FIFA Congress

Pieth: Spektakuläre Fortschritte

Michael J Garcia, Chairman of the investigatory chamber of the FIFA Ethics Committee
© Getty Images

Nach Abschluss des 63. FIFA-Kongresses in Mauritius hatten internationale Medienvertreter Gelegenheit, mit vier hochrangigen Funktionären zu sprechen, die maßgeblich am FIFA-Reformprozess beteiligt waren.

Dabei handelte es sich um Prof. Mark Pieth, Vorsitzender der unabhängigen Kommission für Governance (IGC); Domenico Scala, Vorsitzender der Audit- und Compliance-Kommission, Hans-Joachim Eckert, Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission und Michael Garcia, Vorsitzender der Untersuchungskammer der Ethikkommission.

Pieth, dessen IGC von Anfang an eine wichtige Rolle im FIFA-Reformprozess spielte, äußerte sehr offen seine Einschätzung darüber, wie weit die FIFA bei ihren Bemühungen bislang gekommen ist: "Zum jetzigen Zeitpunkt kann man feststellen, dass wir klare Fortschritte gemacht haben", erklärte Pieth. "Es liegen noch einige Herausforderungen vor uns, aber dies ist ein Prozess der Selbstregulierung, und der benötigt naturgemäß Zeit."

"In relativ kurzer Zeit haben wir zum Teil spektakuläre Fortschritte gemacht. Wir verfügen nun über eine glaubhafte, unabhängige Judikative. Das ist ein ganz wichtiger erster Schritt, einen Ermittler und einen Richter zu haben, mit ihren jeweiligen Kammern.

"Sie (Garcia und Eckert) haben von Anfang an Gas gegeben und sich geradezu in die Arbeit gestürzt. Auch die Arbeit von Herrn Scala und seiner Audit- und Compliance-Kommission war bislang äußerst wichtig."

Pieth erklärte auch, dass seiner persönlichen Ansicht nach die Medien zu stark den Fokus auf Altersgrenzen und Amtszeiten legten. "Ich habe immer schon gesagt, dass es Zeit braucht, einen Verband zu ändern. Das ist ein langwieriger Prozess. Ganz wichtig ist es, dass auch die Organisation mitzieht. Dinge müssen umgesetzt und angepasst werden."

Aufgaben und Zuständigkeiten der Ethikkommission
Als Vorsitzender der Untersuchungskammer der Ethikkommission hat Michael Garcia eine klare Vorstellung von seinen Aufgaben und Zuständigkeiten. "Meine Aufgabe ist es, Fakten und Beweise zu sammeln und nach Abschluss dieses Verfahrens meinen Bericht an Herrn Eckert weiterzuleiten", erklärt er.

Zu den anhaltenden Spekulationen der Medien über das Vergabeverfahren für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022™ befragt, sagte Garcia: "Ich habe schon einmal gesagt, dass ich Informationen von einer Londoner Zeitung erhalten habe. Ich werde mir einige der Verfahren ansehen, aber wenn es entsprechende Informationen da draußen gibt, dann ist es jetzt Zeit, sie mir zukommen zu lassen."

"Im Verlauf einer Untersuchung muss ich natürlich auf Vertraulichkeit achten. Ich darf keine Informationen aus laufenden Verfahren offenlegen und muss natürlich auch alle schützen, die sich vertrauensvoll an mich wenden."

Kooperation der FIFA
Sämtliche Vorsitzende wurden zur Mitarbeit seitens der FIFA befragt und auch darüber, ob sie bislang bei ihrer Tätigkeit behindert worden waren. "Vor einem Jahr traf ich Julio Grondona (Vorsitzender der Finanz-Kommission) im Büro von Herrn Kattner (Finanzdirektor der FIFA). Die Kooperation, die sie anboten, war hervorragend. Grondona war außerordentlich offen zu mir", sagte Scala.

Hinsichtlich der von der Ethikkommission verlangten ethischen Richtlinien äußerte sich Hans-Joachim Eckert sehr deutlich: "Das Personal der FIFA ist verpflichtet, mit den Untersuchungsorganen zusammenzuarbeiten. Es gibt Sanktionen gegen jeden, der nicht unserer Bitte nachkommt, mit ihm zu sprechen oder nicht die Dokumente herausgibt, die wir verlangen."

Der 63. Kongress markiert das Ende der letzten beiden Jahre des FIFA-Reformprozesses. Zum Abschluss äußerte sich noch FIFA-Präsident Joseph S. Blatter: "Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir heute einige wichtige Entscheidungen getroffen haben. Wir mussten der Welt zeigen, dass wir es ernst meinen, wenn wir sagen, dass wir hart daran arbeiten, unsere Arbeit zu reformieren".

"Ob das die öffentliche Wahrnehmung der FIFA positiv beeinflusst? Vielleicht. Ich hoffe schon. Aber ich weiß es nicht. Aber eigentlich ist das die falsche Frage. Die sollte lauten: Wollen WIR Veränderungen? Und darauf gibt es nur eine Antwort: Ja! Denn die brauchen wir.

Der Fussball braucht es. Es ist an der Zeit. Wir lassen andere über uns urteilen, denn wir wollen den Worten Taten folgen lassen. Unser Ziel muss es sein, diesen Sport zu schützen und ihn so gut wie möglich für die kommende Generation und alle weiteren Generationen, die sich mit diesem wunderbaren Spiel befassen, weiter zu entwickeln."

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