Poulsen: "Wir können eine neue Ära beginnen"

Ivory Coast's Yao Kouassi Gervais dit Gervinho (R) vies for the ball with a Tanzania player Nditi Shabani mussa
© AFP

Tansania steht in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ in einer der schwersten Gruppen. Zu den Konkurrenten gehören Afrikas bestplatzierte Fussballnation Elfenbeinküste und der viermalige WM-Teilnehmer Marokko. Bisher sind die Taifa Stars in WM-Qualifikationsturnieren stets klar gescheitert. Doch dieses Mal haben sie zu Beginn durchaus forsch mitgespielt und finden sich nach zwei Spieltagen mitten im Geschehen.

Am Ruder steht mit Kim Poulsen ein Däne, der den Posten vor einigen Monaten von seinem Landsmann Jan Borge Poulsen übernommen hat. Der ehemalige Trainer von AC Horsens und Viborg FF hatte zuvor bereits Erfahrung in Singapur gesammelt. Doch das Engagement als Nationaltrainer Tansanias ist sein erster "großer" Job. In einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com sprach der 43-Jährige über seine bisherigen Eindrücke und seine Pläne.

Sind Sie mit dem Verlauf der ersten zwei Qualifikationsspiele Tansanias im Juni zufrieden?
Ja. Wir haben mit einer neu formierten, sehr jungen Mannschaft unser erstes Spiel auswärts gegen die Elfenbeinküste bestreiten müssen und dort eine gute Leistung gezeigt, auch wenn wir die Partie am Ende verloren haben. In unserem ersten Heimspiel haben wir dann gegen Gambia gewonnen. Dabei hat die Mannschaft sehr gut gespielt und auf der guten Leistung aufgebaut, die wir im ersten Spiel gezeigt hatten. Der Sieg war sehr wichtig für die Spieler. Derzeit liegen wir also mit einem Sieg und einer Niederlage auf dem zweiten Platz in der Gruppe und können damit sehr zufrieden sein. Natürlich wissen wir, dass es gegen unseren nächsten Gegner Marokko sehr schwer werden wird. Doch wir haben mit dieser jungen Mannschaft einen neuen Weg eingeschlagen und wollen in höhere Bereiche vorstoßen.

Wie groß ist das Potenzial?
Wir haben zahlreiche junge Spieler in die Mannschaft integriert und einen guten Monat zusammen verbracht, denn vor der Partie gegen die Elfenbeinküste hatten wir ein Freundschaftsspiel gegen Malawi, dann haben wir gegen Gambia gespielt und schließlich auch noch gegen Mosambik [in der Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2013]. Wir haben erstmals ein Unentschieden in Mosambik erreicht, aber leider im Elfmeterschießen verloren. Trotzdem haben wir auch dort eine gute Leistung gezeigt. Das beweist, dass in diesem Team eine ganze Menge Potenzial steckt. Wenn wir genügend Zeit bekommen, um die Mannschaft vorzubereiten, können wir eine neue Ära beginnen.

Diese Niederlage gegen Mosambik war ein Rückschlag.Jetzt haben Sie viel Zeit bis zum nächsten WM-Qualifikationsspiel im März in Dar es Salaam gegen Marokko.
Natürlich war das enttäuschend, doch wir alle wissen, dass im Elfmeterschießen das Glück entscheidet. Und wir haben erst beim neunten Elfmeter verloren. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die Endrunde des Afrikanischen Nationen-Pokals zu erreichen, weil es eine ziemlich kurze Qualifikation war und natürlich wären wir gern in die letzte Runde eingezogen. Aber so ist nun mal Fussball. Am 14. November steht ein Freundschaftsspiel auf dem Programm und anschließend spielen wir vom 24. November bis Mitte Dezember beim CECAFA Challenge Cup in Uganda. Das bedeutet, dass wir viel Zeit mit dem Team haben werden. Und das macht eine gute Vorbereitung aus.

Ist es ein Vorteil, dass nahezu alle Nationalspieler in Tansania spielen?Das hat Vor- und Nachteile. Wenn man viele Spieler im Ausland hat, die auf einem wirklich hohen Niveau spielen, dann können diese Akteure natürlich eine Menge in die Nationalmannschaft einbringen. Unser Spiel gegen die Elfenbeinküste war in gewisser Weise ein Duell von Tansanias Fussballfamilie gegen die englische Premier League! Natürlich kann man diese Klasse und die entsprechenden Vorteile nicht übersehen. Doch wenn man nur Spieler hat, die im Ausland in den niedrigeren Ligen spielen, sieht die Sache schon ganz anders aus. Tansania verfügt nicht über Spieler bei einem europäischen Spitzenklub. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Spieler, die wir in die Nationalmannschaft holen, auf einem Niveau spielen müssen, das für die Mannschaft einen echten Zugewinn bedeutet. Wir haben nur ein paar Spieler bei Klubs in anderen afrikanischen Ländern, die zu unseren Trainingslagern kommen können. Man kann das also von beiden Seiten sehen.

Welche Ambitionen haben Sie mit den Taifa Stars?
Ich teile mit den Spielern den Traum, dass wir 2015 die Endrunde des nächsten Afrikanischen Nationen-Pokals erreichen können. Das hat Tansania seit vielen, vielen Jahren nicht geschafft. Es ist ein sehr ambitioniertes Ziel aber ich halte es trotzdem für realistisch, wenn wir auf und abseits des Feldes optimal arbeiten. Für mich ist der Siegeswille sehr wichtig, aber der Wille, gut vorbereitet zu sein, ist ebenso wichtig. Das ist das Motto, unter dem ich arbeite. Manchmal hat man große Träume und denkt, dass man einfach ein paar Wochen vor einem Spiel ein Team zusammenstellen und damit Erfolg haben kann. Aber das stimmt nicht. Der Siegeswille ist wichtig, aber eine gute Vorbereitung ist unerlässlich. Wir haben außerdem begonnen, die Aufbauarbeit mit den U-17- und U-20-Mannschaften zu intensivieren. Wir führen regelmäßig Trainingseinheiten mit diesen Teams durch und bringen sie dadurch voran. Wir haben sogar schon ein paar Spieler aus der U‑20‑Auswahl in der A‑Nationalmannschaft eingesetzt. Sollten wir die Qualifikation schaffen, wäre das eine fantastische Leistung für das Land.

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