Uganda hatte nur eine und hat sie genutzt. Nach der Pause haben wir dann früh Druck gemacht und sind zu weiteren Chancen gekommen. Die größte war sicherlich der Elfmeter, den der ugandische Torwart jedoch pariert hat."

Der belgische Trainer ist trotz seiner jungen Jahre bereits ein echter Afrika-Experte. Vor seiner Rückkehr im Mai, als er die Auswahl Togos übernahm, hatte er schon vier Nationalmannschaften des Kontinents trainiert. Den Grund liefert er sogleich mit: "Ich bin nach Afrika gegangen, um mich für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Deshalb habe ich Namibia übernommen, als ich 35 war. Ich habe mich Schritt für Schritt weiter entwickelt und durch den afrikanischen Fussball viel gelernt."

"Im afrikanischen Vergleich hat die Nationalmannschaft von Togo ein gutes Niveau. Viele Spieler stehen in Europa unter Vertrag. Togo hat auch schon eine WM-Endrunde bestritten. Für diese Mannschaft verantwortlich zu sein, ist auch für mich ein Schritt nach vorn, weil sie besser ist als alle Teams, die ich zuvor trainiert habe. Die Chancen stehen gut, dass wir zusammen die WM erreichen."

Dazu müssen Saintfiet und Togo allerdings zunächst einmal Uganda schlagen. "Das ist eine gute Mannschaft mit einem fähigen Trainer", urteilt der Belgier. "Und wer in der Weltrangliste 20 Plätze über uns steht, der ist Favorit auf das Weiterkommen."

Aber er sagt auch: "Unser Ziel lautet, bei der WM-Endrunde dabei zu sein und dazu müssen wir Uganda besiegen." Die Voraussetzungen für das Unterfangen waren, auch das gibt Saintfiet zu, nicht optimal. "Wir konnten uns nicht adäquat auf diesen starken Gegner vorbereiten. Viele Spieler sind verspätet angereist. Mir wäre es außerdem lieber gewesen, wir hätten das Rückspiel zu Hause gehabt, denn es ist nicht einfach, in Kampala vor 60.000 Zuschauern zu spielen. Die beiden Begegnungen finden zudem sehr kurz hintereinander statt, was mir auch nicht unbedingt entgegen kommt."

Weiterentwicklung im Vordergrund*
*
Aus seiner Liebe zum afrikanischen Fussball macht Saintfiet kein Geheimnis. Er hofft, mit seiner Erfahrung zu dessen Weiterentwicklung beitragen zu können. Außerdem wünscht er sich, dass eines Tages einmal eine afrikanische Mannschaft den Titel bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft gewinnt, auch wenn er dies angesichts des Fehlens eines langfristigen Plans zugleich für unwahrscheinlich hält.

"Ich fühle mich als afrikanischer Trainer und darauf bin ich stolz. Mein Traum ist, die afrikanischen Mannschaften in der Weltspitze zu sehen. Natürlich freut es mich als Belgier, dass mein Land die Weltrangliste anführt. Es ist doch interessant, dass ein Land mit elf Millionen Einwohnern diesen Platz belegen und große Spieler wie Lukaku, Hazard, Company und Fellaini hervorbringen kann", meint er.

"Das geht nur mit einem Konzept und solch ein Konzept braucht man auch in Afrika. Die Jugendspieler müssen so ausgebildet werden wie in Belgien: Wenn man Spieler schon mit vier, fünf Jahren in den Vereinen oder in Nachwuchsleistungszentren von fachkundigen Trainern betreuen lässt, wird eines Tages eine afrikanische Mannschaft Weltmeister. An Talenten mangelt es Afrika jedenfalls nicht: Physisch und technisch bringen hiesige Fussballer alles mit."

Entsprechend froh zeigte sich Saintfiet auch über das rein afrikanische Endspiel bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft Chile 2015, das Nigeria gegen Mali gewann. Trotzdem warnt er davor, nun übermütig zu werden und mit Blick auf die potenziell rosige Zukunft die Alltagsarbeit zu vergessen.

"Ein rein afrikanisches Finale ist etwas Wundervolles", glaubt Saintfiet. "Ich bedauere nur, dass Mali das Halbfinale gegen Belgien gewonnen hat, auch wenn wir dann ja noch Dritter geworden sind."

Im nächsten Atemzug stellt er klar: "Das Endspiel hat mich in dieser Form nicht überrascht. Nigeria hat den Titel ja schon gewonnen und Ghana auch. Jetzt gilt es, dafür zu sorgen, dass sich diese Spieler zusammen weiter entwickeln können. Dann können sie in drei Jahren auch gute Ergebnisse erzielen."

"Idealerweise spielen sie weiter zusammen in den Jugendmannschaften, dann in der Olympiaauswahl und dann in der A-Nationalmannschaft. Wenn das geschafft wird, ziehe ich meinen Hut davor. Denn die U-17-Weltmeisterschaft zu gewinnen ist gut und schön, aber noch schöner ist es, zusammen in der A-Nationalmannschaft zu spielen."

Vielleicht wird Saintfiets Traum eines Tages wahr. Aber vorher soll er tunlichst Togo zum prestigeträchtigsten aller Turniere führen.

Mehr zu diesem Thema erfahren

Empfohlene Artikel

Morocco's Faissel Badri vies for the ball with Libya's Mohamed Tubal

FIFA Weltmeisterschaft™

Al Tabal: "Unser Ziel ist die Gruppenphase"

11 Nov 2015

Guinea's defender Florentin Pogba takes part in a training session

FIFA Weltmeisterschaft™

Florentin und der Traum der Gebrüder Pogba

06 Nov 2015