FIFA Weltmeisterschaft™

Martins: Ein Experte für Heldentaten

Brest's French coach Corentin Martins looks at his players
© AFP

Es ist ein wahrer Husarenstreich, der Mauretanien am vergangenen September in der Qualifikationspartie zum CAF Afrikanischen Nationenpokal 2017 gelungen ist: Der vermeintliche "Zwerg" feierte gegen einen Giganten des Kontinents, Südafrika, einen 3:1-Erfolg. Mit diesem Sieg blieben die Männer von Corentin Martins nicht nur dem Spitzenreiter in Gruppe M, Kamerun, auf den Fersen, sondern sorgten gleichzeitig dafür, dass ihr Coach seinem Ruf einmal mehr alle Ehre machte.

Tatsächlich hatte sich der 14-fache französische Ex-Nationalspieler in seiner aktiven Spielerkarriere die Reputation erworben, mit Außenseiterteams regelmäßig die Vorherrschaft der Fussballmächte herauszufordern. Und dies mit großem Erfolg. Seine wichtigsten Titel sind der zweimalige Gewinn des französischen Pokals mit AJ Auxerre 1994 und 1996 sowie ein weiterer Pokalsieg mit RC Strasbourg 2001, aber auch der Gewinn der französischen Meisterschaft mit Auxerre 1996. "Es stimmt, dass ich gerne in der Rolle des Underdogs bin, der die Großen schlagen will. Das ist eine Ausgangslage, die mir gefällt", sagt der 1,72 große ehemalige Spielmacher im Gespräch mit FIFA.com. "Mit Mauretanien folge ich der gleichen Logik. Wir sind nie die Favoriten. Wir können immer nur für Überraschungen sorgen."

Die Heldentat gegen die Bafana Bafana war eine solche Überraschung und löste eine wahre Welle der Begeisterung im Land aus. "Dieser Sieg ist wichtig. Südafrika gehört in Afrika zu den Großen. Es ist für alle Mauretanier, für die Spieler und für den Trainerstab eine riesige Freude und hat uns sehr stolz gemacht, gegen eine Mannschaft dieses Kalibers zu gewinnen", fährt Martins fort. "Es ist unser Ziel, solche Momente immer wieder zu erleben. Doch hierfür müssen wir aufhören, von diesem Spiel zu träumen. Wir müssen uns weiterentwickeln. Dies muss den Spielern einfach Selbstvertrauen geben."

Die Botschaft scheint bei seinen Schützlingen angekommen zu sein. Am 8. Oktober ließ das Team in der Qualifikationspartie zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ auswärts gegen Südsudan ein ermutigendes Unentschieden folgen. "Mir gefällt an meiner Mannschaft, dass sie noch großes Verbesserungspotenzial hat. Sie ist zu noch mehr in der Lage", betont Martins. "Außerdem ist es ein Team, in dem die Spieler füreinander da sind. Sie freuen sich, zusammen zu sein und haben Spaß dabei."

Spaß zu haben ist ein wichtiger Faktor bei Martins. Der in Brest geborene einstige Ballkünstler hat in seiner 17 Jahre langen Profikarriere stets danach gestrebt, selbst Spaß zu haben und anderen Freude zu bereiten. So verwundert es nicht, dass Martins seiner Maxime auch als Auswahltrainer treu bleibt: "Es diktiert alle meine Entscheidungen" bestätigt er. "Ich bin an der Spitze dieser Mannschaft, weil es mir Vergnügen bereitet. Und ich habe mich vor allem deshalb für den Trainerberuf entschieden, weil es mir Spaß macht, wenn eine Mannschaft den Fussball spielt, den ich sehen will." 

*Nächstes Ziel: Afrikanische Nationenmeisterschaft *
Zumal auch die Ergebnisse erzielt werden, damit der Spaß nicht verdorben wird. Seit Martins vor einem Jahr die Leitung der mauretanischen Nationalelf übernommen hat, hat sich die Mannschaft in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste um 48 Plätze verbessert und liegt nur noch zwei Ränge unter der höchsten jemals erzielten Platzierung, einem 85. Rang im Jahr 1995. "In der Weltrangliste weiter nach oben zu klettern und das Erreichen der Afrikanischen Nationenmeisterschaft sind meine Hauptziele", sagt der ehemalige Trainer von Stade Brest. Um dies zu erreichen, kann er auf eine Gruppe von erfahrenen Akteuren zählen, die in Frankreich, Algerien und Marokko aktiv sind, aber auch auf einige vielversprechende einheimische Talente wie Aly Abeid oder Boubacar Bagili.

"Mehr als unsere Einzelspieler zeichnet uns unsere mannschaftliche Geschlossenheit und Mentalität aus. Man muss jedes Mal, wenn man auf den Platz geht, 200 Prozent bringen. 100 Prozent sind nicht genug. Wir haben sehr wenig Spielraum für Manöver. Um die Spiele zu gewinnen, ist es unabdingbar, sein Bestes zu geben", betont Martins. "Ich für meinen Teil versuche, meine Erfahrung einzubringen. In den Spielen versuche ich, so präsent wie möglich zu sein. Da wir nicht Argentinien oder Deutschland sind, gibt es immer etwas zu korrigieren. Ich will, dass meine Spieler spüren, dass ich an der Seitenlinie da bin. Ich denke, das ist wichtig."

Die reiche Erfahrung, die Corentin Martins als Spieler gesammelt hat, sein Glaube daran, Berge versetzen zu können und eine Erfolgsliste, auf der unter anderem das Erreichen des Halbfinales bei der UEFA EURO 1996 steht, fallen auf einer Trainerbank mit Sicherheit ins Gewicht. "Es kommt nicht so sehr darauf an, was ich gestern als Spieler machen konnte, sondern zu was ich heute möglicherweise als Trainer fähig bin", wehrt Martins hingegen ab. "Außerdem kennen die jungen Spieler, die ich trainiere, meine Vergangenheit als Spieler nicht mehr oder kaum, je mehr Jahre ins Land gehen. Und den Respekt als Trainer verdient man sich nicht durch einen guten Namen, sondern durch die Fähigkeit, Probleme im Voraus zu erkennen. Dies ist die beste Art und Weise, um seine Glaubwürdigkeit unter Beweis zu stellen."

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