FIFA Weltmeisterschaft™

Neue Verantwortung für Lee

Lee Chung-Yong of South Korea reacts
© Getty Images

Für Lee Chungyong sind die Reisen zu WM-Qualifikationsspielen in sein Heimatland nicht nur eine Chance, alte Freunde zu treffen oder die einheimische Küche zu genießen. Für ihn gibt es noch einen viel wichtigeren Aspekt, nämlich die Gelegenheit, seine neugeborene Tochter zu sehen.

"Meine Frau und meine Tochter leben in Korea und ich in London. Ich vermisse sie jeden Tag", so Lee in einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com. "Natürlich führen wir jeden Tag Video-Gespräche. Das ist ein großartiges Gefühl. Ich trage jetzt mehr Verantwortung. Ich war bei ihrer Geburt vor einigen Wochen nur drei, vier Tage in Korea."

Auch auf dem Spielfeld übernimmt Lee mehr und mehr Verantwortung, schließlich gehört er mittlerweile zu den erfahrenen Akteuren im Kader von Nationaltrainer Uli Stielike. Denn obgleich er erst 27 ist, hat der Mittelfeldspieler von Crystal Palace bereits viel Erfahrung gesammelt und soll einen entsprechenden Beitrag zur neuerlichen WM-Qualifikation der Taeguk Warriors leisten. Bisher lief alles nach Plan: In den sechs absolvierten Spielen brachten es Stielikes Schützlinge auf sechs Siege und 23 Tore ohne ein einziges Gegentor. Damit haben die Südkoreaner die dritte Runde schon jetzt sicher erreicht.

"Die Mannschaft wird immer stärker", ist Lee überzeugt. "Im vergangenen Jahr habe ich wegen Verletzungen nicht allzu oft gespielt. Ich hoffe, dass es jetzt wieder mehr Spiele werden. Wir haben derzeit von der Abwehr bis hin zum Angriff auf allen Positionen starke Spieler. Wir sind ein noch recht junges Team, haben aber trotzdem schon recht viel Erfahrung. Ich denke, wir brauchen noch ein bisschen mehr Training und Zeit."

*Angestrebte Konstanz *Geduld gehört zu den wichtigen Tugenden, die der Mittelfeldspieler ununterbrochen predigt. Stabilität ist der Schlüssel zum Aufbau eines bleibenden Vermächtnisses, und auch auf dem Weg zu einer erfolgreichen Finalrunde in Russland.

"Wir brauchen eine gute Vorbereitung über drei, vier Jahre, vielleicht sogar bis zu acht Jahre", sagte Lee. "Immer wenn der Trainer wechselte, wurden auch viele Spieler ausgetauscht. Wenn wir bei einer WM gute Ergebnisse holen wollen, brauchen wir ein paar Jahre ohne große Veränderungen."

Den aktuellen Nationaltrainer lobt Lee in höchsten Tönen. Stielike gebe den Spielern Selbstvertrauen, meint er und er habe eine Atmosphäre geschaffen, in der das Team auf dem Feld frei agieren kann.

Diese Freiheit fehlte der Mannschaft bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ noch, so dass Lee nach dem Ausscheiden in der Gruppenphase mit gemischten Gefühlen auf diese WM zurück blickt. Vier Jahre zuvor in Südafrika war es für ihn besser gelaufen. Damals erzielte er zwei Tore und erreichte mit dem Team und Trainer Huh Jungmoo das Achtelfinale.

"Die Weltmeisterschaft ist das Turnier meiner Träume", so Lee. "2010 hatte ich es ein bisschen leichter. Damals hatten alle Spieler mehr Erfahrung, da bin ich einfach ihrem guten Beispiel gefolgt. Vier Jahre später stand ich schon deutlich mehr unter Druck. Ich finde nicht, dass ich 2014 in Brasilen besonders gut gespielt habe. Wir waren unzufrieden mit der WM. Das war keine leichte Zeit für mich. Ich hoffe, dass wir es nach Russland schaffen. Bei meiner dann dritten WM-Teilnahme will ich für bessere Erinnerungen sorgen."

*Koreanischer Flair in London *Wie groß Lees Chancen sind, in Russland für gute Erinnerungen zu sorgen, hängt nicht unerheblich von Koreas Starstürmer Son Heungmin ab. Auch er spielt für einen Londoner Klub, allerdings auf der anderen Seite der Themse, nämlich für Tottenham Hotspur. Lee erzählt, dass die beiden oft ihre Freizeit miteinander verbringen.

"Ich spiele sehr gern an seiner Seite", so Lee. "Wir haben uns vor vier, fünf Jahren in der Nationalmannschaft kennen gelernt. Er ist ein sehr cleverer und fröhlicher Spieler und Menschsch. Wir treffen uns im Moment ziemlich häufig. Natürlich reden wir dabei oft über Fussball, aber durchaus auch mal über etwas anderes. Und natürlich essen wir stets zusammen koreanisch. Mittlerweile kennen wir die besten Restaurants dafür!"

Der damals 13-jährige Lee hat sich bestimmt nicht träumen lassen, dass er einmal als Profifussballer in London leben würde, als er 2002 staunend miterlebte, wie seine Nationalmannschaft im eigenen Land das WM-Halbfinale erreichte.

"Diese WM war wie ein wundervoller Traum für mich", erinnert sich Lee. "Ich habe diese Zeit sehr genossen und die WM in meinem Land intensiv verfolgt. Als ich später selbst zur Nationalmannschaft kam, habe ich noch mit Spielern von 2002 zusammen gespielt. Das Achtelfinale gegen Italien war sehr, sehr spannend. Ich war extrem nervös und ich glaube, das ganze Land zitterte vor Aufregung!"

*Alles auf eine Karte gesetzt *Inspiriert von diesem historischen Turnier entschied sich der damals 16-jährige Lee, voll ins Training beim FS Seoul einzusteigen, während sich die meisten seiner Teamkameraden auf die Schule konzentrierten, um später die Universität zu besuchen.

"Das war schon ein bisschen riskant, eine Art Glücksspiel. Aber es war mein großer Traum, Profifussballer zu werden, und diesen Traum konnte ich nur so erreichen. Beim FC Seoul wollte man, dass ich mit den Profis trainierte, das war eine Riesenchance für mich. Meine Eltern haben meine Entscheidung respektiert."

Was würde er selbst sagen, wenn seine Tochter ihn später einmal fragt, ob sie die Schule aufgeben könne, um Fussballerin zu werden?

"Wenn sie das so möchte, dann ist es in Ordnung", so Lee. "Aber trotzdem hätte ich lieber, dass es nicht dazu kommt. Ich habe schon ein paar Verletzungen hinter mir und möchte natürlich nicht, dass meine Tochter verletzt wird."

Lee lebt zwar auf der anderen Seite der Welt, doch seine Liebe für Frau und Tochter ist deutlich spürbar, und so wird er sie auch nach den Qualifikationsspielen nach London holen. Und dann dürfte er sehr bald noch eine ganz andere Bedeutung des Wortes 'Verantwortung' kennen lernen...

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