FIFA Weltmeisterschaft™

Ryans langer Weg vom Wohnwagen ins Penthouse

Mat Ryan of the Socceroos during an Australian Fan Day & Training Session
© Getty Images
Mat Ryan of the Socceroos during an Australian Fan Day & Training Session
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Mat Ryan lebte noch in einem Wohnwagen, als er als 18-jähriger Nachwuchsspieler des A-League-Klubs Central Coast Mariners die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ im Fernsehen verfolgte. Vier Jahre später war Ryan bereits die unumstrittene Nummer eins und verteidigte seinen Kasten gegen Spieler wie Alexis Sánchez, Arjen Robben oder David Villa, als die Socceroos in einer unvergesslichen und überaus spannenden Gruppe auf Chile, die Niederlande und Spanien trafen.

Seither konnte Ryan der australischen Mannschaft zu ihrem bislang größten Erfolg verhelfen – dem Titelgewinn beim AFC Asien-Pokal. Auf Vereinsebene wechselte er inzwischen vom belgischen Club Brügge zum spanischen Spitzenteam FC Valencia. Von allen Mitgliedern des australischen Kaders für die WM-Qualifikation für Russland 2018 ist Ryan nun somit derjenige, der bei dem prestigeträchtigsten Klub spielt.

Das Leben in der verschlafenen Wohnwagensiedlung Norah Head, wenige Autostunden nördlich von Sydney gelegen, war in jeder Hinsicht eine völlig andere Welt.

Auf die harte Tour
Ryan wuchs mit seiner alleinerziehenden Mutter in einem Arbeiterviertel in einem Vorort von Sydney auf. Luxusgüter waren zwar Mangelware, doch angesichts einer Familie, die ihn stets unterstützte, hatte Ryan zumindest alles, was er zum Leben brauchte. Trotz oder vielleicht sogar wegen dieser Situation verfügt Ryan über eine vorbildliche Arbeitsmoral und eine starke Persönlichkeit.

Als er mit 17 Jahren seine Heimat verließ, um seinen Traum zu verwirklichen, war er plötzlich mit dem rudimentären Lebensstil an der Pazifikküste konfrontiert. Dieser mag für einen Rucksacktouristen ideal sein, jedoch nicht für einen jungen Fussballer mit großen Träumen.

Doch die einfache und bescheidene Atmosphäre seines neuen Zuhauses konnte Ryans nicht von seinem Weg abbringen. "Es war schon immer mein Traum, die Weltspitze zu erreichen", sagte Ryan im Gespräch mit FIFA.com. "Und ich war bereit, hart zu arbeiten, um meine Ziele zu erreichen. Wir lebten in einer kleinen Hütte am Strand, die aus einem kleinen Wohnwagen und einem Anbau bestand. Das war ein schöner Ort, wo ich sehr gerne gelebt habe, als ich für die Mariners spielte."

Nach seinem erfolgreichen zweijährigen Gastspiel beim Club Brügge wechselte er im vergangenen Sommer zum FC Valencia. Nach einem guten Saisonstart wurde Ryan zwar durch eine Verletzung zurückgeworfen, dennoch fühlt er sich in Spanien sehr wohl.

*Lektionen des Lebens
*
"Ich habe aus meinem ersten großen Wechsel von Australien nach Belgien sehr viel gelernt", sagte Ryan hinsichtlich seiner Anpassung an den spanischen Lebensstil. "Ich habe Maßnahmen ergriffen, um mich rascher zu integrieren. Ich nehme Sprachunterricht, um die Kultur zu verstehen und der lokalen Lebensweise Respekt zu zollen."

"Die großartige Technik und Spielintelligenz mancher Mit- und Gegenspieler habe ich bereits in Länderspielen und in der Europa League kennen gelernt. Doch in einer solch großen Liga zu spielen, ist der Traum von uns allen."

Ryan weiß, dass das Leben eines Torhüters gnadenlos sein kann. So sorgte beispielsweise der Weitschusstreffer des Niederländers Memphis Depay bei der WM 2014 in Brasilien für Schlagzeilen, bei dem Ryan keine gute Figur gemacht hatte. Für ihn gehören solche Erfahrungen jedoch zum Leben eines Spitzenfussballers.

"Man kann sehr gut sehen, dass die Weltmeisterschaft eine steile Lernkurve für mich war", sagte er. "Rückblickend habe ich wahrscheinlich zu viel nachgedacht. Ich glaubte nicht an meine Fähigkeiten und vergaß, was ich bereits geleistet hatte, um mir den Stammplatz zu erkämpfen. Ich habe daraus gelernt, dass ich an meine Fähigkeiten und Qualitäten glauben muss – ganz egal, gegen welchen Gegner wir spielen."

"Eine nahezu fehlerfreie Partie zu spielen, ist für einen Torhüter manchmal die einzige Möglichkeit, eine gute Partie zu spielen. Bereits der kleinste Fehler kann uns ganz schön dumm aussehen lassen und der Grund für eine Niederlage sein. Das kann mental ziemlich belastend sein, doch man muss damit leben und aus seinen Fehlern lernen, um denselben Fehler kein zweites Mal zu begehen."

An der Costa del Azahar fühlt sich Ryan mittlerweile sehr wohl. Der Junge aus Blacktown vergisst jedoch nicht seine Wurzeln. "Ich bin im Westen von Sydney aufgewachsen, wo wir nur das Nötigste, jedoch nicht den Luxus schöner Dinge hatten. Genau das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich kann mich glücklich schätzen, eine großartige Familie um mich herum zu haben, die maßgeblichen Anteil an allem hat, was ich bislang erreicht habe."

"Meine Mutter Carol und meine Schwester Megan werden Weihnachten erstmals in Spanien feiern. Vor wenigen Jahren hätte mich mir nicht träumen lassen, dass wir Weihnachten in Spanien verbringen würden. Nun freue ich mich schon darauf, ihnen von meinen Erfahrungen in Spanien zu erzählen."

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