FIFA Weltmeisterschaft™

Rohr peilt mit 'Super Eagles' neue Höhenflüge an

Nigeria's new head coach German Gernot Rohr looks on
© AFP

Überall in Afrika haben schon viele deutsche Trainer Teams mit ganz unterschiedlichen Erfolgen betreut. Namen wie Otto Pfister, Rudi Gutendorf und Burkhard Ziese ebneten den Weg, viele andere folgten, darunter Gernot Rohr, den FIFA.com zum exklusiven Interview traf.

Als Rohr im vergangenen August die Nationalmannschaft Nigerias übernahm, hatten die Super Eagles gerade zum zweiten Mal in Folge die Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal verpasst. Die Enttäuschung in dem fussballbegeisterten Land im Westen Afrikas war riesig. Schließlich hatte Nigeria noch 2013 in Südafrika die Afrikameisterschaft gewonnen und sich auch bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ sehr achtbar geschlagen.

Rohrs Auftrag war also klar: eine erfolgreiche Qualifikation der Super Eagles für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™. Dazu allerdings müssen sich die Nigerianer in einer ungemein schweren Gruppe mit Algerien, Kamerun und Sambia durchsetzen.

Der frühere Verteidiger, der in seiner Zeit bei Girondins Bordeaux zum Star wurde, erwischte einen guten Start in seine Amtszeit und feierte mit Nigeria einen 1:0-Sieg gegen Tansania. Allerdings war dieses Qualifikationsspiel für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal kaum noch von Bedeutung, da sich Ägypten bereits den Qualifikationsplatz in Gruppe G gesichert hatte.

Wichtiger war da schon der 2:1-Erfolg von Rohrs Schützlingen in Sambia zum Auftakt der WM-Qualifikation. Es folgte ein klarer 3:1-Heimsieg gegen Algerien. Dank der sechs Punkte und einiger Überraschungen in den anderen Spielen liegen die Nigerianer derzeit mit vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze.

"Die zwei Auftaktsiege waren ein großartiger Start. Jetzt spielen wir allerdings bis Ende August, Anfang September gar nicht mehr. Dann treffen wir auf Kamerun", so Rohr. "Die Kameruner sind gerade Afrikameister geworden und entsprechend motiviert. Natürlich wollen sie den Schwung aus Gabun in die WM-Qualifikationsspiele mitnehmen.

Ich lasse mich jedenfalls nicht von den frühen Erfolgen mitreißen. Es ist und bleibt eine sehr schwere Gruppe und noch ist nichts entschieden. Aber ich gebe zu, dass wir im Moment einen kleinen Vorteil haben und wenn wir unsere beiden Heimspiele gegen Kamerun und Sambia gewinnen, werden wir uns qualifizieren."

*Die richtige Mischung aus Stars und Newcomern
*
Wie viele seiner Kollegen in Afrika kann Rohr auf eine ganze Reihe Spieler zurückgreifen, die überall in Europa aktiv sind. Doch im Gegensatz zu vielen anderen hat er sogar mehrere Akteure zur Verfügung, die sich regelmäßig in einer der besten Ligen der Welt beweisen müssen, der englischen Premier League. "Das Team und das ganze Land waren vom Scheitern in der Qualifikation für die Endrunde in Gabun schwer getroffen. Ich wollte daher einige jüngere Spieler in den Kader holen. Das heißt allerdings nicht, dass die Türen für irgendjemanden verschlossen wäre."

Rohr berief beispielsweise Isaac Success erstmals in die Nationalmannschaft und griff auch auf junge Akteure wie Alex Iwobi und Kelechi Iheanacho zurück. Doch der Deutsche setzte nicht voll und ganz auf talentierte Youngster sondern verließ sich auch weiterhin auf die Dienste erfahrener Veteranen wie Elderson Echiejile, John Ogu und natürlich Kapitän John Obi Mikel.

Doch nicht nur in der A-Nationalmannschaft war viel zu tun. Auch in den Nachwuchs-Altersklassen waren Erfolge wie früher selten geworden. "Ich wollte dabei helfen, das wieder zu ändern", so Rohr. "Daher habe ich angeboten, auch die nur aus Einheimischen bestehende Mannschaft zu betreuen, auch wenn ich für sie nicht direkt verantwortlich bin. Zudem habe ich angeboten, auch ein Auge auf die Frauen-Nationalmannschaft zu werfen. Als ich im vergangenen August anfing, habe ich diese Dinge zugesagt."

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere bei Bordeaux im Jahr 1989 wechselte Rohr sofort auf die Trainerbank des Klubs, zunächst als Nachwuchstrainer, dann als Coach der A-Mannschaft. 2010 übernahm er dann erstmals eine Nationalmannschaft und führte Gabun zwei Jahre später bis ins Viertelfinale des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals. Es folgten Amtszeiten bei Burkina Faso und Niger.

Rohr hat in seiner Trainerkarriere mit einigen herausragenden Spielern gearbeitet. Gabuns Nationalstürmer Pierre-Emerick Aubameyang hält er für einen der Besten. "Unter Thomas Tuchel spielt er bei Borussia Dortmund eine zentralere Rolle als noch unter Jürgen Klopp. Er ist noch effizienter geworden und braucht nicht viele Chancen, um zum Torerfolg zu kommen.

Er liebt es, aus der Tiefe nach vorn zu stoßen. Dabei kommt ihm natürlich seine enorme Schnelligkeit sehr zugute. Er hat sich als Spieler weiter entwickelt und könnte sogar noch besser werden. Wenn er mit links noch etwas besser wird, sein Spiel aus der Tiefe noch etwas verbessert und noch etwas an seiner Konzentration arbeitet, würde er sogar noch effektiver. Aber er ist schon jetzt einer der besten Stürmer der Welt und hat alle Stärken, so dass er bei jedem Klub spielen könnte."

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