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#VamosAlEstadio: Fans sollen positiven Wandel herbeiführen

Image of the #VamosAlEstadio campaign during the game between Universidad Católica and Universidad de Chile
© Others

Ein leerer Raum trennt zwei unterschiedliche Fangemeinden auf derselben Tribüne. Das Bild eines solchen "Pufferblocks" diente als Auslöser für die Kampagne #VamosAlEstadio [Auf ins Stadion], die auf einen Wandel auf den Tribünen der chilenischen Fussballstadien abzielt.

"*Vamos al Estadio* ist im Grunde eine groß angelegte Initiative, die wir 2018 gestartet haben, um neue Fangemeinden aufzubauen", erklärt Sebastián Moreno, Präsident des chilenischen Fussballverbands (ANFP).

"Wir möchten diesen grauen und leeren Raum, den es derzeit gibt, um Konflikte zu vermeiden, in einen Raum des friedlichen Miteinanders verwandeln, in etwas Positives für Jungen und Mädchen. Wir haben das bereits in symbolträchtigen Spielen wie Derbys und anderen Begegnungen mit Konfliktpotenzial getan, um eine klare Botschaft herüberzubringen: Der Fussball soll uns vereinen", erklärt er.

Das Pilotprojekt wurde im Mai anlässlich des sogenannten Clásico Provincial zwischen San Luis Quillota und Unión La Calera durchgeführt. Unter dem Motto #SomosHinchas [Wir sind Fans] haben jeweils 100 Fans beider Klubs im Beisein von Koordinatoren gemeinsam an pädagogischen und Freizeitaktivitäten teilgenommen und sich später die Begegnung zusammen im Pufferblock angeschaut.

"Wir möchten, dass diese Jungen und Mädchen das Gefühl bekommen, dass das Stadion ihnen gehört", so Moreno weiter. "Wenn es uns gelingt, für den Fussball typische Werte wie Respekt, Kameradschaft und Teamarbeit in den Köpfen dieser Jungen und Mädchen zu verankern, gibt es keinen Raum mehr für Feindseligkeit. Diese Einstellungsänderung erreicht man nur über sie – die Fans von morgen."

Die entscheidenden Akteure

Die Initiative ist ein Gemeinschaftsprojekt des Verbands und der Abteilung "Sicheres Stadion" des Ministeriums des Inneren und der Öffentlichen Sicherheit und wird von den Klubs unterstützt.

Für Paulina Agüero, Geschäftsführerin und Marketingleiterin des ANFP, sind "die Klubs die treibende Kraft dieser Aktivität".

"Die Zusammenarbeit mit ihnen hat uns die Umsetzung der einzelnen Initiativen ermöglicht. Sie haben sich ebenfalls unserem Ziel verschrieben, mit dem Aufbau von Fangemeinden ein Vermächtnis zu hinterlassen. Die Vereine spielen eine Schlüsselrolle."

Agüero berichtet, dass 2018 sechs Aktionen realisiert und fast 3.000 Jungen und Mädchen im gesamten Land eingebunden werden konnten.

  • San Luis de Quillota gegen Unión La Calera (Clásico Provincial, Mai)
  • Unión Española gegen Audax Italiano (Clásico de las Colonias, Juli)
  • Coquimbo Unido gegen Deportes La Serena (Clásico del Norte Chico, August)
  • Universidad de Chile gegen Deportes Temuco (August)
  • Universidad de Chile gegen Universidad Católica (Clásico Universitario, Oktober)
  • Colo-Colo gegen Universidad de Concepción (Dezember)

Nicht alle standen der Initiative positiv gegenüber. Es gab durchaus auch Gegner. "Das größte Hindernis war die skeptische Einstellung von Leuten, die nicht daran geglaubt haben, dass wir Anhänger unterschiedlicher Klubs nebeneinander setzen können", so Agüero.

"In einer Partie gab es sogar Personen, die uns beleidigt und als unverantwortlich bezeichnet haben, weil sie der Ansicht waren, dass wir Zwischenfälle auslösen könnten. Wir haben ihnen bewiesen, dass sie sich irren. Die Kinder haben die Tore ohne jegliche Aggression gefeiert!"

Laut Moreno ist es wichtig, die Familien in das Projekt einzubinden. "Es ist ganz wichtig, dass diese guten Erfahrungen zu Hause zu alltäglichen Gesprächsthemen werden. Wir versuchen, mit dieser Aktivität einen möglichst großen Querschnitt zu erreichen. Das hat etwas mit dem Wesen des Fussballs zu tun, denn diese Sportart steht allen offen."

Der Mitnahmeeffekt verdoppelt den Erfolg. "Einerseits reagieren die den Kindern nahestehenden Personen ebenfalls positiv. Das Wesen des Pufferblocks greift auf die anderen Tribünen über. Andererseits kehren die Familien ins Stadion zurück: Die Zuschauerzahlen waren 2018 höher als in den letzten 20 Jahren."

So geht es weiter

Die erste Aktivität des Jahres 2019 war das Bemalen einer Wand am Gebäude der Nationalmannschaft. Die Thematik entstand aus Ideen, die die Kinder bei den einzelnen Spielen hatten. Die zweite Aktivität gab es am ersten Spieltag der ersten chilenischen Liga anlässlich des Duells zwischen Coquimbo Unido und Universidad Católica.

"Diese Kampagne hat kein Enddatum, Bildung ist ein stetiger Prozess", erklärt Agüero.

"Dennoch glauben wir, dass immer weniger Überwachung erforderlich sein wird. Wenn die Fans diese Werte für sich selbst übernehmen, haben sie ein eigenes Interesse daran, die positiven Räume in den Stadien zu schützen und Fehlverhalten Tür und Tor zu verschließen."

"Unsere Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass diese Räume auf natürliche Weise geschaffen werden. Wir müssen weiter fleißig Konzepte umsetzen. Das ist das große Ziel für 2019."

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